Erwachsene Legastheniker haben oftmals spezielles Fachwissen

Erwachsene Legastheniker haben oftmals spezielles FachwissenManche Erwachsene mit einer Legasthenie verfügen über ein hohes Domänenwissen, d.h. sie zeichnen sich durch besonders gute Kenntnisse und Fertigkeiten auf ihrem Fachgebiet aus. Deshalb können sie auch zur intellektuellen Elite ihres Fachbereichs gehören. Das ist vielleicht nicht die Mehrheit der betroffenen Erwachsenen, aber in unserer praktischen Arbeit sind uns einige begegnet.

Eine ganze Reihe der Betroffenen verfügt über eine Intelligenz im oberen Durchschnittsbereich. Deshalb können diese Legastheniker ungeachtet ihrer Schwächen in der Schriftsprache gute Fähigkeiten auf anderen Gebieten entwickeln, sofern sie ihre Schwierigkeiten im Kindes- und Jugendalter kompensiert haben. Legastheniker, die ihre seelischen Komplexe der Kindheit bzw. negativen schulischen Erfahrungen nicht aufgearbeitet haben, sind selten in der Lage ihr Leben gut zu meistern. Nur eine Aufarbeitung und Bewältigung (Kompensation) der Legasthenie bietet gute Chancen sich auf ihrem Fachgebiet erfolgreich zu spezialisieren.

Manche Betroffene entwickeln ein Interesse an Spezialthemen, denn abstraktes und vielschichtiges Denken fällt legasthenen Menschen oft nicht schwer. Sie müssen deshalb nicht automatisch hochbegabte Genies sein, aber es gibt auch diese. Legastheniker können Spezialisten auf unterschiedlichen Fachgebieten sein, wie zum Beispiel begabte Handwerker oder promovierte Chemiker. Die Betroffenen haben natürlich verschiedene individuelle Begabungen. Außerdem werden sie durch ihre soziale Herkunft und die erlebte soziale Umwelt in Familie und Schule unterschiedlich unterstützt. Positive Umweltfaktoren sind ein wichtiger Punkt für eine optimale Entwicklung der Betroffenen, da sie einen wichtiger Schutzfaktor gegenüber sekundären seelischen Erkrankungen darstellen. Denn eine Legasthenie bedeutet nicht automatisch eine psychische Behinderung oder Krankheit.

Wenn Legastheniker frühzeitig eine umfassende Unterstützung erhalten, müssen sie im Erwachsenenalter nicht mehr so viel Kraft für die Kompensation der Legasthenie aufwenden. Sie haben damit mehr Freiräume, um sich auf Gebieten zu spezialisieren, in denen ihre Stärken liegen. Damit können sie sich entsprechend ihrer Fähigkeiten und Begabungen entfalten. So bestehen gute Chancen, dass sie vielfältiges Wissen auf ihrem Fachgebiet erwerben und im beruflichen Kontext anwenden können. Diese Fähigkeiten werden in der Wissensgesellschaft unserer Zeit immer wichtiger. Das bietet vielen Betroffenen eine gute berufliche Perspektive. Es stärkt ihre Identität und hilft zusätzlich bei der Bewältigung der Legasthenie.

Wie kann man Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwächen vor seelischen Schäden schützen?

Im November 2020 haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, wie man im Erwachsenenalter seelische Wunden der Kindheit aufarbeiten kann. Nun wollen wir der Frage nachgehen, wie sich präventiv vermeiden lässt, dass Kinder mit einer Legasthenie oder LRS zu seelisch verletzten Erwachsenen werden.

Eine Legasthenie kann eine seelische Störung begünstigen. Das wissen wir aus unserer täglichen Arbeit mit Grundschülern bis hin zum Erwachsenenalter. Es liegt nicht nur an der sozialen Herkunft der Betroffenen, sondern vor allem an ihrer Familiensituation. Positive Umweltfaktoren im Familiengefüge können bei legasthenen Kindern zu einem günstigen Verlauf der Bewältigung ihrer Lese-Rechtschreib-Schwäche führen. Dagegen begünstigen negative Faktoren in den Familien mögliche seelische Schäden („Verwundungen der Seele“). Der vom BVL (Bundesverband Legasthenie) vertretenen Definition der Legasthenie als einer psychischen Störung können wir nicht zustimmen, denn sie ist nicht wissenschaftlich belegt. Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche führt nicht automatisch zu seelischen Sekundärerkrankungen. Aber die Lebens- und Lernumwelt kann dazu beitragen, dass Betroffene psychische Probleme bekommen, wenn sie keine frühzeitige Hilfe im Kindesalter erhalten. Diese Hilfe sollte eine frühe Diagnostik und eine individuelle Legasthenie-Therapie beinhalten. Dann bestehen im Regelfall gute Chancen, seelische Verwundungen zu verhindern. Diese Kinder können dabei eine bessere psycho-emotionale Regulierung erlernen, um in ihrem Alltag besser mit Widerständen zurecht zu kommen. Genauer gesagt bedeutet das: Kinder benötigen eine frühe Förderung der Resilienz, um mögliche Verwundungen durch die Umwelt abzuwehren. Diese können sich als Abwertung durch die Lehrer oder auch durch die Eltern äußern, die diese Schwierigkeiten nicht nachvollziehen können.

Diese negativen Faktoren können den Erwerb einer LRS begünstigen bzw. den Verlauf einer veranlagten Legasthenie stark beeinflussen. Hat das etwas mit dem Status als bildungsfern oder bildungsnah zu tun? Sicher ist: Sozial benachteiligte Betroffene werden häufiger auch durch andere Stressoren beeinflusst, die sich auf die seelische Entwicklung der Kinder auswirken können. Das hat auch Auswirkungen auf die schriftsprachliche Entwicklung – dieser Fakt ist in der Fachwelt unumstritten. Nicht alle Lernschwierigkeiten haben ihre Ursache in einer familiären Häufung, sondern sie stehen zum Teil auch im Zusammenhang mit einer ungünstigen bzw. in manchen Fällen desolaten familiären Situation. Heute wachsen rund 20 bis 30 Prozent der Kinder in schwierigen Familienverhältnissen auf. Dieser Aspekt ist als Erwerbsfaktor für Lernschwächen wie LRS und andere Störungen im Sozialverhalten wie ADS und ADHS als nicht gering anzusehen.

Es gibt nicht wenige Kinder, die neben ihren Lernschwierigkeiten trotz normaler oder zum Teil hoher Intelligenz auch noch seelische Verwundungen erleben. Dabei kann die soziale Benachteiligung eine wichtige Rolle spielen, denn die Bildungschancen sind in Deutschland ungleich verteilt.

Lernschwächen beim Lesen und Schreiben sind auch ein soziales Thema, das immer wieder bildungspolitisch erwähnt wird, aber leider keine wirkliche Relevanz hat. Mit Sicherheit geht man heute im Rahmen der Inklusionsdebatte toleranter damit um, die Betroffenen werden seltener als „Lernbehinderte“ bezeichnet. Aber wir sind in der Bildungspolitik und Fachwelt weit davon entfernt, die betroffenen Kinder präventiv vor seelischen Schäden zu schützen. In der öffentlichen Wahrnehmung sieht man diese Lernschwächen meistens als Krankheit oder psychische Störung an. Auch die Selbsthilfeverbände haben bisher in der Öffentlichkeit nur ein undeutliches Bild über die Legasthenie vermittelt.

Wie schon erwähnt ist es viel wichtiger, die Kinder trotz ihrer Lernprobleme vor seelischen Schäden zu bewahren. Dieses idealistische Ziel kann kein Gemeinwesen stemmen. Hierfür braucht es viele Initiativen aus der Zivilgesellschaft. Es gibt schon einige Maßnahmen in Kindergärten und Schulen, die beim Thema Förderung einer gesunden seelischen Stabilität ansetzen. Das reicht aber noch nicht aus.

Man sollte auch bei der Erziehung der Kinder in den Familien ansetzen. Eltern sollten ihre Kinder auch bei Lernproblemen so annehmen wie sie sind und sie damit unterstützen. Bei stabilen Familienverhältnissen können die Kinder auch seelisch stabil heranwachsen und die Lernschwächen leichter bewältigt werden.

In den heutigen Industriegesellschaften gibt es viele soziale Probleme. Das sieht man oftmals auch bei Kindern mit LRS. Auch bei Legasthenikern existieren diese Umweltfaktoren. Bei ihnen überwiegt aber der Fakt, dass diese spezielle Lese-Rechtschreib-Schwäche als Veranlagung gehäufter in den Familien auftritt. Es gibt vielfältige Ursachen, weshalb Kinder mit LRS oder Legasthenie keine Förderung in ihrer Kindheit erhalten. Das liegt zum Teil auch an den schwierigen Rahmenbedingungen im Bildungswesen.

Praktische Hinweise

Uns sind wichtige Punkte aufgefallen, wie man Kinder mit einer Legasthenie oder LRS vor seelischen Schäden bewahren kann:

  • Bedingungslose Annahme des Kindes – trotz seiner Lernprobleme ist es wertvoll und gewollt.
  • Bieten Sie dem Kind Geborgenheit und Zuwendung.
  • Zeigen Sie Einfühlungsvermögen gegenüber dem Kind.
  • Besprechen Sie Schulprobleme und Ängste offensiv und klar.
  • Vermeiden Sie, dass Sie Ihr Kind wegen der Probleme abwerten: Du taugst nichts! Du wirst es nie im Leben zu etwas bringen! Du bist dumm… Solche Aussagen sollten Sie unbedingt vermeiden – weil es dem Kind schadet eine gesunde Identität zu entwickeln.
  • Wenn Sie über einen längeren Zeitraum psycho-somatische Probleme wie Einnässen, Schulverweigerung, Wutausbrüche und Ängste bei Ihrem Kind beobachten, dann lassen Sie sich von Fachleuten (Lehrer, Psychologen, Kinderärzte) beraten. Nehmen Sie diese Probleme ernst und lassen Sie sich dabei helfen!
  • Wenn Sie Probleme bei der Erziehung bemerken, suchen Sie eine Beratungsstelle auf.
  • Sind Sie als Elternteil von einer Legasthenie betroffen, sollten Sie ihre Biografie aufarbeiten und die Lernprobleme kompensieren. So können Sie die Schwierigkeiten des Kindes besser nachvollziehen und dem Kind eine gute Stütze sein.

Beherzigen Familien diese Ratschläge, können sie selbst positiv auf die seelische Entwicklung der Kinder einwirken. Bestehen die Probleme weiter, sollten sich die Eltern fachlichen Rat bei Spezialisten suchen. Ein Weg dabei ist eine spezielle lerntherapeutische Einzelförderung, deren Ziele die Förderung einer gesunden psychischen Stabilität und die therapeutische Bewältigung der Probleme beim Lesen und Schreiben sind.

Auf diese Weise kann man den Kindern helfen, frühe Wunden präventiv zu vermeiden oder diese aufzuarbeiten.

 

Eltern-Ratgeber: Kinder mit Legasthenie benötigen eine gute Resilienz

Amelie1

Filmausschnitt: Die fabelhafte Welt der Amelie

Manche Menschen scheint nichts umzuwerfen. Wie ein Stehaufmännchen meistern sie schwere Zeiten und Herausforderungen mit einer scheinbaren Leichtigkeit. Diese innere Kraft wird als Resilienz bezeichnet – jedes Kind kann Resilienz lernen.

In dem Film „die fabelhafte Welt der Amelie“ erhält das Mädchen Amelie in ihrer Familie nur wenig Zuwendung und von ihrem Vater keinen körperlichen Kontakt in Form von Umarmungen oder Liebkosungen. Die einzigen Berührungen für das Kind kommen bei den regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen zustande. Dabei schlägt Amelies Herz dann immer wie wild und ihr Vater diagnostiziert fälschlicherweise einen Herzfehler bei ihr. Deshalb lässt man sie nicht auf eine öffentliche Schule gehen; sie wird von ihrer Mutter unterrichtet und hat keinerlei Kontakt zu anderen Kindern. Als Ersatz dafür erfindet sie sich eine eigene Phantasiewelt, in die sie sich mehr und mehr zurückzieht. Auch als Erwachsene in ihrem tristen Alltag als Kellnerin, findet sie Freude an den kleinen Dingen des Lebens, wie z. B. Steinchen über den Canal Saint-Martin springen zu lassen, Leute im Kino zu beobachten oder die Kruste von Crème brûlée mit dem Löffel zu knacken. Wie Amelie leben auch Kinder oft in ihrer eigenen Welt, haben imaginäre Freunde und erfreuen sich an den kleinsten Dingen. Erwachsene machen sich meist sorgen über diese Dinge: Sie erscheinen für sie als realitätsfern und nicht normal. Diese Dinge sind aber ein wichtiger Teil der kindlichen Resilienz.

Der Begriff Resilienz stammt von dem lateinischen Wort „resilire“ ab, was so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Resilienz beschreibt eine Art psychische Widerstandsfähigkeit: Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und diese als Anlass für die Entwicklung zu nutzen. Immer unter dem Rückgriff auf persönliche und erworbene Ressourcen. Resilienz beinhaltet das Entstehen einer psychischen Gesundheit und Widerstandfähigkeit, den Erwerb von Bewältigungsstrategien, wie auch die Selbsterhaltung und das Selbstwertgefühl. Zu Beginn der Forschung bezeichnete Resilienz eine spezielle Eigenschaft von Personen (besonders Kindern), die ihre psychische Gesundheit unter Bedingungen erhielten, unter denen die meisten Menschen zerbrochen wären. Unter diesen schwierigen Bedingungen schaffen es nur wenige Menschen, sich ihre Resilienz zu bewahren! Im richtigen Umfeld und mit einer geeigneten Förderung kann aber jeder seine Resilienz stärken.

Resilienz fördernde Faktoren

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie, die schulische Umgebung, die Intelligenz (insbesondere seine emotionale Intelligenz, d.h. die Fähigkeit, eigene Emotionen und Handlungen zu kontrollieren).

Eltern und ältere Geschwister können viel dazu beitragen, dass ein Kind Resilienz entwickelt, durch die Förderung von:

  • Problemlösefähigkeiten und Konfliktlösestrategien von Eltern und Kindern
  • Eigenaktivität und persönlicher Verantwortungsübernahme
  • Selbstwirksamkeit und realistische Zuschreibungen
  • Selbstwertgefühl
  • sozialen Kompetenzen, verbunden mit der Stärkung sozialer Beziehungen
  • effektiven Stressbewältigungsstrategien, wie z.B. die Fähigkeiten, Unterstützung zu mobilisieren oder sich zu entspannen
  • einem wertschätzenden Erziehungsstils
  • einer konstruktiven Kommunikation zwischen Erziehungsperson und Kind
  • einem effektivem Einsatz von Belohnung, Lob und Ermutigung

Eigenschaften resilienter Kinder

Mit der Resilienz ist das Kind mit einem unsichtbaren Schutzschild ausstatten, was Kinder zu einer stabileren Persönlichkeit verhilft. Resiliente Kinder unterschieden sich durch eine Reihe von Eigenschaften von nicht-resilienten Kindern:

  • Sie sind weniger aggressiv und mehr auf andere bezogen
  • Sie sind oft leistungsstärker, als es von ihrer Intelligenz her zu erwarten wäre
  • Sie haben ihre Impulse eher unter Kontrolle und sind disziplinierter
  • Sie sind eher in der Lage zum Belohnungsaufschub
  • Sie sind anderen Menschen zugewandt, sie reagieren positiv auf Aufmerksamkeit
  • Sie sind einfühlsamer und emotionaler
  • Sie sind vertrauensvoller
  • Sie sind nicht hart im Nehmen oder „zäh“, sie geben Schwächen eher zu
  • Sie haben eine realistische Selbsteinschätzung und Zukunftsvorstellungen
  • Sie sind sozial angepasster
  • Sie sind interessiert an Menschen, Sachen und Ideen und lernen gern
  • Sie gehen in der Regel gern zur Schule
  • Sie haben eine interne Kontrollüberzeugung – das Gefühl, Einfluss nehmen zu können
  • Sie neigen weniger zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out

Legasthenie ist keine seelische Störung

Das medizinische Störbild des Gesundheitswesens, nach welchem Kinder mit Legasthenie als therapiebedürftig, krank und behindert eingestuft werden, entspricht nicht den Beobachtungen der Forschung und dem Bild aus unserer Praxis. Kinder mit Lernproblemen reagieren ganz unterschiedlich auf Widerstände. Die Legasthenie ist aber keine angeborene seelische Störung oder geistige Behinderung. Sie ist lediglich eine andere Art der Umweltwahrnehmung und Verarbeitung. Die häufig auftretenden psychischen Probleme von Menschen mit Legasthenie sind begründet durch eine erhöhte Sensibilität im Zusammenleben mit anderen Menschen, die Stigmatisierung durch die Legasthenie als menschlicher Makel, sowie die Einstufung als geistig behinderter Mensch. Bei Kindern mit LRS oder Legasthenie steht die Lernschwäche im Fokus, weil das Umfeld dies als Störung wahrnimmt. So haben diese Kinder kaum die Möglichkeit, ihre Stärken kennenzulernen.

Anstatt die gesamte Energie auf die Schwächen zu konzentrieren, müssen Kinder mit Legasthenie ihre Stärken neben der Lernschwäche entdecken. Diese Stärken müssen gezielt gefördert werden: von den Kindern selbst, wie auch von Eltern und Lehrern. Die eigenen Stärken sind einen Ruhepol für das innere Gleichgewicht, ein Ausgleich zum Lernstress und die Quelle für das Selbstwertgefühl und die Freude am Lernen.

Bekommen die Kinder nicht die richtige Förderung und seelische Unterstützung, besteht die Gefahr, das sich aus einer Lernschwäche Verhaltensproblemen und seelische Probleme entwickeln, die diese Kinder ein Leben lang begleiten und wiederum die Stabilität der Persönlichkeit gefährden. Dies beobachten wir häufiger bei Kindern, die eine LRS-Klasse besuchen. Die Separation und der besondere Schutzraum der LRS-Klassen sind für diese Kinder nicht förderlich. Nach der LRS-Klasse müssen die Kinder wieder an der Regelschule und später im Berufsalltag bestehen können. Anstatt der Schutzzonen der LRS-Klasse müssen Kindern in ihrem gewohnten Umfeld ein positives Selbstbild entwickeln können und Bewältigungsstrategien für ihre Lernschwäche erlernen.

Wir haben bei unserer Arbeit erfolgreiche Erwachsene Legastheniker kennengelernt. Sie haben trotz Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben, sowie durch mehrfaches Scheitern in der Schule und im Berufsleben, bestehen können und haben eine gesunde Persönlichkeit entwickelt. Dies zeigt, dass eine Legasthenie nicht zwangsläufig zu einer seelischen Störung führt.

Kinder mit Legasthenie benötigen eine frühzeitige Förderung und Unterstützung, um zu erlernen mit den Widerständen, die mit einer Lernschwäche verbunden sind, zurechtzukommen. Dazu gehört der Umgang mit Unwissenheit und Unverständnis anderer gegenüber Legasthenie, aber auch das Scheitern. Die Aufgabe der Eltern ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Resilienz des Kindes sich entfalten kann, wie auch eine Balance zwischen einer altersgerechten Forderung und Förderung zu finden. Mit dieser Unterstützung können Kinder zu gestärkten Persönlichkeiten heranreifen, die bis in das Erwachsenenalter ihr Leben meistern werden.

Fachrezension: Lass uns lesen! – Eltern-Kind-Trainingsprogramm für die Vorschule

„Lass uns lesen!“ wurde beim Verlag Dr. Dieter Winkler e. K. in Bochum, 2010, als ein Eltern-Kind-Training zur Vorbereitung auf das Lesen- und Schreibenlernen von Ellen Rückert, Sarah Kunze, Gerd Schulte-Körne veröffentlicht.

Eltern-Kind-Training: Vorschule LRs

(c) Lass uns lesen

Es umfasst eine Mappe mit einen Einführungsheft, drei Trainingsheften, einen Protokollblock. Mit einer Einführung erhalten Eltern einen übersichtlichen Überblick und Ratschläge, wie sie mit ihren Kindern zu Hause trainieren können. Um das der Schriftspracherwerb der Kinder vor Beginn der Grundschule vorbereitet werden kann. Die Kinder erhalten mit diesem Programm keine „Rechtschreibförderung“, sondern wissenschaftlich fundierte Grundlagen, um das der Erwerb dieser wichtigen Fähigkeiten in der schulischen Entwicklung der Kindern leichter verlaufen kann. Eltern bekommen damit ein Verständnis für den Aufbau unserer Sprachform, die insbesondere das Erkennen von Lauten und Buchstaben bei Vorschulkindern fördern soll. Verschiedene Studien der letzten Jahre haben hierfür einige Belege geliefert, wie man Kinder schon früh auf das Lesen- und Schreibenlernen vorbereiten kann. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse haben die Autoren mitberücksichtigt, die den Eltern und Erziehern praxisnah erklärt werden.

Das Programm orientiert sich an dem Prinzipien des Phasenmodells der Entwicklungspsychologin Uta Frith und gibt damit einen fundierten theoretischen Teil. Hier können sich Eltern einen guten Überblick verschaffen, wie sich der Schriftspracherwerb bei Kindern bekannter entiwcklungspsychologischer Erkenntnisse entwickelt. Dieser theoretische Teil, ist nach unserer Sicht für gut informierte Eltern verständlich. Es kommen reichliche Fachwörter vor, in die sich, Eltern einarbeiten müssen. Dennoch, ist es für den unbedarften Leser nützlich, diese Einführung zu lesen. Daher ist die Beschäftigung mit diesem Thema unbedingt notwendig, um das die Durchführung des Trainings gelingen kann.

Was uns gut gefällt, ist, dass man dieses Eltern-Kind-Training, zwei in der Forschung bewährte Ansätze zur Prävention von Problemen bei Kindern im Lesen und Schreiben berücksichtigt hat. Es wurde an die Förderung der phonologischen Bewusstheit in Verbindung auf die Vermittlung von Buchstaben-Laut-Verbindungen angeknüpft. Nach unserer Erkenntnis, sind diese Ansätze der richtige Weg, um Kinder in der Vorschule, auf die Grundschule vorzubereiten.

Die drei weiteren Aktivitäenhefte bieten kindgerechte und systematische Übungen mit Kontrollen, die die Eltern durchs das Training begleiten. Es ist für ein zehnwöchiges Eltern-Kind-Training konzipiert. Die Trainingsaktivitäten beinhalten ein regelmäßiges Training von ca. 10-15 Minuten am Tag. Kinder erhalten spielerisch einen Bezug zu unserer Lautsprache durch vorgelesenen Geschichten, Reimübungen, Klatschversen, Ratespielen und lernen nach dem Buchstaben-Laut-Prinzip die Buchstaben A, O, M, E, S, U, herauszuhören und zu unterscheiden etc.

Fazit:

Lass uns lesen! – ist ein gelungenes Eltern-Kind-Training, was nicht nur, durch unabhängige Evaluationsstudien gelegt wurde, sondern in den alltäglichen Gebrauch in die Frühförderung in unsere Kindergärten zum Vorschulprogramm gehören sollte. Es ist eins der wenigsten Präventionsprogramme auf diesem Gebiet. Hier könnten alle Kinder davon profitieren, um kindgerecht und frühzeitig, die passende Lernmotivation und Strategie zu erhalten. In der Forschung ist es schon längere Zeit bekannt, das Kinder, die frühzeitig gefördert werden, auch später in der Grundschule weniger Probleme im Schriftspracherwerb haben werden. Daher ist dieses Konzept durchaus sinnvoll einzusetzen! Nach unserer Sicht kann es nützlich sein, um gute Grundlagen den Kindern zu legen. Gerade wenn Elternteile wissen, dass sie in ihrer eigenen Kindheit Probleme mit dem Lesen und Schreiben hatten, ist es besonders zu empfehlen dieses Programm durchzuführen. Denn frühe Prävention, ist die beste Prävention! Daher ist schon die Frühförderung in der Vorschule sehr wichtig! Man sollte diese Chance bei unseren Kindern nicht verpassen! Genau hier, setzt dieses Trainingsprogramm an, was ein lobenswerter Ansatz ist.

Wenn Sie sich über dieses Programm im Detail informieren wollen. Können Sie sich beim Verlage Dr. Winkel vorbeischauen. Es kostet 39,50 Euro und ist ein gerechtfertigter Preis.