Lesesozialisierung bei leseschwachen Kindern

  Für Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) spielt die Lesesozialisierung in ihren Familien eine wichtige Rolle. Diese Tatsache ist in der Leseforschung schon seit Jahrzehnten bekannt. Welche Erfahrungen haben wir in unserer praktischen Arbeit mit den Betroffenen gesammelt? Spielt bei allen Leseschwierigkeiten der Kinder der familiäre Hintergrund eine Rolle? Hierzu gibt es keine einfache Antwort. Doch wir können Hinweise darauf entdecken, welche Ursachen es für die Leseprobleme geben kann. In der Fachwelt wird diskutiert, ob es bei Kindern mit LRS soziale Ursachen im familiären Umfeld gibt, die diese Leseschwierigkeiten begünstigen, obwohl diese Kinder keine Probleme haben müssten. Ein wichtiger Punkt ist dabei der übermäßige Medienkonsum (Handy, TV, Internet, Spielekonsolen). Zusätzlich spielt der soziale Hintergrund der Familien eine große Rolle. Wichtig ist dabei, welche Vorbilder die Kinder in ihren Familien erleben. Wird in der Familie allgemein wenig gelesen, dann lesen die Kinder meistens auch weniger und sie tun sich schwerer mit …

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Interview mit Isabelle Joswig, Unternehmensberaterin und Legasthenikerin

Q: Wo hast du dein Auslandsstudium gemacht? A: Meinen Bachelor in „International Business“ (BWL mit internationalem Schwerpunkt) habe ich an der Maastricht University in den Niederlanden absolviert. Für den Master in „Managing People, Knowledge & Change“ (Personal- und Veränderungs-Management) hat es mich nach Schweden geführt, an die Lund University. Wusstet ihr, dass Legasthenie in der schwedischen Königsfamilie über Generationen vererbt wurde? Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich den Eindruck habe, dass meine Studienländer in Punkto Inklusion weit fortschrittlicher entwickelt sind als Deutschland. Q: Wie hast du das Studium mit einer Zweitsprache geschafft? A: Zu meinem Erstaunen ist mir das Studieren in Englisch bei weitem einfacher gefallen als zunächst angenommen. Ich hatte Kommilitoninnen, die mir ihre Zusammenfassungen zur Verfügung gestellt haben, sodass ich nicht alle Bücher und Artikel lesen musste. Ich habe in meinen Jahren als Studentin sehr viel Solidarität erfahren, obwohl ich mich nie offiziell „geoutet“ habe. Rückblickend …

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Rezension: Die Smartphone-Epidemie

Der Psychiater Manfred Spitzer veröffentlichte mit seinem Buch eine erneute Streitschrift unter dem Titel „Die Smartphone-Epidemie – Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft“. Als Fachleute haben wir tagtäglich mit Menschen zu tun, die Probleme mit dem Schriftspracherwerb haben. Dabei stellen wir schon seit längerem fest, dass sich ein übermäßiger Konsum von Smartphones und anderen neuen Medien schädlich auf die sprachliche, kognitive und psycho-emotionale Entwicklung der Betroffenen auswirken kann. Wir sind der Ansicht, dass viele Schwierigkeiten, die sich dann als LRS zeigen, auf einen unachtsamen Medienkonsum zurückzuführen sind. Manfred Spitzer liefert dafür weitere wissenschaftlich fundierte Fakten. So kann sich eine übermäßige Handynutzung ungünstig auf die gesamte Entwicklung der Kinder auswirken, wobei das insbesondere die sprachliche und speziell die schriftsprachliche Entwicklung durch Auftreten von Konzentrationsproblemen betrifft. Das unterstützt unsere These, dass es verschiedene Ursachen für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten bei Kindern geben muss. Einerseits werden diese durch Umwelteinflüsse begünstigt, andererseits können sie von familiären Häufungen …

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