Ehemailiger Schützling wurde bei der Internationalen Schule Dresden aufgenommen

Sehr geehrter Herr Lehmann,

 

wir dürfen Ihnen heute mitteilen, das A. an der Internationalen Schule in Dresden angenommen wurde.

A. wird die Jahrgangsstufe 11 noch einmal (mit einem Wechsel der Leistungsfächer von ehemals Mathematik zu aktuell Deutsch) absolvieren, um dann die Jahrgangsstufe 12 mit einem hoffentlich guten Abschluss zu beenden. A. freut sich sehr und war sehr aktiv in dem Bewerbungsprozess involviert.

Wir möchten Ihnen beide von ganzen Herzen für Ihren Einsatz und Unterstützung danken, ohne Ihre Empfehlung wäre dies nicht möglich gewesen.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

C & A

 

Der Schützling war vor einigen Jahren bei uns zur lerntherapeutischen Einzelförderung, wegen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche/Rechenschwäche und war im Rahmen des Abiturs in einem Schüleraustauschjahr an einer Auslandsschule. Mit ihrer hohen Intelligenz hatte die Schülerin Schwierigkeiten in einem deutschen Regelgymnasium. Nach unserer Einschätzung eignete sie sich sehr gut für Internationale Schule Dresden und die Schülerin wurde aufgenommen. Über solche Rückmeldungen freuen wir uns. Da die DIS ein sehr gutes Lernumfeld für begabte Schüler bietet, ist dies die beste Wahl in Dresden und Umland.

 

Was ist Dyskalkulie / Rechenschwäche?

Je nach wissenschaftlicher Quelle werden Schwierigkeiten im Erlernen der Mathematik mit unterschiedlichen Begriffen wie Dyskalkulie, mathematische Lernstörung, Rechenstörung, mathematische Lernschwäche, mathematische Schulleistungsschwäche, Rechenschwäche usw. umschrieben. In der englischsprachigen Literatur sind die Begriffe „mathematical disabilities“, „learning disabilities in mathematics“ oder „arithmetic learning disabilities“ geläufige Beschreibungen von Dyskalkulie bzw. Rechenschwäche. Aufgrund dieser unklaren Begrifflichkeit gibt es auch unterschiedliche Schätzungen über die Anzahl der Betroffenen in der Bevölkerung. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. geht von 4-6 Prozent der Schüler aus, die das Kriterium Dyskalkulie erfüllen. Das muss nicht bedeuten, dass diese Schätzungen verlässlich sind. Die Diagnostik nach der ICD-10 für Rechenstörungen wird von vielen Forschern als unzuverlässiges Kriterium beurteilt. Es ist davon auszugehen, dass es eine Dunkelziffer an Betroffenen geben muss, die nicht richtig eingeschätzt oder übersehen werden. Diese Betroffenen fallen dann mit ihren problembelasteten schulischen Biografien auf, die unerkannt zu psychischen Folgeerkrankungen führen können.

Zu den Ursachen der Rechenschwierigkeiten (Dyskalkulie)

Über die Ursachen gibt es verschiedene Annahmen und wenig Einigkeit in der Fachwelt dazu. Das ist  ähnlich wie auf dem Gebiet der Lese-Rechtschreib-Schwächen. Einerseits nimmt man an, dass Rechenschwächen durch Probleme der Vermittlung im Mathematikunterricht an den Schulen entstehen können. Andere Ursachen könnten aber auch der kognitive Entwicklungsstand der Kinder, ihre neurologische Besonderheiten und genetischen Komponenten sowie das soziale Umfeld (Migration usw.) sein, die eine kausale Wechselwirkung erzeugen. Deshalb nimmt man unterschiedliche Typen dieser Schwächen im Erlernen der arithmetischen Grundlagen an. In der noch jungen Forschung spricht man von Lehr- wie Lernstörungen. Es können bei einer durchschnittlichen Intelligenz auch kombinierte Schwächen Legasthenie/Dyskalkulie auftreten. Studien deuten darauf hin, dass rund 40 – 60 Prozent der lese-rechtschreib-schwachen Kinder kombinierte Lernschwächen Legasthenie/Dyskalkulie aufweisen. Oft kommen diese Rechenprobleme wie bei der Legasthenie gehäufter in der Familiengeschichte vor. In der Vergangenheit kamen diese Schüler oft auf eine Sonderschule für Schwerpunktlernen, die als Sonderschule für Lernbehinderte oder zu DDR-Zeiten als Hilfsschule bezeichnet wurden.

Bei der Diagnose einer Dyskalkulie wird häufiger das in der Fachwelt umstrittene Intelligenzkriterium angewendet als es bei der Legasthenie der Fall ist. Die Verwendung des „durchschnittlichen IQ“ als Diagnosekriterium, wie es beispielsweise die WHO-Definition empfiehlt, ist bei Schwierigkeiten im Erwerb der Kulturtechniken im Lesen, Schreiben und Rechnen allgemein strittig. Es wird in der Fachwelt diskutiert, ob sich die Lernschwierigkeiten bei Schülern mit einem hohen oder tieferen IQ unterscheiden, weil diese Tests nur einen Aspekt von Intelligenz messen würden und somit höchstens den Unterschied zwischen diesem Aspekt und dem Lesen oder Rechnen feststellen könnten. Außerdem müsste beachtet werden, dass der gleiche Diskrepanzwert zwischen Intelligenzquotient und schulischen Leistungen bei verschiedenen Kindern eine jeweils ganz andere Bedeutung haben könne. Das erschwert es, betroffene Schüler mit ihren Problemen im Rechnen richtig einzuordnen. Andere Autoren deuten auf die unklare Validität von Intelligenztests im Zusammenhang einer Diagnostik bei Lernschwächen der Kulturtechniken hin und kritisieren daher diese Herangehensweise bei der Diagnostik dieser Lernschwächen. Da die gängigen Intelligenztests stark durch sprachliche Entwicklung, sprachgebundene Denkleistungen und Schichtenzugehörigkeit geprägt sind, machen sie nur beschränkt gültige Aussagen für eine Feststellung einer Dyskalkulie (das gilt auch für Legasthenie) möglich. So kommt es häufiger zu Fehleinschätzungen oder die Betroffenen werden nicht richtig mit ihren Lernschwächen und in ihrem Förderbedarf eingeschätzt und erkannt. Darum können sich nicht-bewältigte Rechenschwächen zu psycho-sozialen Verhaltensstörungen entwickeln, die sich in ungünstigen Fällen zu einer seelischen Behinderung chronifizieren. Wie bei der Legasthenie ist nicht davon auszugehen, dass sich eine Schwäche beim Rechnen lernen automatisch zu einem psychischen Störbild entwickeln muss. Deshalb ist die Diagnostik nach der ICD-10 für eine inklusive und entwicklungsorientierte Unterstützung der Betroffenen mithilfe der pädagogisch-lerntherapeutischen Einzelförderung wenig förderlich.

Für das Erkennen einer Rechenschwäche bedarf es eines personellen Fallverstehens über die gesamte Entwicklung des Betroffenen hinweg, um die individuellen Schwächen beim Erlernen der Rechenfähigkeiten und die möglichen Lern- und Entwicklungsressourcen richtig einzuschätzen. Dieser umfassendere Ansatz fehlt derzeit in der Fachwelt häufig gänzlich.

Unser Institut ist um einen solchen Ansatz bemüht. Darum orientieren wir uns fachlich und aus der Perspektive der Menschenwürde nicht an der Diagnostik der ICD-10 und ihren Kriterien.

Diese Beitrag befindet sich in unserer Rubrik: Legasthenie/Rechenschwächen

 

Fachrezension: Rechenschwäche / Dyskalkulie

Rechenschwäche / Dyskalkulie

„Hat mein Kind eine Dyskalkulie?“ Immer wieder treten Eltern mit dieser Frage an Lehrer und Fachleute heran, wenn Kinder Schwierigkeiten im Fach Mathematik in der Grundschule oder in weiterführenden Schulen haben.

Heute findet man vieles im Internet, wenn Eltern nach Hilfen und Abklärung der Rechenschwierigkeiten suchen. Wenige Ansätze sind genügend wissenschaftlich fundiert. Häufig stellen sich keine langfristigen Lernerfolge bei den Kindern ein, denn viele Ursachen der Rechenprobleme bei Kindern und Jugendlichen sind bis heute nicht wissenschaftlich geklärt. Werden diese Schwierigkeiten nicht zeitig genug erkannt, kann der Verlauf dieser Rechenprobleme für die Betroffenen zu einer leidvollen Erfahrung in der Schule werden – mit der Konsequenz, dass daraus seelische Folgeerkrankungen entstehen können. Die Betroffenen dürfen dabei wegen ihrer Rechenschwäche nicht automatisch als Behinderte und psychisch Gestörte klassifiziert werden.

Bis heute gibt es sehr verschiedene Herangehensweisen an dieses Problem. So wird die Rechenschwäche in der psychodiagnostischen, sonderpädagogischen, denkpsychologischen, entwicklungspsychologischen und neurologischen Fachliteratur unterschiedlich dargestellt. In den letzten 30 Jahren bemühten sich die verschiedenen Fachdisziplinen diesen Bereich zu erforschen.

Dieses Sachbuch befasst sich mit der Diskussion der Rechenprobleme auf diesem Forschungsfeld. Es bündelt dabei die Kenntnisse im englischen Sprachraum, weil man diesen Bereich dort intensiver erforscht hat, als es gegenwärtig in Deutschland der Fall ist.

Nach einer kurzen Einleitung wird im zweiten Kapitel auf die Schwierigkeiten beim Mathematiklernen eingegangen. Dort werden Themen wie Mathematische Lern- und Lehrstörungen, der Begriff „mathematische Lernstörung“, die (sonder-)pädagogische Sichtweise von mathematischen Lernstörungen, Neuropsychologische und genetische Aspekte von mathematischen Lernstörungen, Genetische Komponenten, Typen von Lernstörungen u.v.m. behandelt.

Ein drittes Kapitel widmet sich dem mathematischen Lernen im Kontext von selbstreguliertem Lernen, Geschlecht und weiteren Determinanten. In ihm werden wichtige Aspekte über Selbstregulierung, Selbstwirksamkeit, mathematisches Selbstkonzept, Ängstlichkeit und Mathematiklernen, Geschlechterdifferenzen und mathematisches Lernen, Herkunft und Zweisprachigkeit behandelt.

Im vierten Kapitel wird auf den Erwerb von mathematischen Kenntnissen als zentralen Aspekt möglicher Schwierigkeiten beim Mathematiklernen eingegangen. In diesem Abschnitt wird der ganze fachdidaktische Aspekt des komplexen Phänomens der Rechenschwäche und Dyskalkulie beschrieben. Hierbei werden Fallstricke und Stolpersteine beim Erwerb der arithmetischen Kenntnisse der Schüler beschrieben. Es wird auf die Schwierigkeiten im Zählen, die Zählentwickelung, der Erwerb der Zählkompetenz, das dekadische Stellenwertsystem, Addition und Subtraktion u.v.m. eingegangen.

In weiteren Kapiteln wird die Studie von Herrn Prof. Dr. Urs Haeberlin und seinem Team der Universität Freiburg (CH) beschrieben. Dort hat man in einer umfangreichen Studie die Schwierigkeiten beim Erlernen der Mathematik untersucht. In der Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse wird deutlich, dass die Ursachen der Mathematikprobleme komplex sind. Die vorliegende Studie gibt einen empirischen Überblick zum umfassenden Verständnis der Rechenschwäche. Dabei werden die Zusammenhänge der komplexen Wechselwirkungen des Unterrichtes, die Gesellschaft, die Struktur im Bildungssystem und die individuelle Ebene als Ursache und Auslöser für Rechenschwächen beschrieben.

Zusammenfassende Beurteilung

Dieses Sachbuch ist in der wissenschaftlichen Literatur im deutschsprachigen Raum einmalig, da es theoretische Hintergründe und empirische Studien von betroffenen Schülerinnen und Schülern zum Thema Rechenschwäche / Dyskalkulie beschreibt. Es ist ein sehr umfangreiches Buch für Fachleute, die in der Forschung, Förderung und im Bereich Diagnostik arbeiten.

Es wird in diesem Buch fächerübergreifend auf die Problematik des Mathematiklernens eingegangen. Dabei liefert es viele Argumente für die weitere Erforschung der Dyskalkulie im Bereich der Sozial- und Bildungsforschung und der Soziologie.

Außerdem wird fundierte Kritik an der WHO-Definition mit ihrer strittigen Diskrepanz zwischen IQ-Werten und schulischen Leistungen geübt. Dazu wird auf die Herangehensweise im Bereich Lese-Recht-Schreibstörung eingegangen, die der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. empfiehlt. Nach den hier gezeigten Studienergebnissen gibt es kein haltbares Kriterium, an der Diskrepanz der WHO als Diagnoserichtlinie festzuhalten. Das ist ein Argument, auch die S3-Leitlinie für die Behandlung von Lese-Recht-Schreibstörungen abzulehnen, die fachlich die gleiche Herangehensweise empfiehlt. Denn es wird nahegelegt, dass erst dann von einer Lernstörung gesprochen werden kann, wenn die Schüler trotz gutem Unterricht kaum Lernfortschritte erzielen. Hierbei spielt die Unterrichtsqualität im Fach Mathematik eine wichtige Rolle als Indikator für Auslöser von Rechenschwächen.

Dieses Sachbuch liefert viele neue Hinweise zu den Ursachen und Zusammenhängen von Rechenschwächen (Dyskalkulie). Es verdeutlicht, dass auf diesem Feld noch viel geforscht werden muss. Betroffene, Eltern und Fachleute erhalten einen praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Überblick mit nützlichen Hinweisen für Unterricht, Förderung und Diagnostik bei Rechenproblemen in der Schule. Dazu lassen sich viele nützliche Kenntnisse für die Praxis und Forschung ableiten.

Dieses Sachbuch gehört in das Lehramtsstudium sowie in die Fortbildung von Dyskalkuliespezialisten oder Therapeuten. Es sollte einen Anstoß dazu geben, für eine bessere Qualität in der Diagnose und Förderung von Schülern mit Rechenschwierigkeiten zu arbeiten. Die heute übliche Herangehensweise ist nicht zufriedenstellend. Möge dieser Band neue Impulse für alle liefern, die sich diesem noch wenig erforschten Problemfeld in der täglichen Arbeit widmen. So könnte es künftig besser gelingen, Definitionen, Ursachen und Erscheinungsformen der Rechenschwäche zu erkennen und ihre Diagnose bei Schülern zu erleichtern, um ihnen bei der Bewältigung der Lernschwächen zu helfen. Dazu gehört aus unserer Sicht die Soziologie, die viele Kenntnisse zu den Umweltbedingungen liefern kann. Ein pathologisches Rechenstörbild sollte in der Fachwelt ebenso wie bei der Lese-Recht-Schreibstörung hinterfragt werden. Denn die Ursachen für die Rechenschwächen sind nicht überwiegend bei den Kindern zu finden, sondern die Umweltursachen wie Unterrichtsqualität, Lernmethodik etc. sollten als Auslöser und Indikatoren besser erforscht werden.

Buchbeschreibung:

Rechenschwäche / Dyskalkulie

Theoretische Klärung und empirische Studien an betroffenen Schülerinnen und Schülern

ISBN: 978-3-258-07800-7
Beiträge zur Heil- und Sonderpädagogik 31
2. Auflage 2013
304 Seiten, 50 Tabellen, 10 Abbildungen
kartoniert, 15,5 x 22,5 cm, 504 g
Haupt Verlag
CHF 34.00 (UVP) / EUR 32.90 (D) / EUR 33.90 (A)

 

Kommentar zum Expertenrat des MDR: Legasthenie und Dyskalkulie

Ein Kommentar von Lars Michael Lehmann, Legasthenie-Experte und Fachjournalist

Expertenrat Legasthenie und DyskalkulieDer MDR-Expertenrat thematisierte wieder einmal das Thema „Legasthenie und Dyskalkulie“, diesmal mit der Lerntherapeutin und Leiterin des Duden Instituts für Lerntherapie Ria Schmidt aus Dresden. Die kommerzielle Franchisekette bietet schon seit 20 Jahren integrative Lerntherapie im Bereich Lese-Recht-Schreibschwäche und Rechenschwäche an.

Es ist gut, dass dieses Thema wieder einmal in den Medien thematisiert wurde. Es wurden viele Dinge angesprochen, die wir auf der Sachebene teilen. Kritisch zu betrachten ist die Darstellung der Ursachen, der Diagnose und Einzelförderung von LRS, Legasthenie und Dyskalkulie – die Erklärungen hierzu waren nicht ausdifferenziert genug, um die Öffentlichkeit aufzuklären.

Richtig ist – Lese-Recht-Schreibschwächen und Rechenschwäche bedeuten keine Krankheit. Warum spricht man dann von Therapie? Gesunde Kinder benötigen keine Therapie! Es ist ein Widerspruch in sich, wenn man dann von einer Therapie spricht.

Die Lese-Recht-Schreibschwächen haben unterschiedliche Ursachen. Zum einen gibt es familiäre Häufungen, wie sie in Studien und in unserer Statistik beobachtet werden. Man kann dabei von ca. 50-60 Prozent der Lese-Recht-Schreibschwächen ausgehen, die fachlich richtig als Legasthenie beschrieben werden. Hier spielt ein Anlagen-Umwelt-Komplex eine wichtige Rolle, der auf diese spezielle Lese-Recht-Schreibschwäche (Legasthenie) hindeutet.

Dann gibt es erworbene bzw. vorübergehende Schwächen im Schriftspracherwerb, die als LRS zusammengefasst werden sollten. Maßgeblich sind hier Ursachen in der Umwelt der Betroffenen, wie die Lernsozialisation, das soziale Umfeld der Familie und die Lernmethodik im Hinblick auf die Unterrichtsqualität im Fach Deutsch. Außerdem können weitere Entwicklungsprobleme der Kindheit wie eine geringere Intelligenz, Sprache, Motorik sowie Erkrankungen der Augen und Ohren für die Lernschwäche im Schriftspracherwerb verantwortlich sein.

In Bezug auf Rechenschwächen / Dyskalkulie verhält sich der Ursachen-Komplex sehr ähnlich. Auch dort gibt es, wie bei LRS und Legasthenie, Lehr- und Lernschwächen. Diese Schwächen haben verschiedene Ausprägungen, die im Bildungswesen häufig nicht richtig differenziert und erkannt werden. Die Synonyme Lese-Recht-Schreibschwäche und Rechenschwäche bedeuten nur grobe Umschreibungen als Lernschwächen im Schriftsprach- und Rechenerwerb, ohne die Ursachen dafür genauer zu erkennen.

Für eine qualifizierte Förderung braucht es eine differenzierte Förderdiagnostik, da eine LRS-Feststellung im Bildungswesen oder durch SPZ und Schulpsychologen für eine Förderung und Bewältigung unzureichend ist. Erfahrungsgemäß sind Legasthenien in der Förderung und Kompensation langwieriger, sie benötigen meist ein intensiveres Training als die LRS, sofern diese nicht mit Entwicklungsverzögerungen einhergehen.

Für den Laien noch einmal genauer erklärt: So wie es Grippale Infekte gibt, gibt es auch Erkältungen mit ähnlichen Krankheitssymptomen, sodass Ärzte häufiger ihre Mühe haben, die Ursachen zu unterscheiden. So verhält es sich auch mit den Lese-Recht-Schreib- und Rechenschwächen, die zwar ähnliche Symptome, aber unterschiedliche Ursachen haben.

Daher sind die Feststellungen im Bildungswesen allgemein als unzureichend einzustufen. Es ist fraglich, ob ohne Diagnostik eine differenzierte Bewältigung der LRS und Legasthenie sowie Rechenschwäche möglich ist, wie es die Expertin berichtet.

Außerdem ist die Gesetzgebung, wonach betroffene Schüler nach §35a von einer seelischen Behinderung bedroht sein müssen, aus der Menschenrechtsperspektive kritisch zu sehen. Diese Eingruppierung greift zu kurz, denn ein wichtiges Bestreben muss sein, unsere Kinder vor einer seelischen Behinderung zu bewahren, wie es das Jugendhilfegesetz vorsieht. Denn sekundäre psychosomatische Erkrankungen sind dann aus verhaltenstherapeutischer Sicht nur mühsam für die Betroffenen zu bewältigen. Dort besteht die Gefahr, dass Betroffene eine irreparable seelische Behinderung davontragen. Daher ist von dieser Herangehensweise aus ethischer Sicht abzuraten. Ähnlich schwierig verhält es sich mit dem Bildungspaket „Bildung und Teilhabe“, da es eine differenzierte Förderung nicht für 22,50 Euro pro Stunde gibt. Es ist fraglich, ob sozial schwächere Familien von dieser Herangehensweise der Bildungspolitik profitieren. Tendenziell ist davon auszugehen, dass sozial schwächere Familien damit ins Hintertreffen geraten werden. Denn sie können so nicht die Hürden überwinden, um eine qualitativ hochwertigere Einzelförderung zu erhalten. Darum ist diese Herangehensweise im Bildungswesen und der Politik  unverständlich.

Hier können Sie die kommendierte Sendung noch einmal nachhören.