Die Stärken legasthener Kinder erkennen und fördern

Kinder mit einer Legasthenie sollten nicht nur über ihre spezifischen, anlagebedingten Schwächen im Schriftspracherwerb definiert werden. Vielmehr müssen die Stärken dieser Kinder bereits in den ersten Grundschuljahren erkannt und entsprechend gefördert werden. Dies kann eine wichtige Prävention vor seelischen Folgeerkrankungen sein.

Im deutschsprachigen Raum orientiert sich die Fachwelt meistens an den Defiziten der legasthenen Kinder. Dabei werden ihre individuellen Stärken oftmals in den Hintergrund gedrängt. Eltern können hier einen positiven Einfluss nehmen, wenn sie die Kinder nicht mit ihrer eigenen schulischen und beruflichen Biografie vergleichen. Auch wenn Kinder gute Lernfähigkeiten geerbt haben, sind sie trotzdem von Geburt an eigenständige Persönlichkeiten, die es zu fördern und zu begleiten gilt.

Eltern, die sich einer Legasthenie in ihrer eigenen Biografie bewusst sind, können oft mit Verständnis und Einfühlungsvermögen auf ihre Kinder eingehen. Dabei spielt die Biografie der Betroffenen eine wichtige Rolle, denn legasthene Eltern sind unterschiedlich mit ihrer Situation umgegangen. Einige konnten ihre Legasthenie erfolgreich kompensieren, während andere ihre Schwierigkeiten nie bewältigt haben. Das spiegelt sich auch in der Erziehung der eigenen Kinder wider.

Wenn Lernprobleme bei Kindern erkannt werden, ist eine individuelle und wissenschaftlich fundierte Feststellung der Legasthenie sehr wichtig. Dann besteht eine reelle Chance, dass legasthene Kinder ihre Schwierigkeiten gut bewältigen. Dies sollte bereits während der Grundschulzeit geschehen. Je früher die Probleme erkannt und bewältigt werden, desto mehr vermeidet man seelische Lasten bei den Kindern. Hierbei spielt ein stabiles familiäres und schulisches Umfeld eine entscheidende Rolle, welches die vorhandenen Stärken der Kinder fördert. Das können zum Beispiel verschiedene sportliche Aktivitäten, die Kinder-Uni für naturwissenschaftlich begabte Kinder, eine musikalische Erziehung oder kreative AGs sein. Legasthene Kinder sind oft in vielerlei Hinsicht begabt. Das gilt es in den Mittelpunkt zu stellen und zu fördern. Dann wachsen diese Kinder zu seelisch gesunden Persönlichkeiten heran.

Werden die Probleme dagegen nicht erkannt oder gar ignoriert, können emotionale Schwierigkeiten bei den Kindern die Folge sein. Diese Schwierigkeiten können dann ihr Selbstbild und ihre Lernmotivation beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern die Lernprobleme ihrer Kinder nicht vernachlässigen oder ignorieren. Eine unerkannte Legasthenie kann sich bis weit ins Erwachsenenalter hinein ungünstig auf die psychische Gesundheit der Betroffenen auswirken.

Unser Fazit ist: Eine frühe Feststellung der Legasthenie und die Förderung der Kinder mittels einer individuellen Lerntherapie wirken sich günstig auf die Entwicklung ihrer vorhandenen Begabungen und Ressourcen aus.

 

Rezension: Ratgeber Rechtschreibprobleme (LRS/Legasthenie)

Rezension: Ratgeber Rechtschreibprobleme (LRS/Legasthenie)

Heute wollen wir das Buch „Ratgeber Rechtschreibprobleme (LRS/Legasthenie)“ von Dorothea und Günther Thomè besprechen. Dieser Ratgeber erschien im Verlag des isb – Institut für sprachliche Bildung Oldenburg als 2., verbesserte Auflage von 2021.

Dieser Ratgeber legt seinen Fokus auf Erfahrungsberichte von Betroffenen. Er zeigt auf, wie sie und ihre Familien die Rechtschreibprobleme erleben. Außerdem werden Auswege zur Bewältigung der Probleme in der Orthografie praxisnah erklärt.

Es ist ein sehr gelungener Ratgeber, der die Rechtschreibprobleme vielschichtig und für den Laien gut verständlich erklärt.

Im ersten Kapitel gibt es eine kurze und verständliche Einführung in das Thema. Dann geht man auf die Ursachen und die Dimensionen der Lese-Rechtschreib-Probleme ein. Die Darstellung entspricht dabei dem heutigen Stand der pädagogischen und sprachwissenschaftlichen Forschung. Diese Erklärung reicht für den Laien aus, um sich mögliche Ursachen und Zusammenhänge von LRS und Legasthenie vorstellen zu können.

Ein weiteres sehr ansprechendes Kapitel „Von Pontius zu Pilatus“ beinhaltet Berichte von betroffenen Familien, denen verschiedene Therapien wenig gebracht haben. Dabei wird auch auf absurde, unnütze und wirkungslose Therapien eingegangen. Diese sehr authentischen Berichte verdeutlichen, auf welche Probleme Eltern und ihre Kinder mit LRS bzw. Legasthenie stoßen können. Diese Erfahrungsberichte spiegeln unseren Praxisalltag gut wider, denn wir kennen viele ähnliche Berichte.

Im nächsten Kapitel „Harte und schöne Texte“ werden Texte von Betroffenen zitiert. Einige davon klingen ziemlich hart, sind aber sehr authentisch. Sie offenbaren in sehr berührender Weise das Gefühlsleben der Betroffenen. Die schönen Texte hinterlassen ein Schmunzeln, die Anekdoten erinnern uns an unsere Arbeit.

Im Kapitel „Rat und Tat“ geben die Autoren einige wertvolle Ratschläge, wie Eltern ihre betroffenen Kinder unterstützen können. Sie beschreiben ungünstige Einflüsse auf das Lernen, die man als schädliche Umweltfaktoren (falscher Lernstoff, Ähnlichkeitshemmung, Druck und Stress etc.) umschreiben kann. Dann wird ein besserer Umgang mit dem Geschriebenen im häuslichen Umfeld angesprochen und gezeigt, wie Eltern auf die Lernschwierigkeiten ihrer Kinder eingehen können.

Im Anhang finden sich einige Kopiervorlagen zu Übungswörtern, ein Literaturverzeichnis und ein Register.

Fazit:

Der „Ratgeber Rechtschreibprobleme (LRS/Legasthenie)“ von Dorothea und Günther Thomè ist unserer Einschätzung nach der bisher gelungenste Ratgeber im deutschsprachigen Raum. Er zeigt die Probleme und Herausforderungen auf, vor denen die betroffenen Familien stehen. Die Kritik an der Lehrerausbildung ist völlig berechtigt. Auch erfahrene Fachleute wie Lehrer und Therapeuten werden in diesem Ratgeber fündig. Leider fehlt uns ein Hinweis auf den Deutschen Dachverband Legasthenie e. V. als Vertretung der Interessen für Familien und Betroffene, denn nicht nur der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. ist für die Betroffenen da. Kurz und knapp gesagt: Man findet in diesem Ratgeber alles, was Rat und Hilfe bieten kann.

Infos zum Buch:

Dorothea Thomé; Günther Thomé

Ratgeber Rechtschreibprobleme (LRS/Legasthenie)

Erfahrungsberichte — Perspektiven — Auswege.
132 S., DIN A5, ab 17. Juli 2021, komplette Ökoproduktion, 2., verbesserte Auflage 2021, jedem Buch liegt nun eine Empfehlungsliste über gute Fördereinrichtungen, die z. T. nach unserem Basiskonzept und/oder mit OLFA arbeiten, bei.

14,80 €, ISBN 978-3-94212201-6

Das Buch kann hier bestellt werden: https://www.isb-oldenburg.de/

 

 

 

Coaching Ratgeber: Übersteigerte Leistungsbereitschaft fördert Krisen

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/autopoiet/

Ursachen, in eine Krise zu geraten, kann es im Leben viele geben! Aber wie kommt man wieder aus dieser heraus? Besonders, wenn man sich damit überfordert und daran leidet.

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die einem helfen können. Das Wichtigste ist, ein Auffangbecken und liebe Menschen zu haben, die einen in diesen Phasen auffangen und mittragen können. Sicherlich können ein Psychologe oder ein Seelsorger eine gute Hilfe sein. Wichtig ist es, dass man in dieser Zeit nicht mit seinen Problemen alleine bleibt, da eine solche Situation auch länger anhalten kann.

Hat man eine gewisse Zeit verstreichen lassen, wird man aus dieser Krise neue Kraft schöpfen können. Manchmal können problematische Situationen ungeahnte Kräfte freisetzen und neue Potenziale zur Entfaltung bringen, mit denen man niemals im Leben gerechnet hätte.

Krisen zeigen häufig unsere Schwächen auf. denn man kann die Fassade, die man aufgesetzt hat, vielleicht um immer zu funktionieren oder anderen zu gefallen, nicht mehr aufrechterhalten. Es ist oft eine regelrechte Kraftanstrengung, sich der Masse anzupassen. Besonders in unserer häufig übertriebenen Leistungsgesellschaft, die nur auf Erfolg programmiert ist. Das sind wahrscheinlich die häufigsten Auslöser für Krisen im Leben eines Erwachsenen Legasthenikers.

Aus Lebensgeschichten ist uns bekannt, dass ein latentes Minderwertigkeitsproblem eine Rolle dabei spielen kann, uns zu übertriebener Leistungsbereitschaft zu motivieren, welche uns aber am Ende eher schadet – denn das hält ein Mensch nur eine gewisse Zeit durch, ohne auszubrennen. Sicherlich sind Erfolg und eine gesunde Leistungsbereitschaft etwas Positives, dennoch muss es da auch vernünftige Grenzen geben, um sich nicht damit zu schaden. Leute, die im Leben häufig gescheitert sind, haben die Neigung, es allen beweisen zu wollen, weil sie eine übersteigerte Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe haben. Auch der bekannte Legastheniker Jackie Stewart konnte sich nie wirklich an seinen Siegen als Rennfahrer freuen. Es gibt dahingehend noch andere Beobachtungen und Erfahrungen aus der Praxis, die Ähnliches vermuten lassen – dass nämlich diese Menschen häufig an die äußersten Grenzen ihrer eigenen Kräfte gehen. Dieser Wille und Kampfgeist (Resilienz) ist durchaus auch etwas Gutes. Vermutlich wurden in solchen, gebrochenen Lebensläufen Grundlagen gelegt, die auch Probleme im Sozialverhalten fördern und somit zu Krisen führen könnten.

Daher ist so eine Krise eine Chance, vielleicht auch seine eigenen Schwächen so anzunehmen wie sie nun mal sind, dann kann man auch lernen, freier zu leben. So gewimmt man mehr Freude am Leben, sieht neue Chancen und neue Prioritäten.

Gerade in der bald anbrechenden Adventszeit, die eigentlich einen tief religiösen Hintergrund hat, kann man sein Leben beispielsweise reflektieren. Dies kann helfen, solche Krisen abzumindern. Denn es ist sehr hilfreich, durch innere Einkehr eine Balance zu finden. So kann man sicher wieder zu mehr Lebensqualität finden.

Ein paar Tipps für die innere Balance:

  • Freunde treffen, die einem guttun
  • neue Hobbys und Interessen entdecken
  • lerne, zu deinen Schwächen zu stehen
  • suche Dir einen Psychologen oder Seelsorger, der dabei hilft, Verhaltensweisen zu ändern
  • führe Tagebuch, um deine Gefühle loszuwerden (schriftlich oder als Sprechnotiz)

 

Ratgeber: Hilfe mein Kind hat Legasthenie! Oder gar LRS? Eltern sind meistens mit einer Diagnose ihrer Kinder überfordert

Erstveröffentlichung vom 29.09.2011

Die meisten Eltern sind mit einer Diagnose einer LRS oder Legasthenie total überfordert. Als betroffener Experte kritisiere ich schon seit vielen Jahren die Pauschalisierung der verschiedenen Ursachen und Auswirkungen der verschiedenen Lese-Recht-Schreibschwächen.

Bis heute ist die Fachwelt sich uneinig in der Unterscheidung dieser sehr komplexen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Mit den Rechenschwächen ist es dasselbe. Suchen dann Eltern richtige Hilfe, läuft es überwiegend schief. Da eben alle Probleme vermengt werden.

Ich möchte hier an dieser Stelle einmal unsere Lage, anhand eines Bildes verdeutlichen:

Wie Sie sicherlich wissen gibt es verschiedene Obstsorten, sie sind zwar alles Obstsorten. Aber es gibt Bannen, Äpfel, Pflaumen, Kiwis und viele mehr. Ja, es sind alles Obstorten! Trotzdem sind sie nicht alles dasselbe. Sie sind grundsätzlich anders im Ausehen, in der Form, im Geschmack, sie riechen anders etc. So verhält es sich auch bildhaft verdeutlicht mit den verschiedenen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, Rechnen. Darum ist es sogar fahrlässig, wenn man alle pauschalisiert. Man muss sie strikt unterscheiden.

Deswegen sind die meisten Hilfsangebote sehr schwammig und undifferenziert, das betrifft auch die LRS-Förderung oder LRS-Klassen an der Schule mit eingeschlossener Testung. Eltern bemerken natürlich, was für Durcheinander in der Fachwelt herrscht, da die Kinder, die es betrifft, keine Klarheit und umfassende Förderung erhalten.

Meine persönlichen Erfahrungen als Legastheniker sind sehr ähnlich, darum verstehe ich es, wie oft die Eltern verzweifelt nach der richtigen Hilfe suchen. Ohne Differenzierung in der Diagnose und Förderung beginnt für die meisten Kinder mit ihren Familien ein Teufelskreis, der sich nicht gut auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Kinder erleben aufgrund dieser unklaren Lage meistens große Verunsicherung, langfristig wirkt sich diese Situation negativ auf die seelische Entwicklung auswirken. Für die meisten Kinder wird die Schulzeit zu einem negativen Erlebnis, die sie für das ganze Leben prägen wird.

Als Folge entwickeln diese Kinder ein negatives Selbstbild. Nicht selten kommt es dann auch zu Erziehungsproblemen oder gar zu Verhaltensstörungen. Würde man aber diese Ursachen richtig unterscheiden, könnte man die Probleme sehr oft schon in der Grundschulzeit vermeiden. Je, früher, umso besser kann man diesen Problemen auch vorbeugen.