2 Min LesezeitDas lesende Gehirn: Wie der Mensch zum Lesen kam – und was es in unseren Köpfen bewirkt

Post vom 26.10.2009

Buchrezension – Die amerikanische Neurowissenschaftlerin und Legasthenieforscherin Maryanne Wolf sagt: „Wir sind nicht zum Lesen geboren“. Denn: „Es gibt keine Gene, die je die Entwicklung des Lesens befohlen hätten. Der Mensch erfand das Lesen erst vor wenigen Tausend Jahren. Und mit dieser Erfindung veränderten wir unmittelbar die Organisation unseres Gehirn, was uns wiederum zuvor ungekannte Denkweisen eröffnete und damit die geistige Evolution unserer Art in neue Bahnen lenkte.“ „Das lesende Gehirn“ erkundet nicht nur die wundersame Fähigkeit unseres Gehirns, das auf äußere Veränderungen immer wieder als „offene Architektur“, anzupassen vermag. Wolf ist es gelungen, sehr anschaulich die Entstehung unserer Schriftsprache, die hochkomplexen Verarbeitungsmechanismen unseres Gehirns darzustellen, ebenfalls gut erklärt werden Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten wie die Legasthenie und deren Zusammenhänge.

Mit wissenschaftlich fundierten Aussagen treffen, wie wichtig es ist, diese Menschen mit Ihren Fähigkeiten und Potenzialen individuell zu fördern. Spezifische Potenziale, die häufig bei legasthenen Menschen anzutreffen sind, werden erläutert und in den Zusammenhang gestellt. Wolf besticht mit Ihrer schriftstellerischen Fähigkeit diese sehr komplexen Zusammenhänge plastisch und logisch darzustellen. Dieses Buch ist nicht nur ein kleines Meisterwerk der populärwissenschaftlichen Literatur, nein es ist ein allumfassendes Fachbuch für eine sehr breite Leseschaft über die wissenschaftlichen Disziplinen hinweg, die sich mit dem Lesen und Schreiben und der Überwindung der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten beschäftigten.

Dieses Buch ist ein Bestseller der gegenwärtigen Legasthenieforschung. Das Buch bringt viel Gesprächsstoff in den Bereich der Leseförderung, was Fachleute ermuntern sollte, vielleicht pragmatischer und mit frischen Gedanken sich der Thematik zu widmen. Es wäre nur zu wünschen, dass dieses Sachbuch eine neue Denkweise den Lesern eröffnen
würde. Denn Lesen zu können ist ein Glück der Menschheitsgeschichte – besonders für legasthene Menschen. Wolf gibt uns damit ein Handbuch zur Förderung der Lesefertigkeiten an die Hand, die es schon im Kindergarten, in den Schulen aber auch in der neuen Wissensgesellschaft zu unterstützen gilt, besonders in Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung unserer Sprach- und Lesekultur. In einer Textpassage sagt die Autorin es ganz treffend: „Gedruckte Wörter sind wertvoll. In unseren weltweiten Bemühungen um sprachliche Bildung müssen wir das auf Papier geschriebene Wort bewahren und die nächste Generation mit multiplen Lesefertigkeiten ausstatten“.
Maryanne Wolf leitet das Center for Reading and Language Resarch an der Tufts University.

Sie ist Professorin für frühkindliche Entwicklung arbeitet auf dem Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften mit dem Forschungsschwerpunkt Dyslexie (Legasthenie) und ist eine international angesehene Expertin für die Zusammenhänge zwischen Lesen und Gehirn.

Das lesende Gehirn

Wolf, Maryanne
2009, 349 Seiten, 29 Abb., gebundene
ISBN: 978-3-8274-2122-7, € 14,95
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