Erwachsene Legastheniker haben oftmals spezielles Fachwissen

Manche Erwachsene mit einer Legasthenie verfügen über ein hohes Domänenwissen, d.h. sie zeichnen sich durch besonders gute Kenntnisse und Fertigkeiten auf ihrem Fachgebiet aus. Deshalb können sie auch zur intellektuellen Elite ihres Fachbereichs gehören. Das ist vielleicht nicht die Mehrheit der betroffenen Erwachsenen, aber in unserer praktischen Arbeit sind uns einige begegnet. Eine ganze Reihe der Betroffenen verfügt über eine Intelligenz im oberen Durchschnittsbereich. Deshalb können diese Legastheniker ungeachtet ihrer Schwächen in der Schriftsprache gute Fähigkeiten auf anderen Gebieten entwickeln, sofern sie ihre Schwierigkeiten im Kindes- und Jugendalter kompensiert haben. Legastheniker, die ihre seelischen Komplexe der Kindheit bzw. negativen schulischen Erfahrungen nicht aufgearbeitet haben, sind selten in der Lage ihr Leben gut zu meistern. Nur eine Aufarbeitung und Bewältigung (Kompensation) der Legasthenie bietet gute Chancen sich auf ihrem Fachgebiet erfolgreich zu spezialisieren. Manche Betroffene entwickeln ein Interesse an Spezialthemen, denn abstraktes und vielschichtiges Denken fällt legasthenen Menschen oft nicht schwer. …

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Wer nicht von Legasthenie betroffen ist, kann uns nicht verstehen

Ein Kommentar von Lars Michael Lehmann, Legasthenie-Experte Ja, viele Menschen, die keine Probleme beim Lesen und Schreiben haben, können diese Schwierigkeiten nicht oder nur selten nachvollziehen. Das betrifft nicht nur Lehrer oder Eltern, die keine Schwierigkeiten in der Schulzeit hatten oder diese verheimlichen. Es betrifft auch Fachleute, die mit legasthenen Kindern arbeiten. Mitreden kann man nur, wenn man die Probleme erlebt und durchlebt sowie im Leben bewältigt hat. Darum haben wir wenige Fachleute auf unserem Feld, die die Schwierigkeiten bei uns Betroffenen wirklich nachvollziehen können. Deshalb gibt es häufig nur wenig Verständnis für die Problematik in unseren Familien wie in der gesamten Gesellschaft. In unserer Gesellschaft meint man noch heute, dass man als Legastheniker zu „faul“ bzw. zu „dumm“ ist oder aus Bequemlichkeit diese Schwäche hat. Sicherlich gibt es Menschen, die meinen, sich damit einen Vorteil zu verschaffen, indem sie sich einen Nachteilsausgleich für Prüfungen im Studium oder der Berufsausbildung …

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Was ist richtig? Störung oder Schwäche?

Der Begriff „Störung“ bei Lese-Rechtschreib-Schwächen bedeutet Verletzung der Menschenwürde Wir erleben es in der Praxis in Gesprächen mit Eltern und Betroffenen, dass die Ansichten darüber auseinandergehen, ob die Legasthenie eine Störung ist und die Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) als vorübergehende bzw. erworbene Schwäche zu verstehen ist. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es unterschiedliche Definitionen und Meinungen. Die klinische Psychologie geht meistens von einer Lese-Rechtschreib-Störung aus, die sich an der ICD-10 (psychische Störungen) orientiert. Pädagogen definieren häufig alle Lese-Rechtschreib-Probleme gleichermaßen als LRS. Selten erleben wir Familien oder Betroffene, die ihre Lese-Rechtschreib-Probleme als Störung bezeichnen. Häufiger werden diese Schwierigkeiten als Schwäche definiert, eine Darstellung als Störung ist für einen Großteil der Betroffenen befremdlich. Der Bundesverband Legasthenie definiert diese Probleme dagegen als Störung. Diese Sichtweise wird kontrovers diskutiert und nicht von allen Fachleuten geteilt. Die Fachleute an unserem Institut sind zum Teil selbst Betroffene. Für uns existiert der Begriff „Störung“ nicht – weil wir diese …

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