Unsere lerntherapeutische Einzelförderung bewirkt deutliche Lernfortschritte und Selbstsicherheit

Rückmeldung einer Familie:

 

Lieber Herr Lehmann,

 

als Erstes möchten wir ihnen dafür danken, wie sehr sie A. in den letzten Monaten geholfen haben.

Durch das Coaching hat er mehr Selbstsicherheit im Schreiben erlangt und hat sich dadurch insgesamt im Unterricht verbessert.

 

Sogar so sehr, dass er jetzt eine Empfehlung für das Gymnasium hat.

Wir haben uns dennoch entschieden ihn zumindest vorerst auf die geplante Oberschule zu schicken und schauen uns seine Entwicklung weiter an.

 


Über solche Rückmeldungen freuen wir uns als Team, wenn unsere Schützlinge trotz Corona-Krise mit deutlich starken Rechtschreibproblemen gute Fortschritte machen. Nach ca. 5 Monaten ist das eine gute Entwicklung. LRS-Kinder müssen nicht nur in ihren Schwerpunkten im Lesen und Schreiben gesonderte Lerntherapien erhalten – sondern ihre Selbstsicherheit, aus der langfristig ein gesättigtes Selbstbewusstsein resultiert, ist ein sehr wichtiger Teil unserer pädagogisch-psychologischen Arbeit.

 

 

Ratgeber: Datenschutz ist wichtig! – Tipps vom Profi

Ratgeber: Datenschutz ist wichtig! – Tipps vom Profi

Datenschutz

Nach den NSA-Skandalen hört man in den Medien immer wieder, dass unsere Nutzerdaten vor der Einsicht durch Fremde recht unsicher sein sollen. In diesem Ratgeber wollen wir klären, wie man den Datenschutz verbessern kann. Denn eine 100-prozentige Sicherheit im Internet gibt es nicht. Trotzdem sollte man das Thema Datenschutz nicht aus den Augen lassen. Man kann nämlich einige Maßnahmen unternehmen, um die Sicherheit zu erhöhen – das ist besser als fahrlässig damit umzugehen.

Nicht nur Institutionen wie Behörden, Ärzte oder Journalisten sowie Unternehmen sehen sich häufig den Zugriffen von Geheimdiensten und Hackern ausgesetzt. Auch Ihre privaten Daten können genauso von anderen mitgelesen werden, sofern sie nicht geschützt sind. Sie mögen meinen: „Ich habe ja nichts zu verbergen!!“, das mag aus Ihrer Sicht verständlich sein. Auch unbescholtenen Bürgern kann es passieren, dass sie ausspioniert werden. Zumindest ist es theoretisch möglich. Wenn sie eine Internetseite besuchen oder mit dem Handy unterwegs sind – ihre Daten können mitgelesen werden, sofern Sie sie nicht verschleiern. Mit diesen Informationen kann viel passieren! Natürlich will die Werbeindustrie mehr über die Interessen und Kaufmotivationen erfahren, um die Vermarktung besser zu steuern. Jeder Nutzer muss selbst entscheiden, welche Daten er preisgibt. Deshalb sollte man sich die Angebote mit ihren Datenschutzerklärungen und AGBs genauer ansehen.

Nochmal zusammenfassend gesagt: Die Motive, warum unsere Daten mitgelesen werden, sind verschieden. Hier trägt jeder selbst die Verantwortung dafür, was er von sich preisgibt. Jetzt kommen ein paar Tipps, mit welchen Methoden und Tools man sich besser schützen kann. Wir bemühen uns, dies einfach zu erklären. Für die meisten Vorkehrungen braucht man etwas Übung und nicht alle Tools sind kostenlos. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen, mit ca. 80-150 Euro pro Jahr müsste man gut hinkommen. Es hängt immer von der Anzahl der Lizenzen ab. Wenn Sie die Links anklicken, erhalten Sie weiterführende Infos.

  1. Der PC oder andere Endgeräte sollten immer mit den neuesten Updates versehen sein, um Einfallstore für Hacker oder Schadsoftware zu vermeiden.
  2. Eine passende Virensoftware mit Firewall ist wichtig, diese Software sollte regelmäßig erneuert werden. Virenscans sollten möglichst häufig durchgeführt werden. Dazu ist ein integrierter Passwortschutz sowie Anti-Spam-Tool notwendig. Über E-Mails kommen die meisten Phishing-Attacken und Trojaner ins System.
  3. Ein Virtual-Privacy-Network (abgekürzt VPN) ist für das Verschleiern des Internetverkehrs wichtig, damit kann man die eigene IP sowie andere Daten etc. verschleiern.
  4. Clouds werden sehr gern genutzt, sie sind aber unsicher und man weiß nicht, was die Betreiber der Clouds mit den Daten anstellen, diese sollten daher möglichst
    verschlüsselt werden. Dazu gibt es folgende Tools: Boxcryptor oder man betreibt einen NAS-Server mit einer hochsicheren Resilio Sync (eingenes Cloudsystem).
  5. WhatsApp als Chatprogramm ist sehr beliebt, aber scheinbar recht unsicher. Hier kann man auf bessere Tools zurückgreifen, wie Threema und Telegram. Für Mediziner, Journalisten und Bildungseinrichtungen kann man auch Trustner empfehlen. In diesem Programm kann man individuelle Besprechungsräume einrichten und damit verschlüsselt kommunizieren.
  6. E-Mails können unverschlüsselt immer von Dritten mitgelesen werden. Wer technisch versiert ist, kann einen PGP für seine E-Mail mit Signatur erstellen, um die Mails im Mailprogramm zu verschlüsseln oder zu signieren. Dies klappt mit etwas Erfahrung mit Gpg4win oder für Nutzer ohne Erfahrung mit Startmail oder Tutanota.
  7. Daten, Dateien oder Festplatten sollte man in der Regel mehrfach verschlüsseln. Dateien kann man mit dem eigenen PGP-Schlüssel verschlüsseln (für Fortgeschrittene) oder man verschlüsselt ganze Ordner oder Festplatten mit VeraCrypt.
  8. Sichere Passwörter sind ein Muss. Auch die besten Dienste oder Apps nutzen wenig, wenn man keine sicheren Passwörter hat. Sie sollten möglichst mehr als 8 Zeichen haben, wenn möglich mehr. Es sollten keine Abkürzungen sein, die persönliche Daten wie Namen, Geburtsdatum, Wohnort etc. enthalten. Denken Sie sich einen eigenen Spruch oder Satz aus, den Sie sich gut merken oder aufschreiben können. Ich kenne gerne iNew York auf der Fifth Avenue Schuhe kaufen. Aus diesem Satz kann man folgendes Passwort bauen: IkgiNYadFASek@#8, dieses Passwort kann man, wenn es ähnlich aufgebaut ist, nicht so schnell knacken.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen, können Sie ihren persönlichen und beruflichen Datenschutz verbessern.

Ersterveröffentlichung vom 03.11.2016, update 26.05.2018.

 

Über Nutzen und Risiken eines medizinischen „Gehirn-Scans“ bei Lese-Rechtschreib-Schwäche

Seit über drei Jahrzehnten erforschen verschiedene Mediziner weltweit die neurologischen und genetischen Zusammenhänge, die für eine Legasthenie im Kindesalter verantwortlich sein sollen. Um die genetischen Ursachen für familiäre Häufungen der Legasthenie zu erkennen, entwickelten Forscher am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig einen „Hirn-Scan“ mittels MRT-Untersuchung bestimmter Gehirnstrukturen. Dieser Risiko-Test bei Vorschul- und Grundschulkindern soll in den kommenden Jahren als medizinischer Früherkennungs-Test weiterentwickelt und zu einer marktfähigen Screening-Methode ausgebaut werden.

 Zusammenfassung der Studie

Mit einem Langzeit-Test hat das Forscherteam um Michael A. Skeide diese Testmethode bei 141 Kindern erprobt. Es will damit die Grundlagen eines medizinischen „Gehirn-Tests“ für die Früherkennung der Legasthenie (Dyslexie) entwickeln. 

Die Stichprobe von 141 Kindern ist recht klein für einen Frühtest, der neurologische und erbliche Besonderheiten bei Kindern mit Legasthenie erkennen will. Dies wird auch von den Forschern angemerkt (vgl. Skeide et al., 2016). Es wurden MRT-Gehirn-Scans von Kindern in den Klassen 4 bis 8 sowie vom Kindergarten bis zur Klasse 1 gemacht. Dabei stellten die Forscher fest, dass Kinder mit einer bestimmten Variante des Gens NRSN1 strukturelle Unterschiede in einer Gehirnregion aufweisen, die als „Visual Word Form Area“, sozusagen als funktionale Region zum Erkennen von bestimmten Objektformen wie auch von Buchstaben bzw. Wortbildern zuständig sein soll. Diese Region soll nach diesen Studien ein wichtiger erblicher Indikator sein, der einen Hinweis auf eine Legasthenie liefern könnte.

Die Erkennungsquote des Tests lag bei dieser kleinen Stichprobe von 141 „Hirn-Scans“ bei 75 Prozent. Das heißt, bei 25 Prozent der Kinder wurden die Lese-Rechtschreib-Probleme nicht erkannt oder fälschlicherweise angenommen, dass die Kinder diese Probleme bekommen könnten.

Schlussbemerkung zur Studie

Dass legasthene Kindern ihre Probleme häufig von einem Elternteil geerbt haben, bedeutet keine besondere Aussagekraft für diese Studie. Denn diese Zusammenhänge sind seit etwa 30 Jahren in der klinisch-neurologischen Forschung bekannt. Die Genauigkeit dieser Stichprobe mit 141 Kindern ist als unscharf anzusehen.

Das medizinische Abzielen auf neurologische und erbliche Anlagen, deren hirnorganische Auswirkungen als Auslöser für eine Legasthenie identifiziert werden, greift zu kurz. Denn es gibt andere Kinder mit Legasthenie, die keine erblichen Anlagen haben und auch keine anderen speziellen neurologischen Besonderheiten aufweisen. Diese würden bei diesem Test nicht erfasst und damit vernachlässigt. Der Hirn-Scan sollte in seiner Relevanz für die Legasthenieforschung nicht überschätzt werden, die bisherigen Erkenntnisse reichen für eine aussagekräftige Früherkennung nicht aus. Hier wurden weitere Umweltfaktoren (Sozialer Status, Lernumfeld, Lernmethodik) ausgeklammert, die nach den Erkenntnissen der Praxis bei der Förderung von betroffenen Kindern von Bedeutung sind.

Darum ist von einer großen Fehleinschätzung der Früherkennung von Legasthenie im Kindesalter auszugehen.

Zum Nutzen des Hirn-Scans für die pädagogische Forschung

Die Grundannahme, dass eine Legasthenie aus medizinischer Sicht ein Störbild darstellt, ist für die pädagogische Forschung und Förderung wenig nützlich. Kinder erhalten mit so einem Testergebnis eine vage Eingruppierung eines medizinischen Störbildes, dass sich an der häufig kritisierten Diskrepanzdefinition der WHO „Lese-Recht-Schreibstörung“ orientiert. Diese Etikettierung eines Störbildes hat sich in der Praxis als nicht nützlich erwiesen. Wichtiger wäre es zu erforschen, worin die Ursachen der neurologischen Besonderheiten bei Legasthenikern liegen. So könnte man bessere pädagogische Fördermaßnahmen entwickeln, die für die Kinder von besonderer Relevanz sind. Die Rolle der Medizin ist hier nur ein Puzzlestein in der Legasthenieforschung, die kein rein medizinisches Forschungsfeld ist. Die Wichtigkeit der medizinischen Forschung auf diesem Gebiet wird seit vielen Jahren überschätzt. Der Gehirn-Scan kann vielleicht Hinweise liefern, wo die neurologischen Besonderheiten auftreten können, aber er ersetzt keine tiefgreifende pädagogisch-psychologische Förderdiagnostik. Das Lesen und Schreiben müssen die Kinder durch qualifizierte Pädagogen lernen, das Bildungswesen und das Elternhaus sind nach unserer Einschätzung die wichtigsten Faktoren, damit der frühe Schriftspracherwerb gelingen kann. Der Nutzen für die Betroffenen hat also seine Grenzen.

Zu den möglichen Risiken

Würde man alle Kinder testen wollen, wäre dies ein großer finanzieller Aufwand für unser Gemeinwesen, denn jeder MRT-Scan kostet einige hundert Euro.

Nicht betroffene Kinder könnten infolge der hohen Fehlerquote falsch eingeschätzt werden, sie würden dann als therapiebedürftig (Lese-Recht-Schreib-Gestört) eingestuft. Die Gefahr besteht, dass solche Kinder durch diese fehlerhafte Früherkennung seelische Schäden davontragen. Diese psycho-emotionale Belastung kann sich für die gesamte Schulzeit hinderlich auswirken.

Andererseits gibt es Kinder mit LRS, die keine erblichen Anlagen dafür haben und auch keine anderen speziellen neurologischen Besonderheiten aufweisen. Diese würden bei diesem Test nicht erfasst und damit vernachlässigt.

In der Studie gibt es keine transparenten Einsichten, wer die Studie finanziert hat. Wie hoch waren die staatlichen Forschungsgelder? Oder gab es vielleicht Drittmittel? Bei solchen Studien könnten möglicherweise pharmazeutische Unternehmen eine Rolle spielen. Nicht ausgeschlossen wäre, dass man mit diesen Erkenntnissen langfristig pharmakologische Präparate entwickeln könnte.

Zusammenfassung

Medizinische Studien, die neurologische Besonderheiten und genetische Anlagen zur Legasthenie untersuchen, bieten keine Aussagekraft für eine langfristige pädagogische Förderung und Prävention.

Ein früher Gehirn-Scan wird in der Relevanz einer Früherkennung überschätzt, da Lese-Recht-Schreibschwächen unterschiedliche Ursachen haben. So spielen Umweltfaktoren eine Rolle, die ein Gehirn-Scan nicht erfassen kann und damit die Entwicklung der Kinder in ihrem Schriftspracherwerb nicht vorhersagen kann. Als Risiko sind Fehleinschätzungen aufgrund der geringen Stichprobe und hohen Fehlerquote zu nennen. Dazu ist die Transparenz der Forschungsgelder nicht gegeben, d.h. wer die Studie finanziert hat. Nicht selten werden ähnliche Studien im Bereich der Genetik und Neurologie von der forschenden Pharmaindustrie mitfinanziert. Dies muss kritisch angemerkt werden.

Die Wichtigkeit der pädagogisch-psychologischen Diagnostik ist auf diesem Feld von größerer Relevanz. Denn Lesen und Schreiben lernen müssen die Kinder auch ohne detaillierte Kenntnis der Hirnstrukturen und Genetik. Hier müsste die Qualität des Bildungswesens, was die Didaktik im Schriftspracherwerb betrifft, verbessert werden.

Es wäre notwendig, dass in der Forschung auch die Ursachen untersucht werden, die nicht medizinischer Natur sind, sondern – aus soziologischer Sicht – an der Umwelt liegen. Genauer gesagt – es gibt die Legasthenie, die gehäufter in die Familien vorkommt. Aber unser Bildungswesen weist aus der didaktischen Perspektive viele Probleme auf, die für einen Erwerb der LRS sprechen, die nichts mit familiärer Häufung oder besonderer neurologischer Besonderheit zu tun haben. Hier wäre in der Forschung allgemein mehr Differenzierung notwendig, um Betroffenen eine adäquate Hilfe und Förderung zu ermöglichen. Denn frühe Förderung ist die beste Prävention vor einer möglichen seelischen Behinderung. Hier bedarf es noch vieler Diskussion und Forschung.

Quellen

Skeide, M. et al. (2016): NRSN1 associated grey matter volume of the visual word form area reveals dyslexia before school. In: Brain (June 2016).

Wie findet man mit Legasthenie und Dyskalkulie eine passende Ausbildung?

Legasthenie und Dyskalkulie BerufsausbildungIn diesem Praxisaufsatz möchten wir klären, wie es möglich ist, dass kombiniert Betroffene (Legasthenie und Dyskalkulie) eine Ausbildung finden können. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle, ob eine Ausbildung gelingen oder auch misslingen kann. Dazu wollen wir Ihnen ein Fallbeispiel aus der Praxis präsentieren, wie es gelingen kann, trotz dieser Lernprobleme in eine Ausbildung zu kommen.

Wir berichten über eine 18-jährige Schülerin. Sie konnte in unserer Begutachtung eine Legasthenie/Dyskalkulie nachweisen. Schon in der Grundschulzeit gab es in der Schule verschiedene Tests, bei denen eine LRS festgestellt und eine Empfehlung für eine LRS-Klasse gegeben wurde. Die Mutter war damals alleinerziehend und die Schwierigkeiten schienen schon mehrfach in der Familie aufgetreten zu sein. Sie lehnte damals den Besuch einer LRS-Sonderklasse ab, weil sie ihre Tochter nicht separieren wollte. Doch sie konnte ihr keine zusätzliche Förderung oder Therapie finanzieren, da sie als Alleinerziehende nur über ein geringes Einkommen verfügte und der Vater keinen Unterhalt zahlte.

Infolge dieser Umstände wurden die Probleme der Schülerin bis zum Erwachsenenalter nicht bewältigt. Ihr fielen schon immer die Fächer Mathematik und Deutsch schwer. Mit großer Mühe erlangte sie einen mittleren Abschluss. Zusätzlich zu ihren Lernschwierigkeiten erlebte sie in der Schule Mobbing, sie hielt sich für dumm. Ihr geringes Selbstvertrauen wirkte bis in die Berufsausbildung nach. Sie litt unter depressiven Verstimmungen, zeigte Schulangst und traute sich bei neuen Herausforderungen wenig zu.

Nach ihrem Schulbesuch wählte sie einen medizinischen Assistenzberuf, für den sie sich praktisch sehr gut eignete, aber aufgrund der schulischen Schwierigkeiten scheiterte sie in der theoretischen Ausbildung. Sie brach die Ausbildung nach einem Jahr ab. Bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit wurde festgestellt, dass sie nur unterdurchschnittliche schulische Leistungen schafft und für einfache Handwerksberufe geeignet sei. Dafür hatte sie kein Interesse. Diese Situation brachte sie unter starken emotionalen Druck, sie war nicht weit davon entfernt, sich in psychologische Betreuung begeben zu müssen.

Wir erstellten eine unabhängige Einschätzung ihrer Lernschwierigkeiten, ihrer Persönlichkeit und beruflichen Neigungen. Dabei haben sich die Lernschwierigkeiten erneut bestätigt. Aufgrund der Vorgeschichte hatte sie größere Schwierigkeiten, sich auf neue Situationen einzustellen. Unserer Einschätzung nach eignet sie sich für Berufe im Verkauf sowie für technische wie auch praktische Berufe. In diesen Bereichen machte sie verschiedene Praktika. Sie sammelte Erfahrungen und wurde damit wesentlich selbständiger und selbstbewusster, wobei wir sie mit unserem Coaching begleiteten. Sie bearbeitete mit unserer Hilfe ihre Bewerbungshemmnisse und erhielt eine speziell auf Auszubildende ausgerichtete Legasthenie/Dyskalkulie-Einzelförderung. Schritt für Schritt entwickelte sie sich weiter.

Sie hatte sich aufgrund ihrer Erfahrungen für den Kaufmann im Einzelhandel entschieden. Eine Ausbildung traute sie sich wegen ihrer Vorgeschichte noch nicht zu. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausbildungsreif. Durch die weitere Berufsberatung der Agentur für Arbeit ergab es sich, dass ihr ein Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) empfohlen wurde. Damit bekam sie die Chance, die schulischen Defizite in Deutsch und Mathematik auszugleichen und eine bessere Ausgangsposition für die passende Ausbildungsstelle zu erhalten.

Berufsgrundbildungsjahre sind dazu da, um Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife, die noch keine Berufsausbildung erhalten, auf diese Ausbildung vorzubereiten. Das kann für diese Jugendlichen eine gute Alternative sein. In Sachsen gibt es dafür mehrere Berufsbildungszentren mit verschiedenen beruflichen Schwerpunkten. An diesen Zentren hatte sie sich beworben und konnte sich damals die Schule aussuchen.

Die Schülerin nutzte diese Chance und kam zusätzlich zu uns in die Einzelförderung und ins Coaching. Sie konnte sich in der Rechtschreibung und im Lesen stetig verbessern, was sich dann auch bei ihren schulischen Leistungen bemerkbar machte. Die Berufsschule gewährte ihr einen Nachteilsausgleich und erkannte ihre Legasthenie an.

Während dieser Zeit hatte sie auch Tiefpunkte, an denen sie an ihrer Wahl zweifelte. Aber diese konnte sie durch ihre gute Motivation und die Ermutigung unsererseits bewältigen. So entwickelte sie sich zur Klassenbesten. Ihr Vorteil war dabei, dass sie eine der ältesten Schülerinnen mit Ausbildungserfahrungen war. Sie durchlief ein paar Praktika im Einzelhandel und entschloss sich in diesem Bereich zu bewerben.

Es war mit Sicherheit eine große Herausforderung für sie, obwohl sie ein gutes Zwischenzeugnis vorweisen konnte. Sie war auf nur wenige Stellen fixiert und besaß wenig Offenheit für andere Richtungen im gewählten Berufszweig. Der Einzelhandel ist ein sehr vielfältiger Bereich. Obwohl wir aus unserer Testung wussten, dass die Schülerin wenig offen für neue Erfahrungen war, konnten wir sie im Bewerbungsprozess dazu ermutigen, auch andere Ausbildungsplätze anzusteuern. Hier musste erst deutlich werden, dass es trotz der guten Ausgangslage für Jugendliche keine Garantie gibt, einen Ausbildungsplatz zu finden. Ihr wurde klar, dass es andere Schüler mit besseren schulischen Zeugnissen gab, die deshalb größere Chancen hatten. Sie musste verstehen lernen, dass sie sich diese Stelle erkämpfen muss.

Dazu brauchte sie den Mut, zu ihrer Legasthenie und Dyskalkulie zu stehen und dies möglichst schon in der Bewerbung. Die Praxis zeigt, dass die Arbeitgeber meistens daran interessiert sind, weshalb die Bewerber solch einen schulischen Werdegang haben. Kann man dies glaubhaft begründen, verbessern sich die Chancen auf ein Bewerbungsgespräch.

In alle Bewerbungen schrieb sie freiwillig hinein, dass sie während der gesamten Schulzeit Lernschwierigkeiten im Lesen und Schreiben hatte, aber an diesen Problemen arbeitet. So signalisierte sie den Arbeitgebern Motivation, Lern- und Leistungsbereitschaft.

Sie verschickte rund 15 Bewerbungen, und nach ein paar Wochen hatte sie vier Bewerbungsgespräche und drei Möglichkeiten für Probearbeiten. Sie konnte sich dann ihre Ausbildungsstelle aussuchen und wurde als Auszubildende „Kauffrau im Einzelhandel“ genommen. Sie bewies, dass sie sehr gut im Team arbeiten konnte und sie war in der Lage, Kunden im Verkauf gut zu beraten.

Wir sind gespannt, wie die weitere berufliche Entwicklung der Auszubildenden sein wird.