5 Min LesezeitEltern-Ratgeber: Dyskalkulie bei Grundschülern richtig erkennen!

Spezielle Rechenschwächen (Dyskalkulie), die nichts mit einer Lernbehinderung zu tun haben sind bei Grundschülern nicht selten anzutreffen. Häufig gibt es, wie bei der Legasthenie enge Zusammenhänge und auch Kombinationen. Laut verschiedener Studien haben rund 40-60 Prozent der Kinder in der Grundschule, die Lese- und Rechtschreibprobleme aufweisen, Schwierigkeiten mit Mathematik. Daher ist es nicht unwahrscheinlich das Kinder mit Rechenschwächen (Dyskalkulie) auch eine Legasthenie haben.

Wir kennen diese Probleme aus dem persönlichen Erleben und unserer Familiengeschichte, dass es familiäre Anlagen geben muss, die Probleme beim Lernen der einfachsten Grundrechenarten und dem Schriftspracherwerb bereiten müssen. Die Forschung ist im Bereiche Legasthenie schon wesentlich weiter. Hier ist uns schon länger bekannt, dass familiäre Anlagen diese Schwierigkeiten begünstigen müssen. Diese liegen an der Verarbeitung der Einzelnen Teilleistungen (auditiv und visuelle Bereiche) die im Sprachzentrum im linken Schläfenlappen verarbeitet werden müssen. Darum bezeichnet die Forschung, diese als Teilleistungsstörung. Bei der Dyskalkulie ist in den letzten Jahre bekannt geworden das es zum einem an der visuell-räumlichen Verarbeitung im in der linken Hemisphäre Probleme im der simultanen (gleichzeitiges) Erfassung von Mengen liegen soll. Die Mengenerfassung muss auch im Sprachzentrum als Arabische Ziffern umgesetzt werden. Da die Verarbeitung der Schriftsprache und die Umsetzung von Mengen vermutlich in den gleichen Hirnzentren verarbeitet werden müssen, kann es bei Kindern zu beiden Lernschwächen Legasthenie/Dyskalkulie kommen. Nach unserer Sicht kann man eine Dyskalkulie nicht unabhängig von einer Legasthenie diagnostizieren. Denn viele Kinder mit Dyskalkulien weißen auch Probleme mit dem Lesefluss und der Lesegenauigkeit, Rechtschreibung auf. Obwohl die Kinder von der Grundintelligenz durchschnittlich normal entwickelt sind. Nach unserer bisherigen Beobachtung wird uns deutlich, dass die beiden Schwächen häufiger auftreten. Uns sind ganze Familien bis in die Dritte Generation bekannt, die vom Opa bis zum Enkel kombinierte Schwächen Legasthenie/Dyskalkulie aufweisen. Wir haben eine Familie, die wir  in diesem Jahr mit einer wissenschaftlichen Stichprobe beobachten werden.

Vor 30 Jahren kamen ähnliche Fälle meistens auf eine Sonderschule für Lernbehinderte. Heute sind die Beobachtungen sehr unterschiedlich. Es kann Kindern noch heute passieren, auf einer Förderschule zu landen. Hier spielt heutzutage vermutlich der soziale Status  der Herkunftsfamilie eine wesentliche Rolle, um auf eine Förderschule zu geraten. Trotzdem haben es Kinder an Regelschulen in Dresden und Sachsen schwer, besonders wenn es sich, um kombinierte Schwächen handelt.

Dann haben wir im Bildungswesen ein weiteres Problem. Lese- Rechtschreibschwächen werden heutige wesentlich häufiger anerkannt und bei der Benotung berücksichtig. Es mag da zwar noch viele Probleme geben. Aber Kinder mit einer insolierten Legasthenien haben es in der Schulzeit häufiger leichter, weil sie auf die Kompetenzen in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Bereichen, zurückgreifen können. Hier werden Kinder mit speziellen Rechenschwächen Probleme haben. Was dann zu einer doppelten Belastung werden kann.

Wenn Kinder in der Grundschulzeit längere Probleme mit dem Erlernen der Grundrechenarten haben und sich allgemein mit Mathematik in der Grundschule schwertun, kann es ein Hinweis sein, auf eine mögliche Kombinierte Schwäche sein. Hier muss, wie bei einer Legasthenie die ganze Entwicklung des Kindes angesehen werden. Denn es gibt auch Entwicklungsprobleme in der geistigen oder neurologischen Entwicklung bei Kindern (Hirnorganische Erkrankungen, wie Epilepsie) die Ursachen für Lernprobleme und Lernbehinderungen sein können. Diese haben nichts mit einer Dyskalkulie zu tun! Sondern es sind erworbene Handicaps. Leider werden diese in der Fachwelt manchmal mit den erklärten Lernschwächen verwechselt oder gar gleichgesetzt. Hier hat die Forschung noch sehr viel Arbeit vor sich, um das diese besser differenziert werden. Auch Rechenschwächen sind häufiger im Bildungswesen, wie wir es bei der LRS kennen, sehr grob und Allgemein gefasst. Es handelt sich hier, um sehr komplexe Lernschwächen!

Die uns bekannten Fälle sind alle von der Grundintelligenz im Normalbereich. Einige von denen sind auf einigen anderen Gebieten auch mit Kombinierten Schwächen, recht begabt. Denn diese Kinder fallen meistens mit ihrer guten Auffassungsgabe, Kreativität und Empathie auf. Ihnen fallen meistens in der Grundschulzeit die einfachsten Grundrechenarten schwer. Obwohl sie im Alltag auf das Umfeld, völlig normal auf einen wirken. Leider können Schulen mit diesen komplexen Lernproblemen selten umgehen.

Unser Rat:

Eltern sollten sich Rat suchen, wenn Kinder anhaltende Probleme mit dem Rechnen haben. Besonders in den ersten Grundschuljahren kann man Rechenprobleme mit anerkannten wissenschaftlichen Verfahren genau erkennen. Hier werden in der Regel die grundlegenden Rechenprobleme ermittelt, die in der pädagogischen und psychologischen Forschung bei Rechenschwächen bekannt sind. Diese können auf die Alters- und Klassennorm ermittelt werden. Zusätzlich müssen auch die Lese- und Rechtschreibleistungen mit wissenschaftlichen Testverfahren getestet werden. Leider fehlt Schulen sehr häufig das Verständnis, dass Kinder von Legasthenie/Dyskalkulie gleichermaßen betroffen sein können. Deswegen tun sich Schulen auch mit der Akzeptanz schwer, das gleichzeitig bei normalentwickelten Kindern diese Lernschwäche auftreten kann. Kinder fallen häufig aus dem staatlichen Förderkriterium, wenn Kinder beide haben. Es kann auch ein Ausschlusskriterium für eine LRS-Klasse bedeuten, weil diese Kinder nicht mitberücksichtig werden. Eltern sollten darauf achten, dass Spezialisten sich nicht nur mit Dyskalkulie (Rechenschwächen) auskennen, sondern die Fachleute müssen sich auf beiden Gebieten Legasthenie/Dyskalkulie gleichermaßen auskennen. Ein Kriterium ist, das wissenschaftliche Testverfahren bei der Diagnostik angewendet werden, um gesicherte Aussagen zu treffen. Hier reicht es nicht mit dem Kind zu einem Nachhilfelehrer zu gehen der Nachhilfe in Mathematik anbietet.