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LRS bei Kindern und die Sorgen der Eltern

Eltern machen sich große Sorgen, wie ihre Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche in der Grundschule zurechtkommen. Nicht selten folgt auf eine LRS-Testung am schulischen Stützpunkt die Überraschung: Das eigene Kind hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Viele Eltern sind sich der möglichen Konsequenzen bewusst – welche Auswirkungen hat eine LRS auf die psychische Gesundheit ihres Kindes?

Wenn sie dann eine passende Förderung suchen, sind Eltern schnell überfordert. Es kursieren unterschiedliche Begriffe: LRS-Nachhilfe, LRS-Förderung, LRS-Klasse, Logopädie, Ergotherapie – und Lerntherapie. Alle sind Maßnahmen für Kinder mit LRS, doch sie haben unterschiedliche Ziele und nicht jedes Angebot passt zu jedem Kind.

Was ist eigentlich LRS – und wie heißt es richtig?

Eltern sollten sich nicht von Begriffen verwirren lassen. „LRS“ ist der umgangssprachliche Begriff für Lese-Rechtschreib-Schwäche – er gilt im Bildungswesen, in Schulen und bei Schulpsycholog:innen. In Medizin und Psychologie lautet der Fachbegriff hingegen „Lese-Rechtschreib-Störung“, auch bekannt als Legasthenie.

Nach rund 130 Jahren Legasthenieforschung sind nicht alle Ursachen und Wechselwirkungen vollständig geklärt. Das macht es verständlich, dass sich Eltern, die individuelle Förderung suchen, häufig überfordert fühlen. Hier ist es wichtig, nach Expert:innen zu suchen, die sich gut auskennen und langjährige Erfahrung im Feld haben – weit über die Anforderungen hinaus, die im Bildungswesen üblich sind.

Welche Förderangebote gibt es überhaupt?

Kinder haben ganz unterschiedliche Herausforderungen. Ein Kind hat sprachliche Auffälligkeiten und erhält logopädische Therapie. Ein anderes hat Konzentrationsprobleme (etwa ADHS/ADS), erhält Ergotherapie und geht parallel zum Psychologen. Andere Kinder haben emotionale Schwierigkeiten wie Ängste, depressive Verstimmungen oder Vermeidungsverhalten sowie Probleme mit der Impulskontrolle.

Neben der LRS können also ganz unterschiedliche Probleme auftreten. Diese Begleiterscheinungen können von einer LRS-Klasse, Nachhilfe oder alleiniger Logopädie oft nicht kompensiert werden.

Warum reine Nachhilfe bei LRS oft nicht hilft

Nachhilfe verfolgt primär das Ziel, Schulstoff zu vermitteln, Hausaufgaben zu begleiten oder Prüfungsvorbereitungen zu unterstützen. Sie arbeitet am Symptom, nicht an der Ursache. Bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche liegen jedoch spezifische Verarbeitungsschwierigkeiten vor, die eine andere Herangehensweise erfordern.

Hier setzt die zielgerichtete Lerntherapie an. Sie kennt die unterschiedlichen Ursachen und nutzt lernpsychologische Methoden, um konkret an den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben zu arbeiten. Ziel ist, dass das Gehirn des Kindes die Sprache beim Lesen und Schreiben besser verarbeitet und verankert. Dazu muss die Lerntherapie in der Lage sein, präventiv psychischen Herausforderungen entgegenzuwirken.

Was macht eine gute Lerntherapie aus?

Gute Therapeutinnen und Therapeuten können sich in die Gefühlslage der Eltern und Kinder hineinversetzen. Dieses Mitgefühl ermöglicht eine vertrauensvolle Beziehung und zeigt Kindern: Man kann eine LRS gut bewältigen. Sehr wertvoll ist es, wenn der Therapeut oder die Therapeutin selbst von LRS betroffen ist und die Schwäche gut bewältigt hat. Dies nimmt dem Kind Ängste und fördert das Vertrauen in die eigenen Bewältigungsfähigkeiten.

Individuelle Einzeltherapie statt Gruppenunterricht

Eine qualitativ hochwertige Lerntherapie findet im Regelfall nie in Gruppen, sondern als Einzeltherapie statt. Üblicherweise einmal wöchentlich mit regelmäßigem Üben zu Hause zusammen mit den Eltern.

Lerntherapie ist langfristige Begleitung

Eine Lerntherapie zielt nicht auf wenige kurze Sitzungen über einige Monate ab. Diese Maßnahme dauert in der Regel bis zu 24 Monaten und kann länger andauern. Dies liegt nicht selten an der individuellen Schwere der LRS beim Kind. Bei manchen Kindern geht es schneller: Sie können mit einer Lerntherapie genauso flüssig lesen und Texte verstehen wie ihre Mitschüler. Auch das Schreiben gelingt fehlerfreier – in derselben Qualität wie bei Kindern ohne LRS.

Das ist das Ziel, das Lerntherapie deutlich besser und nachhaltiger leisten kann als eine Nachhilfe oder LRS-Klasse, da letztere nicht in diesem Maße auf individuelle Lernbedürfnisse ausgerichtet ist. Lerntherapie ist häufig der nachhaltigste Ansatz zur Kompensation der LRS und zur Stabilisierung der psychischen Gesundheit des Kindes. Sie fördert die Resilienz in der Kindheit und ermöglicht einen leichteren Bildungsweg bis ins Erwachsenenalter. Fehlt eine solche Unterstützung, besteht die Gefahr, dass sich psychische Erkrankungen entwickeln, wenn eine LRS nicht bewältigt wird.

Qualifikation und persönliche Betroffenheit der Therapeuten

Wichtig ist die fachliche Expertise. Orientieren Sie sich an Fachleuten, die seit vielen Jahren in diesem Bereich arbeiten. Hier zählt langjährige Erfahrung!

Wer trägt die Kosten für eine Lerntherapie?

Da Lerntherapien in der Regel von keiner Krankenkasse übernommen werden, müssen die Kosten meist privat getragen werden. Rechtlich gelten Lerntherapien nicht als medizinische, sondern als pädagogische Bildungsmaßnahmen. Daher übernehmen Krankenkassen selten die Kosten.

In Ausnahmefällen zahlt das Jugendamt eine Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Voraussetzung ist, dass eine Gefährdung der seelischen Gesundheit vorliegt – dokumentiert durch ärztliche Diagnose. Die Hürden, über staatliche Stellen Förderung zu erhalten, sind derzeit sehr hoch. Das kann für sozial benachteiligte Familien besondere Herausforderungen bringen – denn Alleinerziehende haben oft nicht die nötigen finanziellen Mittel. Eltern sollten sich an gemeinnützige Stiftungen wenden, nach alternativen Finanzquellen suchen oder die Großeltern mit einbinden.

Wann sollten Eltern aktiv werden?

Der Fokus sollte stets darauf liegen, dass Kinder seelisch gesund bleiben – nur so können sie ihre LRS-Chancen gut bewältigen wie ihre Mitschüler. Ohne frühzeitige Hilfe ist die Gefahr groß, dass aus der Lese-Rechtschreib-Schwäche psychische Erkrankungen entstehen – etwa Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle oder Depressionen. Kinder mit LRS sind gefährdet, solche Begleiterkrankungen zu entwickeln.

Sich so früh wie möglich an Fachleute oder die Schule zu wenden, ist ratsam – wenn Kinder sich mit Lesen und Schreiben schwerer tun als ihre Mitschüler. Es ist wichtig, mögliche Ursachen abzuklären. Das gilt besonders, wenn Eltern diese Probleme aus ihrer eigenen Kindheit kennen – etwa wie sie damals mit Lesen und Schreiben zu kämpfen hatten. Oder wenn eine LRS im weiteren Familienkreis bekannt ist. Frühzeitige Hilfe ist hier entscheidend. Heute gibt es die Möglichkeit, schon ab der 1. Klasse Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben zu erkennen und präventiv mit lerntherapeutischen Ansätzen entgegenzuwirken.

Fazit: Drei Schritte für betroffene Eltern

1. Professionelle Diagnostik – Lassen Sie feststellen, ob es sich um eine LRS handelt und welche Begleitfaktoren vorhanden sind.
2. Passgenaues Förderkonzept wählen – Entscheiden Sie sich für ein Angebot, das zu den individuellen Bedürfnissen Ihres Kindes passt.
3. Finanzielle Möglichkeiten prüfen – Informieren Sie sich über Kostenübernahme, Stiftungen und Familienunterstützung.

Ihr Kind braucht keine perfekten Eltern, sondern verlässliche Begleitung in der Bewältung der LRS. Mit der richtigen Unterstützung bewältigt Ihre Familie die Herausforderungen gemeinsam.