LegasthenikerHäufig bekommen wir die Frage gestellt: ob ein Erwachsener mit einer Legasthenie das Lesen und Schreiben neu erlernen kann. Die Antwort, lautet grundsätzlich: JA! Sonst würden Sie hier keine Texte auf dieser Seite lesen können, unsere Arbeit gäbe es auch nicht. Hätte man sich nicht mit bald Ende zwanzig diesem Thema selbst gestellt, um es genauer zu erkunden, wäre es mit dem Schreiben und Lesen auch nicht weit, her – es wären eben verkümmerte Fähigkeiten, wie man sie bei den meisten Betroffenen beobachten würde.

Hätte man vielleicht nichts daran getan, wäre man vielleicht versehentlich im Alphabetiserungskurs bei den funktionalen Analphabeten gelandet. Die nichts direkt mit vererbten Legasthenien zu tun haben. Eine Legasthenie ist eine völlig normale Anlage des Menschen, die uns mit einer anderen Fähigkeit ausgestattet hat, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Denn jeder kann es von uns lernen! Uns ist noch keiner begegnet, um der es nicht gelernt hat! Bei erworbener Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS), die mit körperlichen Erkrankungen zu tun haben kann, wird es sicherlich auch Grenzen beim Erlernen dieser wichtigen Fähigkeiten geben können.

Aber bei uns Erwachsenen gibt es meisten nur persönliche Hindernisse oder Ängste, die uns in der Schulzeit geprägt haben, dem Lesen und Schreiben auszuweichen. Oder wir hatten immer jemanden der uns den Briefwechsel, Behördengänge, erledigt hat, um diese wichtigen Fähigkeiten zu vernachlässigen. In der Schule, bekam man sowieso gesagt: „Naja, der ist halt eben zu doof, oder zu faul und bekommt es eben nicht auf die Reihe.“ – in der Familie dachte man aus Unwissenheit auch nicht anders darüber. Obwohl meistens in den Familien, wenn es sich, um eine Legasthenie tatsächlich handelt, ein Elternteil diese Probleme auch hat. Die meisten Familien reden überhaupt nicht darüber, sie sträuben sich regelrecht! Darum sind diese Probleme immer mit einem unausgesprochen Tabu behaftet. Unsere Gesellschaft geht auch nicht besser mit dieser Thematik, um, weil man auch bis heute von einer Krankheit, Behinderung, oder Störung ausgeht. All das hat aber nichts mit diesen, Beschreibungen oder Umschreibungen zu tun. Weil, sich diese unwahren Aussagen viele Betroffenen angenommen haben, konnten sich viele bis in ihr Erwachsenenalter nicht entsprechend der angelegten guten Fähigkeiten entwickelt. Bei einer Legasthenie handelt sich es nicht, um Unvermögen oder Dummheit! Nein – wir benötigen nur, eine viel umfassendere Herangehensweise, das Lesen und Schreiben, wie alle anderen, zu erlernen. Nichts anderes!

Sicherlich ist es nicht einfach, sich im Erwachsenenalter als Legastheniker sich diesen Herausforderungen zu stellen, aber es wird den Alltag erleichtern, das allgemeine Lebensgefühl verbessert sich, weil man sich den täglichen Aufgaben gewachsen sein kann, die einem andere früher erledigt haben. Besonders wenn man Stück für Stück, fliesender liest, den Textinhalt besser versteht, um auch gedankliche Rückschlüsse bilden zu können, so kann man die Tagesabläufe besser ordnen, besser Ziele planen und umsetzten usw. Auch auf der Arbeit wird es weniger Missverständnisse geben, weil man die besprochenen Aufgaben auch niederschreiben kann. So wird das Leben eine neue Ordnung erhalten und deutlich leichter werden! Das ist Freiheit pur! Wer den Willen dazu hat, kann es schaffen. Man muss sich nur Hilfe von einem Experten suchen, der die Probleme aus dem eigenem erleben kennt.

Wir erleben es hier immer wieder hier in Dresden, dass man es auch als Erwachsener Legastheniker schaffen kann – diese Weg zu gehen. Es ist unsere Aufgabe, anderen Betroffenen auf diesen Weg zu begleiten!

3 Min LesezeitKönnen Erwachsene Legastheniker Lesen und Schreiben lernen?
Markiert in:                                                     

2 Gedanken zu „3 Min LesezeitKönnen Erwachsene Legastheniker Lesen und Schreiben lernen?

  • 17. Mai 2012 um 06:41
    Permalink

    Hallo,
    der Freund meiner Tochter ist jetzt 24 Jahre alt. Er war aufgrund seiner LRS auf einer Förderschule. Er hat einen Berufsabschluss eines Teilfacharbeiters o.ä. Dadurch stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für ihn nicht so gut.
    Nun möchte er gern den erweiterten Hauptschulabschluss und den Realschulabschluss machen. Danach möchte er noch mal eine Berusausbildung angehen, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Welche Möglichkeiten zum Nachteilsausgleich während der schulischen Ausbildung kann er nutzen/beantragen? Welche Förderung kann er erhalten, die vom Land Sachsen finanziert werden ?

  • 17. Mai 2012 um 11:54
    Permalink

    Sehr geehrte Frau Handrick,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wir können Ihre Situation sehr gut verstehen, weil wir fast täglich ähnliche Anfragen erhalten. Zuallererst müsste geklärt werden, ob der Freund ihrer Tochter, nur eine erworbene LRS oder eine familiär bedingte Legasthenie hat.

    Als ehemaliger Sonderschüler mit einem Teilfacharbeiter bekommt man so gut, wie überhaupt keine Arbeit auf den Arbeitsmarkt, das kenne ich auch aus persönlicher Erfahrung – ich kenne den Ärger mit den Arbeitsämtern über viele Jahre. Von dieser Seite kam über sehr viele Jahre keine brauchbare Hilfe, um mich so zu bilden, wie es meinen Fähigkeiten entsprach. Ich musste mir auch „selber“ helfen! Anders hat man keine Chance!
    Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung kann ich nur sagen: dass es von öffentlicher Seite her keine Förderung gibt, diese muss immer privat getragen werden. Hier kann man nur an die persönliche Verantwortung appellieren, sich nicht auf den Staat zu verlassen. Man muss bereit, sein, in seine Zukunft selber zu investieren. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern! Denn es ist ein Trugschluss sich auf den Staat zu verlassen.

    Einen Nachteilsausgleich kann man bei der IHK oder HwK versuchen zu beantragen, hier gibt es, keine Garantie, da es keinen gesetzlichen Nachteilsausgleich, wie Zeitzugabe bei Tests und Prüfungen gibt. Das liegt immer am Sachbearbeiter der jeweiligen Kammer. Nur in seltenen Fällen erleben wir, dass Auszubildende einen Nachteilsausgleich mit einer Legasthenie oder LRS, sowie Dyskalkulie bekommen. Der Grund ist: Es gibt keine wirklichen klaren gesetzlichen Regelungen für einen Nachteilsausgleich an den Berufsschulen in Sachsen.

Kommentare sind geschlossen.