Wie können LRS-Kinder gut durch die Corona-Pandemie kommen?

Seit mehr als 13 Monaten befindet sich die Welt in der Corona-Pandemie. In diesem Artikel wollen wir beschreiben, wie sie sich speziell auf Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwächen auswirkt. Verschiedene Faktoren, die im Einzelfall sehr unterschiedlich sein können, beeinflussen die schulische Entwicklung inmitten der Krise.

Wir haben vor allem festgestellt, dass Kinder mit speziellem Förderbedarf nicht nur Hilfe bei der Bewältigung ihrer schulischen Probleme beim Lesen und Schreiben benötigen. Viel wichtiger ist bei ihnen die Stabilisierung der psycho-sozialen Ebene. In diesem Bereich beobachten wir deutliche Probleme bei Kindern mit Lernschwierigkeiten. Es treten vermehrt Unsicherheiten, Ängste und Demotivation auf. Deshalb brauchen diese Kinder deutlich mehr Unterstützung auf der psychischen Ebene. Wir Fachleute benötigen da viel Einfühlungsvermögen, um die Schwierigkeiten zu erkennen und zu verstehen.

Eltern können dabei sehr viel helfen, indem sie ihren Kindern inneren Halt und viel Liebe geben. Das Thema Corona-Krise sollte kein Tischgespräch sein. Ein kindgerechter Umgang mit dieser Situation ist wichtig, um ihnen zu vermitteln, dass auch diese Krise zu Ende geht, auch wenn wir Erwachsenen nicht einschätzen können, wann genau das sein wird. Wir müssen uns halt in Geduld üben. Aber jede Krise in der Menschheitsgeschichte hatte ein Ende, wie zum Beispiel die beiden Weltkriege oder die mittelalterliche Pest. Dabei wissen wir, dass eine nüchterne Betrachtung der Situation durch die Eltern nicht einfach ist, besonders wenn sie von einem Jobverlust bedroht sind. Eltern sollten diese realen Ängste nicht als beängstigendes Bedrohungsszenario vermitteln, denn Kinder können damit nicht gut umgehen. Aber die Probleme dürfen durchaus angesprochen werden. Ein Beispiel – Wenn die Mama ihre Arbeit verliert, dann sucht sie sich einen neuen Job oder erlernt einen neuen Beruf. Die Eltern sollten die realen Probleme mit positiven Aussichten kommunizieren.

Die Ängste der Eltern übertragen sich oft auf die Kinder und können sich so ungünstig auf die Kinderseelen auswirken. Kinder mit Lernschwierigkeiten sind oftmals empfänglicher für solche sozial-emotionalen Stimmungen in der Familie als Kinder, die keine Lernprobleme haben. Deshalb ist gerade in diesen Krisenzeiten ein umsichtiges Verhalten gegenüber den Kindern dringend zu empfehlen.

Wenn Eltern zuversichtlich und konstruktiv mit dieser Situation umgehen, können gute Erfahrungen daraus gezogen werden. Das macht die Kinder und ihre Familien auch resilienter, denn Krisenzeiten gehören zum Leben dazu. Das sollte man auf kindgerechte Art und Weise vermitteln.

Sollten Eltern länger anhaltende seelische Probleme beobachten, ist es sinnvoll, Hilfe bei Kinder- und Jugendärzten oder Sozialberatungsstellen zu suchen. Eltern sollten jede Hilfe in Anspruch nehmen, um die angespannte Familiensituation zu erleichtern. So stehen die Chancen gut, dass auch Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche gut durch die Krise kommen. Die Eltern spielen dabei eine sehr wichtige Rolle für eine seelisch stabile Entwicklung der Kinder.

So kann langfristig psychischen Problemen vorgebeugt und eine gute Krisen-Resilienz trainiert werden, die für das weitere Leben sehr hilfreich ist. Damit können die Kinder zu gesunden und selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen.

Trotz Legasthenie eine Eins in Deutsch – durch Förderung ohne LRS-Klasse

Trotz Legasthenie eine Eins in Deutsch – durch Förderung ohne LRS-Klasse

Gestern haben wir von einem Schüler der 4. Klasse, den wir schon seit der 2. Klasse in der Einzelförderung betreuen, eine schöne Rückmeldung bekommen. Denn er schrieb als Klassenbester in einer Deutschvergleichsarbeit eine Eins. Darüber haben sich alle Beteiligten sehr gefreut.

Dieser Schüler sollte damals in eine LRS-Klasse in Dresden gehen, was die Eltern ablehnten. Beide Elternteile sind von einer Legasthenie betroffen, diese Probleme kommen also in seinem Fall gehäufter in der Familie vor. Deshalb spricht man wissenschaftlich korrekt von einer Legasthenie.

Die erste Zeit war für den Schüler nicht einfach, weil er deutliche Probleme beim Lesen und Schreiben hatte. Seine ersten Lernschritte im Schriftspracherwerb waren nicht einfach. Aber er hatte ein stabiles Elternhaus und eine verständnisvolle Klassenlehrerin, was sich günstig auf seine gesamte schulische Entwicklung auswirkte.

Ähnliche Entwicklungen sehen wir in unserer Arbeit mit den Betroffenen in der Einzelförderung häufiger. Unser Anspruch für eine nachhaltige Förderung ist es, dass dabei die gesamte persönliche Entwicklung der Kinder gefördert wird. Das ist von einer gewöhnlichen Beschulung in einer LRS-Klasse oder LRS-Gruppenförderung erfahrungsgemäß seltener zu erwarten. Schüler mit dieser speziellen Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) benötigen eine Eins-zu-Eins-Förderung, da die Schwierigkeiten der Kinder, die es zu bewältigen gibt, unterschiedlich sind. In einer Einzelförderung besteht die Chance, die Probleme ohne Separation in eine LRS-Klasse seelisch stabil zu bewältigen. Dadurch fallen die negativen Exklusionserfahrungen weg, die sich in der psycho-emotionalen Entwicklung dieser Kinder häufig nachteilig auswirken. Sieht man sich die langfristigen schulbiografischen Entwicklungen der Betroffenen im Erwachsenenalter an, gibt es deutliche Indikatoren dafür, dass sich eine Sonderschule in diesem Fall negativ auswirken kann.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann eine LRS-Klasse als frühe Exklusionserfahrung in der Kindheit seelischen Stress bedeuten und als Abwertung der Persönlichkeit der Kinder gesehen werden. Daraus können sich langfristig psycho-soziale Verhaltensprobleme entwickeln. Vermeidet man diese frühe Stigmatisierungserfahrung bei Kindern mit Schwächen beim Lesen und Schreiben, besteht die Chance, dass diese Kinder psychisch stabil bleiben oder wieder werden. So kann einer späteren seelischen Behinderung präventiv vorgebeugt werden. Das ist das Ziel einer individuellen Einzelförderung.


Weiterführendes Berichte:

Die Davis-Methode ist wissenschaftlich nicht belegt!

Was ist die Davis-Methode?

In unserem Fachartikel wollen wir auf die Davis-Methode® eingehen, die von mehreren Fachleuten zurecht als nicht wissenschaftlich belegt oder als Pseudo-Methode mit esoterischem Hintergrund eingestuft wird. Weil wir Eltern und Betroffene vor solchen Methoden warnen wollen, werden wir fachlich auf diese Methode von Ron Davis eingehen. Wir wollen fundierte Gründe liefern, warum die Davis-Methode umstritten ist!

Diese Methode wurde vom Amerikaner Ron Davis als Behandlungsprogramm zur Behandlung einer Legasthenie entwickelt. Er soll nach eigenen Angaben in der Kindheit selber Legastheniker und sogar Analphabet gewesen sein. Durch Selbstversuche hätte er im Jahre 1980 eine Lösung für seine Probleme mittels Orientierungstraining entdeckt. 1982 hatte er in den USA seine erste Davis-Orientierungsberatung entwickelt. Diesem Ansatz folgte dann sein populäres Buch „Legasthenie als Talentsignal“, deren erste deutsche Fassung 1995 veröffentlicht wurde.

Danach erfolgte die Gründung der Davis Dyslexia Association International (DDAI, 1996), welche diesen Ansatz durch die Ausbildung von Davis-Beratern förderte und weiterentwickelte. Dieser Ansatz hat sich bis heute international verbreitet. Seit dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Methoden und Trainingsprogramme z.B. für Dyskalkulie, ADS/ADHS und neuerdings auch für Autismus entwickelt.

Außerdem sagt man Ron Davis nach, er hätte mehrjährigen Kontakt zur Scientology-Kirche unterhalten. Dafür gibt es Vermutungen, da bei Scientology teilweise ähnliche Visualisierungstechniken angewendet werden, wie sie auch in der Davis-Methode genutzt werden. Inwiefern es wirkliche Verbindungen zu dieser Vereinigung gab, ist nach unseren Recherchen nicht gesichert.

Unserer Meinung nach stellt die Davis-Methode weder eine wissenschaftlich gesicherte Diagnostik noch eine belegte Fördermaßnahme dar. Sicherlich mag es für Hilfesuchende vielversprechend klingen: „Jeder Legastheniker ist ein Genie!“, oder „Das man eine Legasthenie mit einem Orientierungstraining sogar in 30 Stunden heilen kann!“. Hier suggeriert man Familien mit ihren betroffenen Kindern unrealistische und unseriöse Ziele und macht Versprechungen, die jeder Sachlogik und wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechen. Sicherlich ist jeder Legastheniker normal intelligent! Das ist keine Frage, dazu gibt es hinreichende Befunde in der Forschung. Hin und wieder gibt es darunter sehr begabte Betroffene. Aber dass jeder ein Genie sein soll, ist unwahr! Die Mehrheit ist wie der Durchschnitt der Bevölkerung normal begabt. Andere Behauptungen sind falsch und umstritten!

Dass Legastheniker nur nonverbale (bildhafte) Denker wären, ist aus der heutigen wissenschaftlichen Kenntnis nicht belegt. Aus der Forschung ist bekannt, dass legasthenische Kinder mit der auditiven und visuellen Wahrnehmung, Motorik, etc. Probleme haben können. Daher ist die Annahme, dass Legastheniker eine völlig andere Wahrnehmung und Denkweise haben, nicht belegbar. Unserer Kenntnis nach haben Legastheniker aufgrund ihrer differenten Teilleistungen einen anderen Denk- und Lernstil. Dieser funktioniert nicht so, wie Davis behauptet, der aus einer einseitigen bildhaften Denkweise Zusammenhänge herleitet. Das ist mehr als umstritten! Außerdem besitzen Legastheniker keine andere plastische Vorstellungskraft als Nicht-Legastheniker! Die Probleme von Legasthenikern muss man viel differenzierter betrachten. Die Vorstellung der Existenz eines geistigen Auges des Legasthenikers, welcher sich durch Davis´ Training aufgrund der visuellen Vorstellungskraft und Dreidimensionalität des Legasthenikers zum Talent oder Genie entwickeln soll, hat eher esoterischen Ursprung.

Jetzt werden wir im Detail genauer auf das Konzept von Davis eingehen

Der Annahme des Davis-Konzepts, dass Legastheniker ein geistiges Auge haben, widerspricht die Forschung durch belegten Studien. Dass dieses „Auge“ Legasthenie verursachen würde, ist sehr umstritten. Der Mensch besitzt kein geistiges Auge, sondern der Lese- und Schreibprozess muss viel komplexer im Sprachzentrum verarbeitet werden. Unterschiedliche Teilleistungen (auditive und visuelle Wahrnehmung etc.) erzeugen bei Legasthenikern Probleme im Schriftspracherwerb (darum spricht man in der Forschung von einer Teilleistungsstörung!). Deswegen haben Legastheniker keine übersinnlichen Fähigkeiten, wie man sie mit dem nonverbalen-bildhaften Denken bescheinigen will. Daher ist dieses Konzept im Bereich der Esoterik einzuordnen, da es jeglicher Sachlogik widerspricht.

Der Zustand der Desorientierung ist ebenso nicht bewiesen und empirisch belegt, er beruht daher auf dem subjektiven Empfinden von Ron Davis. Es gibt Hinweise, dass einige Legastheniker mit der Raumlage oder Raumorientierung Probleme haben. Das gilt aber nicht für alle Betroffenen in diesen Teilbereichen.

Fragwürdig ist außerdem, dass Legasthenie oder LRS selbst nicht diagnostizierbar sein soll und nur mit der Testung der Desorientierung ermittelt werden kann! Nein, eine Legasthenie kann man im Grundschulalter (ab 2. Klasse, 1. Halbjahr) wissenschaftlich gesichert feststellen. Hierfür gibt aussagefähige Testverfahren, die nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden dürfen. Entweder sind es spezialisierte Wissenschaftler aus Pädagogik und Psychologie, aber keine Davis-Berater etc.

Die Erfolgserwartungen, die bei Betroffenen geweckt werden, sind unrealistisch, da man von einer völligen Beseitigung und einer 100-prozentigen Erfolgsquote ausgeht! Noch fragwürdiger ist, dass mit dieser Therapieform eine mögliche Niveausteigerung von 8 Klassenstufen suggeriert wird, dazu fehlen wissenschaftliche Belege! Außerdem gibt es bisher keine Studien, dass man eine Legasthenie heilen kann, sondern man kann sie mit einer zielgerichteten Förderung schrittweise kompensieren.
Im Grundschulalter wird dabei von einem Zeitraum von 18 bis 24 Monaten ausgegangen, in welchem das Kind eine spezialisierte und wissenschaftlich fundierte Einzelförderung und inklusives Üben erhält, um weiter an seinen Problemen zu arbeiten. Bei größeren psychosozialen Problemen ist die Hilfe eines Psychologen ratsam!

Die Trainingsmethoden nach dem Symbolbeherrschungstraining und dem Orientierungstraining sind auf der ganzen Linie nicht bewiesen. Sicherlich kann in der Förderung eine bessere visuelle Darstellung der Buchstaben ein kreativer Ansatz sein, die dem Kind Spaß bereitet, um sich vielleicht Wörter oder Laute einzuprägen. Der Erfolg dieser Methode ist nicht bewiesen! Die Forschung geht von einer umfassenden Stimulierung aus, die alle Wahrnehmungsbereiche fördert, in denen das Kind seine individuellen Probleme hat. Für eine wirksame Förderung ist zu beachten, dass sich diese Förderung auf die lautgetreue Rechtschreibung oder phonologische Konzepte, sowie auf die systematische Leseförderung fokussiert. Hierzu gibt es einige Studien, die eine Bewältigung der Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben nachweisen.
Die Zeit der Förderung von 5 Trainingsstunden (insgesamt 30 Stunden) am Tag ist didaktisch nicht sinnvoll, sondern eine angemessene Förderung von ca. 45 bis 60 Minuten pro Woche ist zu empfehlen. Man kann Kinder mit einem so kurzfristigen Zeitraum nicht unterstützen. Hier braucht es Geduld und Zeit, damit ein Kind schrittweise die Probleme mithilfe der Eltern in den Griff bekommt.

Es ist bedenklich, wenn mit der Davis-Methode auch weitere Lernschwächen und Krankheiten wie ADS, ADHS und Autismus behandelt werden! Methoden, die in vielen Bereichen Heilung versprechen, kommen häufig aus der Esoterik.

Fazit:

Die Davis-Methode widerspricht jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis der Legasthenieforschung und wird auch vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. nicht empfohlen. Generell ist von Methoden Abstand zu nehmen, die eine schnelle und einzigartige Heilung versprechen! Daher ist auch die sehr extreme Stilisierung von uns Legasthenikern zur Geniehaftigkeit mit großer Vorsicht zu genießen!

Aus Forschung und Praxis ist uns kein Betroffener bekannt, der ohne eine fundierte Diagnose und Einzelförderung über einen längeren Zeitraum seine Probleme in den Griff bekommen hat! Außerdem widerspricht die Davis-Methode jeglicher Erkenntnis der Lernforschung, da sie keinerlei Lernstrategien und Verinnerlichung des Lernstoffes auf pädagogisch-didaktischer Weise vermittelt. In Dresden und Sachsen wird diese Methode angewendet, aber wir können die Eltern nur davor warnen, da uns diese Methode als sehr unseriös erscheint! Daher sollten Sie immer darauf achten, welchen Hintergrund diverse Testungen sowie Förder- oder Therapie- und Nachhilfekonzepte haben. Ein kritischer Blick und genaueres Nachfragen kann Ihnen dabei helfen, die bestmögliche Hilfe fürs Kind zu erhalten.

Erstveröffentlichung am 07.03.2014, aktualisierte Version vom 08.08.2016.

 

Haben wir eine hausgemachte Rechtschreibkatastrophe?

Lese- und Rechtschreibprobleme haben scheinbar in den letzten Jahren zugenommen. Dies liegt mit Sicherheit nicht an uns Legasthenikern. Neben dieser sehr speziellen Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) gibt es viele andere Ursachen, die als Auslöser für den Erwerb von Lese-Rechtschreibschwächen (LRS) zu beobachten sind. Wir haben oft mit verunsicherten Eltern über die möglichen Probleme gesprochen, die vermutlich ein Hinweis für hausgemachte Rechtschreibschwierigkeiten sind, welche von unserem Bildungswesen begünstigt werden.

Eine wesentliche Ursache für den Erwerb von LRS stellt die Unterrichtsqualität an den Grundschulen dar, die für die Eltern undurchsichtig ist. Uns Fachleuten geht es damit häufig nicht anders! Denn man kann oft nicht richtig nachvollziehen, nach welcher Methode Lehrer in ihren Schulkursen den richtigen Schrifterwerb vermitteln. Scheinbar gibt es hier einen wichtigen Hinweis darauf, warum die Probleme zu hausgemachten Schwierigkeiten in der Grundschulzeit werden. Haben nämlich Lehrer keine Vorgaben, wie sie den Kindern didaktisch das Lesen und Schreiben vermitteln sollen, herrscht mit großer Wahrscheinlichkeit ein methodisches Chaos. Das Kultusministerium gibt nur den Lehrplan vor, aber leider nicht die Methode für den Schriftspracherwerb.

Deswegen beobachten wir ein Durcheinander an den Dresdner Grundschulen, weil jede Schule ihre Methode wählen darf, die sie für passend hält. Häufig werden keine wissenschaftlich überprüften Methoden für den Anfangsunterricht verwendet. Das kann nur zu Problemen führen! Zusätzlich wird häufig das umstrittene und wissenschaftlich nicht belegte Schweizer-Modell verwendet, bei dem die Kinder durchs Lesen mittels der Anlauttabelle das Schreiben erlernen sollen. Nicht selten beobachten wir, dass viele Kinder dann in der Grundschule durch die falschen Methoden Probleme in der Rechtschreibung bekommen, worin wahrscheinlich eine maßgebliche Ursache für den hausgemachten Erwerb von LRS liegt. Darum werden Kinder mit wirklichen Legasthenien gar nicht erkannt. Deshalb haben wir ein sehr schwammiges Bild, wo die Ursachen dieser Lernprobleme zu suchen sind. So sind auch die LRS-Feststellungen der Schulen häufig sehr unklar, weil man nicht die Ursachen und didaktischen Fehler des Unterrichts mitberücksichtigt.

Außerdem wird auch die Methode häufig gewechselt. In der 1. Klasse lernen Kinder nach dem Schweizer-Modell, in der 2. Klasse wird dann zum Fibel-Modell gewechselt. Schon dieser Wechsel verursacht bei den Kindern größere Probleme, um mit dem Schriftspracherwerb nicht durcheinander zu kommen. Was das Schweizer-Modell betrifft, gibt es schon seit vielen Jahren in der Fachwelt Streit und keinen wirklichen Konsens. Denn es gibt einige Indizien dafür, das dieses Reformpädagogische-Modell vom Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen[1] wahrscheinlich ein wesentlicher Verursacher im Erwerb von LRS zu sein scheint. Zahlreiche Wissenschaftler und Pädagogen, wie beispielsweise Renate Valtin[2], kritisieren inzwischen das von Reichen entwickelte Konzept scharf. Untersuchungen zeigen eine teilweise drastische Verschlechterung der Rechtschreibung beispielsweise bei Grundschülern der vierten Klasse gegenüber Vergleichsgruppen, die von Anfang an die korrekte Rechtschreibung gelernt haben. Besonders für Legastheniker, Kinder aus bildungsfernen Schichten und Kinder mit fremdsprachlichem Migrationshintergrund ist diese Unterrichtsmethode problematisch[3] .

Das Gleiche beobachten wir auch bei Kindern, die an Grundschulen mit der analytisch-synthetischen Methode (Fibel-Methode)[4] unterrichtet wurden. Diese machen bei der Diagnostik wesentlich weniger orthografische Fehler und können in der Regel auch flüssiger lesen, obwohl Legasthenien bei Kindern in diesen Familien vorliegen. Aus Klassen mit dem Schweizer-Modell berichten uns Eltern, dass manchmal 5-6 Kinder einer Jahrgangsstufe Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Diese werden dann häufig zur LRS-Feststellung geschickt! Unserer Meinung nach ist die Methode nach Jürgen Reichen eine problematische Unterrichtsmethode. Sie wird häufig an den Schulen in Dresden, die sich in freier Trägerschaft befinden, angewandt. Aber auch staatliche Grundschulen haben seit der Wendezeit diese Methode verstärkt eingesetzt. Wir sehen, bei allen positiven Entwicklungen an privaten Schulen, in diesem Bereich die meisten Probleme. Uns sind jedenfalls nur wenige Privatschulen in Dresden bekannt, die nach dem Fibel-Modell unterrichten. Nicht selten wird das Schweizer-Modell als Unterrichtsmethode gewählt, oder es gibt einen Methodenmix (methodenintegrierende Verfahren, oder „offene Lernangebote“).

Wir sehen, das es bei den Kindern, die mit offenen Methoden oder nach der Reichen-Methode unterrichtet werden, mehr Rechtschreibschwierigkeiten gibt als in Klassen mit dem klassischen Modell. Kindern mit einer Legasthenie wird es noch wesentlich schwerer fallen. Diese Modelle versprechen zwar Offenheit und Kreativität, sind aber für den systematischen Lese- und Rechtschreiberwerb eher ungeeignet. Nicht selten beobachten wir diese Schwierigkeiten an den Privatschulen, aber auch an staatlichen Schulen, zumindest was die Rechtschreiblehrgänge betrifft. Es gibt aber auch Schulen, die die klassische Fibel-Lern-Methode anwenden. Darauf sollten Eltern bei der Suche nach einer passenden Schule unbedingt achten, besonders wenn es in der Familie mehrere Legastheniker gibt!

Das ist nur eine kurze Beschreibung der Probleme, die wir an Grundschulen in Dresden und Sachsen auf unserem Fachgebiet beobachten. Häufig ist dann bei einer LRS-Feststellung und LRS-Förderung an den Schulen oder Nachhilfeeinrichtungen mit ähnlichen Problemen zu rechnen, weil häufig nicht methodisch ausreichend auf die Kinder eingegangen werden kann.

Fazit:

Sieht man sich die Probleme genauer an, kann man hier von einer größeren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass wir wesentlich weniger Kinder mit Lese-Recht-Schreibschwäche (LRS) haben müssten. Und Legastheniker würden wir viel deutlicher erkennen, wenn es nur in unserer Fachwelt mehr Differenzierung zwischen LRS und Legasthenie gäbe. Dabei wird es schon anhand der methodischen Probleme im Anfangsunterricht deutlich, dass es sich hierbei um hausgemachte Probleme handeln muss. Kinder mit einer Legasthenie werden daher oft mit LRS-Kindern gleichgesetzt, deshalb werden diese häufig nicht richtig erkannt! Sie erhalten auch deswegen keine bestmögliche Diagnostik und Förderung, da man die hausgemachten Umweltprobleme mit dem Lesen und Schreiben im Bildungswesen nicht berücksichtigt.

Erstveröffentlichung vom 10.März 2014, überarbeitet am 23.06.2016