2. Forschungswerkstatt

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Vom 14. – 16. 02. 2019 findet an unserem Institut unsere 2. Forschungswerkstatt statt. Während unserer ersten Werkstatt Anfang Januar sind wir wieder ein ganzes Stück vorangekommen und konnten einige Interviews segmentieren.

Für uns sind diese Forschungswerkstätten ein großer Gewinn, weil wir wieder ein Stück mehr über die Entwicklungsbiografien von betroffenen Kindern und Jugendlichen lernen können.  Die 3. Forschungswerkstatt findet dann im August statt.

Schwerpunkt: Forschungswerkstatt 2019

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Einer der Arbeitsschwerpunkte unseres Teams im Jahr 2019 wird die weitere Erforschung der Themen LRS, Legasthenie und Dyskalkulie sein. Dazu findet vom 3. bis 5. Januar 2019 die erste sozialwissenschaftliche Forschungswerkstatt an unserem Institut statt. Drei weitere Treffen mit Experten unseres Fachgebiets folgen in den nächsten Monaten.

Die Datenerhebung für unsere beide Studien ist Ende Dezember 2018 abgeschlossen worden. Es wartet noch einiges an Transkriptionsarbeit auf uns, die unser Mitarbeiter Herr Haenel im Laufe des Jahres abschließen wird. Ziel ist es, bis Herbst 2019 alle Interviews der ersten Studie (Grundlagenforschung zur Lese-Rechtschreib-Schwäche im Kindes- und Jugendalter) mit der Narrationsanalyse nach Schütze auszuwerten. Einen ersten Zwischenbericht werden wir im Herbst 2019 der Öffentlichkeit vorstellen, außerdem sollen Vorträge dazu folgen.

LRS-Förderung ist frei von alternativ-esoterischen Ansätzen

alternativ-esoterische Ansätze haben nichts in der LRS-Förderung

Alternativ-esoterische Ansätze haben nichts in der LRS-Förderung zu suchen

Warum haben alternativ-esoterische Ansätze nichts in der LRS-Förderung zu suchen? Dieser Frage möchten wir in diesem Fachaufsatz nachgehen. Es ist in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft durchaus legitim, dass Eltern oder Betroffene für esoterische Ansätze offen sind. Aber aus der Perspektive der Legasthenieforschung haben diese Ansätze in der Förderung nichts verloren. Warum das so ist, werden wir hier in diesem Aufsatz erklären.  

Was sind alternativ-esoterische Ansätze?

Alternativ-esoterische Ansätze sind eine Umschreibung für den geläufigen Begriff Esoterik oder spirituelle neureligiöse Kulte oder Wege, von denen sich die christlichen Kirchen[1] distanzieren. Nach unserer Auffassung haben solche Ansätze in einer seriösen Förderung nichts verloren, deswegen haben wir auch in unserem Leitbild (vgl. Absatz 8)[2] festgelegt, dass Methoden aus der Esoterik (Sekten o.ä.) bei uns nicht zum Einsatz kommen.

Wo hat die Esoterik ihre Ursprünge? – ein kurzer Abriss ihrer Wurzeln

Der Begriff Esoterik hat seine etymologische Herkunft aus dem griechischen „esōterikón“, was man als das „nach innen Gerichtete“ deuten kann (vgl. Barth 2011, S.48)[3]. In der Fachwissenschaft wird darauf verwiesen, dass die Esoterik, wie wir sie heute kennen, ihren Ausgang im Westeuropa des 19./20.Jahrhunderts zu verorten hat. Dabei stützt sie sich auf ältere philosophische Strömungen – hermetische Traditionslinien, die subkulturell unter dem Christentum tradiert wurden. In der Forschung wurden verschiedene philosophische Wurzeln gefunden, die alte Lehren wie die von den Göttern Hermes, Thot, u.a. magisch-alchemistisch-astrologische Lehren als Grundlage haben. Diese gehören mit zu den Wurzelelementen der heutigen alternativ-esoterischen bzw. neureligiösen Bewegungen und Kulte. Dazu gab es noch weitere wichtige Strömungen wie Zoroastrismus[4], Manichäismus[5], Alchemie[6], Kabbalah[7], um nur ein paar wesentliche Quellen aus der esoterischen Literatur[8] zu nennen.

In den letzten 150 Jahren wurden diese verschiedenen philosophischen Strömungen von bekannten Persönlichkeiten vorangetrieben; als wichtige Persönlichkeiten der Neuzeit wären hier Helena Blavatsky und Rudolf Steiner zu nennen. Helena Blavatsky[9] vereinte sämtliche Strömungen in ihrer esoterischen Theosophischen Gesellschaft[10]. Sie beeinflusste maßgeblich Rudolf Steiner in seiner anthroposophischen Weltsicht und die Waldorfschulbewegung, die ähnlich esoterisch-okkulte Lehren wie Blavatsky vereint. Beide Persönlichkeiten waren Kinder ihrer Zeit, wie viele in dieser Epoche hatten sie völkisch-nationalistische, antisemitische, antichristliche und kultur- und gesellschaftspessimistische, wie auch sozialkritische Gegenentwürfe der Gesellschaft. Es ist davon auszugehen, dass diese Einflüsse in nicht geringem Maße den „Nationalsozialismus“ beeinflusst haben können. 

Die heutige Esoterik ist ein Sammelsurium von sämtlichen erwähnten philosophischen Strömungen der diversen Ansätze, die sehr vielseitig sind und häufig miteinander vermischt werden. Laien fühlen sich mit diesen Weltbildern überfordert, weil sie in einem widersprüchlich-diffusen Licht erscheinen. Man kann die heutige Esoterik auch als postmoderne Individual-Religion sehen, die mit ähnlichen kritischen Haltungen und Orientierungsproblemen wie zur Zeit Rudolf Steiners dem frühen 20. Jahrhundert ähnelt. Hierzu muss man sich die heutige Zeit ein wenig genauer ansehen und man findet dabei viele Parallelen dieser Weltsichten wieder. Besonders in Zeiten von Umbrüchen suchen Menschen nach Sinnstiftung und Orientierung, die sie scheinbar in solchen Angeboten finden.

Heutige Erscheinungsformen sind sehr vielfältig – vom Kartenleger, Homöopathen, Anthroposophen bis hin zum Geistheiler oder spirituellen Lehrmeister, auch fanatischen oder politisch-extremen Gruppen[11] aus verschiedenen Spektren, kann alles vorhanden sein, dazu kann es eine vielfältige Vermischung sämtlicher Ansätze geben. Die Anzahl der Gruppen geht in die Hunderte. Sie haben in den letzten 150 Jahren[12] verschiedene Lebenswege und Hilfsansätze entwickelt, die in der heutigen alternativen Medizin, bei Heilpraktikern und Psychologen, in einigen Fällen in der Reformpädagogik[13] und teilweise in der ökologischen Landwirtschaft (biologisch-dynamisch o.a. als Demeter-Anbau[14]) vorkommen können. Es gibt aber auch viele andere Ansätze, die hier nicht Erwähnung finden können. Für Außenstehende ist dieser Bereich nicht überschaubar. Rund 0,8 Prozent der Bevölkerung sind diesen Gruppen zuzurechnen. Von harmlosen Ansätzen bis zu gefährlichen Kulten/Sekten kann alles vorkommen[15].

Warum werden diese Ansätze aus der Perspektive der Legasthenieforschung abgelehnt?

Diese Ansätze sind von ihren Grundannahmen her durch empirische Forschung[16] weder messbar noch belegbar. Aus diesem Grund gehören sie in die private Glaubenswelt. Im Forschungs- und Bildungsbereich und in der seriösen LRS-Förderung bzw. Coaching haben diese Ansätze nichts verloren und werden abgelehnt, seriöse Anbieter in diesem Spezialbereich müssen sich an die Kriterien des Deutschen Philologen Verbandes e. V.[17] halten, die nicht nur für Nachhilfeangebote gelten, sondern auch auf unser Fachgebiet zutreffen.

Was nicht belegbar ist, hat für die Förderung keinen Nutzen

Da die alternativ-spirituellen Ansätze nicht belegbar sind und eher ein Placebo-Effekt zu vermuten ist, haben diese Ansätze für die Förderung keinen nachweislichen Nutzen. Jeder Förderansatz muss von einer wissenschaftlichen Theorie abgeleitet sein, ist er es nicht, ist der Lernerfolg für die Betroffenen von keinem Nutzen.

Experten weisen auf mögliche Gefahren spirituell-esoterischer Ansätze hin

In der Regel sind solche Ansätze preisintensiv und es besteht die Gefahr, bei solchen Konzepten in eine seelische Abhängigkeit zu geraten. Solche Methoden werden immer wieder von Heilpraktikern oder Psychologen angewandt. Die Gefahr einer seelischen Abhängigkeit[18] sollte nach Einschätzung von Experten nicht unterschätzt werden. Der Einstieg in eine kultische Gruppe kann fließend sein. Die psychologische Praxis zeigt, dass der Einstieg in eine solche Gruppe wegen seelischer Abhängigkeit von einem Guru recht schnell gehen kann. Der Ausstieg aus diesen spirituellen Gruppen ist selten einfach[19]. Nicht alle machen abhängig, es gibt viele Ansätze, die kurzfristig im Alltag als Sinnstiftung oder Lebenshilfe genutzt werden. Seit 1990 gibt es in Deutschland einen regelrechten Boom auf dem Gebiet der Esoterikszene.  Die Umsätze der Esoterikbranche wachsen: 2000 waren es 9 Milliarden Euro, 2010 bereits 20 Milliarden; für 2020 werden 35 Milliarden Euro prognostiziert[20]. Fachleute gehen davon aus, das rund 13 Prozent der Bevölkerung für spirituell-esoterische Ansätze offen sind[21].

Es mag sein, dass im Volksmund der Spruch gilt: „Wer heilt, der hat recht“[22], dieser wird denn auch als beruhigendes Argument im alternativen Bereich verwendet. Das kann häufig mit Selbsttäuschung einhergehen, denn sicherlich mag der Glaube daran Placebo-Ergebnisse hervorrufen, wissenschaftlich sind die Ergebnisse nicht zu belegen. Das betrifft nicht nur die alternative Medizin, sondern auch die Pädagogik, wo in den letzten 10 Jahren spirituell-esoterische Angebote zugenommen haben[23].

Hier sind ein paar Persönlichkeiten, die zu den Bestsellern der heutigen Szene in Deutschland gehören: Rüdiger Dahlke[24], Bert Hellinger[25], Joseph Murphy[26] sind nach unseren Recherchen neben einigen anderen die geläufigsten Buchautoren der heutigen Esoterik-Szene.

Warum tendieren einige Eltern zu Reformschulen und alternativen LRS-Förderansätzen?

Häufig versuchen Familien ihre Kinder mit Lernschwächen auf reformpädagogische Schulen zu schicken. Dieser Trend ist auch in unserem Fachbereich zu beobachten. Das ist kein Massenphänomen, sondern eine aktuelle Bildungsnische. Schüler mit Lernschwächen werden im staatlichen Bildungswesen nicht adäquat gefördert, das ist ein häufiges Argument der Eltern der betroffenen Schüler für den Trend zu alternativen Schulen. Eltern sind häufig überfordert, wenn es bei Kindern mit Lernschwächen um die richtige Schulwahl geht. Manche Eltern sehen Alternativschulen kritisch, andere wiederum sind dafür offen. Da gibt es in der Elternschaft keinen Konsens, weil dort verschiedene Weltsichten aufeinandertreffen.

Aus didaktischer Sicht sind wissenschaftlich nicht überprüfbare Ansätze, wie sie in der Reformpädagogik häufig anzutreffen sind, in der Diagnostik, Förderung und beim Coaching von Betroffenen abzulehnen. Denn es gibt keine Belege dafür, dass diese Ansätze den Betroffenen helfen könnten.

Nach unserer Einschätzung gehören folgende alternativ-esoterischen Ansätze nicht in die Förderung von Betroffenen: Nicolay-Methode, Davis-Methode, LRS-Bachblüten-Therapie, Funktionaloptometrie gegen Winkelfehlsichtigkeit, Laising-Methode, Atlas-Plus. Für alle aufgeführten Ansätze gibt es keine wissenschaftlichen Belege auf Wirksamkeit bei Betroffenen mit Lese-Recht-Schreibschwierigkeiten bzw. anderen Lernproblemen.

Positive Aspekte der Reformschulen und alternativen Ansätze

Positive Aspekte dieser Ansätze können sein, dass man dabei die gesamte persönliche Entwicklung der Schüler im Blick hat. Man fördert z.B. besonders die Naturverbundenheit oder Kreativität wie auch das selbständige Lernen. Auch kleinere Schulklassen können bei Eltern ein Argument sein, um Kinder bei einer freien Schule anzumelden.

Reformschulen sind nicht immer für den Schriftspracherwerb förderlich

Was ist aus der Perspektive der Forschung an diesen Ansätzen abzulehnen? Die esoterische Weltbildbildung nach Rudolf Steiner hat in der seriösen Förderung von Legasthenikern und anderen Lernschwachen keinen Platz. Andersherum gefragt, wie sollen Kinder ohne zielgerichtete Förderung das Lesen und Schreiben lernen? Aus der Praxis sind uns nicht wenige Fälle bekannt, in denen Schüler an verschiedene reformpädagogische Schulen gingen und der Schriftspracherwerb ohne deutliches Konzept gefördert wurde. Man ließ die Kinder sehr auf sich allein gestellt, um sich freiwillig dem Lesen und Schreiben zu widmen. Strittige Ansätze kennt man vom vieldiskutierten Schweizer-Modell (Schreiben nach Gehör), das ein reformpädagogischer Ansatz ist. Es gibt wissenschaftliche Belege, dass diese Methode in der Deutschdidaktik umstritten ist.

Aus der Perspektive der derzeitigen Forschung sind diese methodischen Ansätze bei der Förderung betroffener Schüler kritisch zu sehen. Ein Argument dafür ist, dass die Lernrückstände im Schriftspracherwerb nach der Grundschulzeit konstant bleiben können. Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen, dass betroffene Schüler erst recht seelische Probleme entwickeln können, weil sie keine didaktische Hilfe im Schriftspracherwerb erhalten. Darum sind Reformschulen für Betroffene nicht immer von Vorteil, die Eltern sollten sich immer das schriftsprachliche Konzept der jeweiligen Schulen ansehen. Wenn die Eltern eine esoterische Weltsicht nicht kennen oder teilen, sollten sie sich die Konzepte im Detail genauer ansehen. Die Schulen sind sehr verschieden in ihrer Umsetzung ihrer Konzepte.

 Weiterführende Quellen zum Nachlesen:

Anne Höhl. „Aroma-Dusche im Klassenzimmer“. Süddeutsche Zeitung, 24. September 2013. http://www.sueddeutsche.de/bildung/esoterik-in-der-schule-aroma-dusche-im-klassenzimmer-1.1477223.

Barbara Singer. „Wie Menschen in der Esoterik abgefangen werden“. Brisante Bücher und Artikel zu den Themen Psychologie und Spiritualität. https://autorinbarbarasinger.wordpress.com, 30. März 2013. https://autorinbarbarasinger.wordpress.com/2013/03/30/wie-menschen-in-der-esoterik-abgefangen-werden/.

Claudia Barth. Esoterik – die Suche nach dem Selbst – Sozialpsychologische Studien zu einer Form moderner Religiosität. Bielefeld: transcript Verlag, 2011. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1627-9/esoterik-die-suche-nach-dem-selbst.

Deutscher Philologen Verbandes e. V. „Kriterienliste_nachhilfestudios.pdf“, o. J. https://www.dphv.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Kriterienliste_nachhilfestudios.pdf.

Dieter Rüggeberg. „verlag-dr.de“. Verlag für esoterische Literatur, o. J. http://www.verlag-dr.de.

EKD. „Esoterik“. Glaubens-ABC, 22. April 2017. https://www.ekd.de/glauben/abc/esoterik.html.

Evelyn Finger, und Detlef Pollack. „Die Renaissance der Unvernunft – Der Glaube an und für sich“, 13. Mai 2013. http://www.zeit.de/2013/21/esoterik-detlef-pollack.

„Forschung“. http://www.deacademic.com. Zugegriffen 22. April 2017. http://universal_lexikon.deacademic.com/34388.

Legasthenie Coaching – Institut für Bildung und Forschung gUG (haftungsbeschränkt). „Leitbild“. Zugegriffen 5. Januar 2017. https://www.legasthenie-coaching.de/leitbild/.

Michael Utsch. „Fanatismus“. Lexikon. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, 2017. http://www.ezw-berlin.de/html/3_8600.php.

„Nur ein Geschäft – Esoterikbranche glaubt selbst nicht an ihr ‚Produkt‘“. 3sat, 29. Oktober 2013. http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/173041/index.html.

Psiram.com – Realismus als Chance. „Wer heilt hat recht“, 2016. https://www.psiram.com/de/index.php/Wer_heilt_hat_Recht.

„Psychologische Beratungsangebote und -erfahrungen – Wege des Einstiegs in eine sogenannte Sekte und Wege des Ausstiegs“. Zeitschrift für Weltanschauungsfragen. Berlin: Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen, Februar 2017. http://www.ezw-berlin.de/downloads/Materialdienst_02_2017_6-14s.pdf.

Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. – REMID. „Mitgliederzahlen: Sonstige“. Religionswissenschaft. remid.de. Zugegriffen 22. April 2017. http://remid.de/info_zahlen/verschiedene/.

Sekten-Info Essen e.V. „Zum Thema Esoterik in der Beratungsarbeit“. Beratungsstelle. Zugegriffen 5. Januar 2017. http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=71.

„Theosophische Gesellschaft in Deutschland e.V.“. Selbstdarstellung. Zugegriffen 29. April 2017. http://theosophische-gesellschaft.org.

Ulrike Köppchen. „Bildung: Die blinden Flecken der Reformpädagogik“. Deutschlandfunk Kultur, 5. November 2015. http://www.deutschlandradiokultur.de/bildung-die-blinden-flecken-der-reformpaedagogik.976.de.html?dram:article_id=318358.

Wikipedia. „Alchemie“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Alchemie.

———. „Bert Hellinger“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger.

———. „Demeter_(Anbauverband)“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Demeter_(Anbauverband).

———. „Helena Blavatsky“, 26. April 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_Petrovna_Blavatsky.

———. „Joseph Murphy“, 5. Januar 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Murphy.

———. „Kabbalah“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbalah.

———. „Manichäismus“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Manichäismus.

———. „Zoroastrismus“. Zugegriffen 1. Mai 2017. https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus.

[1] EKD, „Esoterik“, Glaubens-ABC, 22. April 2017, https://www.ekd.de/glauben/abc/esoterik.html.

[2] Legasthenie Coaching – Institut für Bildung und Forschung gUG (haftungsbeschränkt), „Leitbild“, zugegriffen 5. Januar 2017, https://www.legasthenie-coaching.de/leitbild/.

[3] Claudia Barth, Esoterik – die Suche nach dem Selbst – Sozialpsychologische Studien zu einer Form moderner Religiosität (Bielefeld: transcript Verlag, 2011), http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1627-9/esoterik-die-suche-nach-dem-selbst.

[4] Wikipedia, „Zoroastrismus“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus.

[5] Wikipedia, „Manichäismus“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Manichäismus.

[6] Wikipedia, „Alchemie“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Alchemie.

[7] Wikipedia, „Kabbalah“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbalah.

[8] Dieter Rüggeberg, „verlag-dr.de“, Verlag für esoterische Literatur, (o. J.), http://www.verlag-dr.de.

[9] Wikipedia, „Helena Blavatsky“, 26. April 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_Petrovna_Blavatsky.

[10] „Theosophische Gesellschaft in Deutschland e.V.“, Selbstdarstellung, zugegriffen 29. April 2017, http://theosophische-gesellschaft.org.

[11] Michael Utsch, „Fanatismus“, Lexikon, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, (2017), http://www.ezw-berlin.de/html/3_8600.php.

[12] Claudia Barth, Esoterik – die Suche nach dem Selbst.

[13] Ulrike Köppchen, „Bildung: Die blinden Flecken der Reformpädagogik“, Deutschlandfunk Kultur, 5. November 2015, http://www.deutschlandradiokultur.de/bildung-die-blinden-flecken-der-reformpaedagogik.976.de.html?dram:article_id=318358.

[14] Wikipedia, „Demeter_(Anbauverband)“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Demeter_(Anbauverband).

[15] Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. – REMID, „Mitgliederzahlen: Sonstige“, Religionswissenschaft, remid.de, zugegriffen 22. April 2017, http://remid.de/info_zahlen/verschiedene/.

[16] „Forschung“, http://www.deacademic.com, zugegriffen 22. April 2017, http://universal_lexikon.deacademic.com/34388.

[17] Deutscher Philologen Verbandes e. V., „Kriterienliste_nachhilfestudios.pdf“ o. J., https://www.dphv.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Kriterienliste_nachhilfestudios.pdf.

[18] Barbara Singer, „Wie Menschen in der Esoterik abgefangen werden“, Brisante Bücher und Artikel zu den Themen Psychologie und Spiritualität, https://autorinbarbarasinger.wordpress.com, (30. März 2013), https://autorinbarbarasinger.wordpress.com/2013/03/30/wie-menschen-in-der-esoterik-abgefangen-werden/.

[19] „Psychologische Beratungsangebote und -erfahrungen – Wege des Einstiegs in eine sogenannte Sekte und Wege des Ausstiegs“, Zeitschrift für Weltanschauungsfragen (Berlin: Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen, Februar 2017), http://www.ezw-berlin.de/downloads/Materialdienst_02_2017_6-14s.pdf.

[20] „Nur ein Geschäft – Esoterikbranche glaubt selbst nicht an ihr ‚Produkt‘“ (3sat, 29. Oktober 2013), http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/173041/index.html.

[21] Evelyn Finger und Detlef Pollack, „Die Renaissance der Unvernunft – Der Glaube an und für sich“, 13. Mai 2013, http://www.zeit.de/2013/21/esoterik-detlef-pollack.

[22] Psiram.com – Realismus als Chance, „Wer heilt hat recht“, 2016, https://www.psiram.com/de/index.php/Wer_heilt_hat_Recht.

[23] Anne Höhl, „Aroma-Dusche im Klassenzimmer“, Süddeutsche Zeitung, 24. September 2013, http://www.sueddeutsche.de/bildung/esoterik-in-der-schule-aroma-dusche-im-klassenzimmer-1.1477223.

[24] Sekten-Info Essen e.V., „Zum Thema Esoterik in der Beratungsarbeit“, Beratungsstelle, zugegriffen 5. Januar 2017, http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=71.

[25] Wikipedia, „Bert Hellinger“, zugegriffen 1. Mai 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger.

[26] Wikipedia, „Joseph Murphy“, 5. Januar 2017, https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Murphy.

Ist die Nicolay-Rechtschreib-Methode ein alternativer Weg, zur Bewältigung der LRS?

Seit es das Internet gibt, werden viele alternative Ansätze für die Überwindung der Legasthenie und LRS angeboten. Eine dieser Therapieansätze ist die Methode des Pädagogen Nicolay aus München.

In der langjährigen Arbeit mit Betroffenen sind uns schon viele ähnliche Ansätze begegnet, die schnelle Hilfe oder in unseriösen Fällen komplette „Heilung“ der LRS und Legasthenie versprechen. Wir überprüfen angebotene Methoden anhand der angewandten wissenschaftlichen Theorie, also inwiefern sie in der Legasthenieforschung belegt wurden.

Eltern erhalten von uns eine Beurteilung, ob eine Methode als Hilfsansatz empfohlen werden kann oder nicht. In diesem Beitrag wollen wir uns die NRM genauer ansehen. Wir wollen klären, ob die „Nicolay-Recht-Schreib-Methode“ ein alternativer Weg zur Bewältigung der Lese-Recht-Schreibschwierigkeiten bei Betroffenen sein könnte.

Theoretischer Hintergrund der NRM

Der Münchner Pädagoge und Familientherapeut Nicolay veröffentlichte das Buch: „Das Legasthenie-Märchen“, dort beschreibt er seine Methode für Eltern und Lehrer sowie interessierte Therapeuten im Fort- und Weiterbildungsbereich.

Die Nicolay-Rechtschreib-Methode verfügt über keinen wissenschaftlichen Ansatz, wie sich nach gründlicher Recherche herausstellte. Der NRM-Ansatz basiert auf keiner differenzierten LRS- oder Legasthenie-Diagnostik, wie sie in der Fachwelt üblich ist. Sie beruht dagegen auf einer Denk- und Lernstrategie. Wissenschaftlich bewiesene Ursachen aus der Legasthenieforschung (Medizin, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Linguistik) werden in seiner Theorie nicht berücksichtigt. Dies wäre das erste Argument, welches gegen eine Befürwortung dieses Ansatzes spricht.

Nicolay geht von falschen Denk- und Lernwegen bei Schülern mit LRS und Legasthenie aus. Seiner Ansicht nach müssten die Kinder nur den für sie geeigneten Denkstil (visuell „durch hinsehen“ oder auditiv „durch hinhören“) als Lernmethode trainieren und anwenden. Während der eine Schüler sich ein neues Wort vorsagt und den Klang wie auf einem Tonbandgerät abspeichert, begreift der andere das Wort als Bild und fotografiert es wie mit einer Kamera. Haben die Kinder den passenden Lernstil gefunden, könnten LRS-Betroffene schnell die LRS überwinden. Diese Lernmethode findet man in keinem Sachbuch, das sich mit pädagogischer Förderung beschäftigt. Das wäre damit ein zweites Gegenargument zu dieser Methode.

Laut Nicolay können LRS-Kinder in kurzer Zeit mit wenigen Therapiestunden ihre Schwäche überwinden und die Fehler in Diktaten reduzieren, indem die Kinder den für sie passenden Denkstil als Lernmethode für sich entdecken und anwenden. So eine Trainingsmethode ist ohne eine systematische Lese-Recht-Schreibförderung fraglich. In der Forschung gibt es einige Belege dafür, dass Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwächen eine zielgerichtete Förderung an den Fehlersymptomen benötigen, die sich an sprachwissenschaftlichen Förderkonzepten orientieren. Denn diese haben sich bisher als wirksam bei der Bewältigung einer LRS oder Legasthenie erwiesen. Was ein drittes Argument gegen die NRM als Lernmethode wäre. Die Wirksamkeit dieses Konzeptes ist umstritten.

Sollten Eltern diese Methode als schnelle Alternative nutzen?

Wir teilen die Einschätzung des Bundesverbandes Legasthenie, dass dieser Ansatz als Alternative für eine qualifizierte Förderung ungeeignet ist. Aus der Perspektive der Bildungs- und Sozialforschung ist dieser Ansatz nicht zu empfehlen.

Die NRM ist keine wissenschaftlich überprüfte Methode aus der Legasthenieforschung. Ihre Wirksamkeit bei LRS und Legasthenie ist fraglich. Eltern sollten Methoden mit einfachen Konzepten und schnellen Erfolgschancen immer hinterfragen.

Lese-Rechtschreib-Schwache Kinder benötigen keinen Lernstilwechsel, sondern systematische Förderung

Betroffene brauchen eine wissenschaftlich fundierte Förderdiagnostik mit anschließender Einzelförderung. Sie muss alle Stärken und Schwächen der Kinder berücksichtigen. Dazu gehört, neben einem systematischen pädagogischen Lese-Rechtschreibtraining, eine umfassende Förderung der ganzen Persönlichkeit, um möglichen Problemen im Sozialverhalten präventiv vorzubeugen. Dazu muss die Förderung von Legastheniespezialisten durchgeführt werden.

Nicht selten haben Eltern mit ihren Kindern einen Nachhilfe- und Therapiemarathon durch, da die Förderung nicht das brachte, was vom Anbieter versprochen wurde. Eltern sollten sich die Angebote genauer ansehen, bevor sie einer Lerntherapie oder Förderung zustimmen.

Nicht wenige Angebote im Bereich LRS und Legasthenie, die von kommerziellen Institutionen als Lerntherapie oder LRS-Nachhilfe angeboten werden, sind in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht bewiesen. Dazu gehört unserer Einschätzung nach auch die Nicolay-Rechtschreib-Methode.

Worauf Eltern bei der Anbieterauswahl achten sollten

Eltern sollten die Hilfsangebote sorgfältig aussuchen und abwägen.

Die Fachleute sollten über einen guten Ruf und langjährige Erfahrung verfügen. Sie sollten möglichst in der Forschung und Praxis arbeiten und selbst Betroffene sein. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit und Einbeziehung anderer Fachleute (Ärzte, Psychologen etc.). Manchmal ist es notwendig, dass andere Fachleute das Kind parallel zur Förderung unterstützen. Das ist besser für die gesamte Entwicklung des Kindes, falls es sekundäre Schwierigkeiten bzw. Auffälligkeiten im Verhalten oder psychosomatische Probleme zusätzlich zu den Lernproblemen gibt.

Die Bewältigung der Schwierigkeiten bei Kindern mit einer Legasthenie kann häufig langwierig sein. Eine Förderung dauert in der Regel 18 bis 24 Monate, in einigen Fällen kann sie auch länger dauern. Wenn Anbieter schnelle Lernfortschritte anpreisen, sind sie überwiegend nicht seriös.

Dazu sollten Eltern auf die Mitgliedschaften in Fach- und Berufsverbänden oder auf gemeinnützige Organisationen achten. Eltern sollten sich die „Leitlinien“ oder die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ der Einrichtungen genauer ansehen. Lange Vertragsbindungen sind nicht empfehlenswert, eine Beendigung der Förderung muss ohne Hürden sofort möglich sein. Lange Verträge deuten häufig auf wirtschaftliches Gewinnstreben der Anbieter hin.

Betroffene müssen im Mittelpunkt stehen!

Bei der Hilfe zur Bewältigung der Lernprobleme muss der Betroffene immer im Mittelpunkt stehen! Alles andere ist nicht seriös! Auf diese Standards sollten Eltern achten! So kann die Förderung für Betroffene mit LRS und Legasthenie langfristig gelingen.

Erstveröffentlichung 02.02.2016, überarbeitete Fassung vom 24.08.2016.