4 Min LesezeitWas könnten die sozialen Ursachen für Lese-Rechtschreib-Schwächen sein?

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Soziale Ursachen bei Lese-Rechtschreibschwächen

Die Ursachen für Probleme mit dem Schriftspracherwerb bei Kindern sind vielfältiger Natur. In diesem Aufsatz geht es um unsere Erfahrungen mit den sozialen Ursachen. Hier machen wir uns um die frühen Indikatoren sozial-familiärer Ursachen Gedanken, die beim Erwerb von LRS in der Kindheit bei Betroffenen eine Rolle spielen können.

Nicht wenige Fachleute vermuten soziale Ursachen bei LRS

Bis heute gibt es in der Fachwelt keine einheitliche Meinung über die Ursachen für Lese-Rechtschreib-Schwächen. Mögliche Ursachen können in der Genetik, der frühkindlichen Entwicklung und neuronalen Besonderheiten der Betroffenen liegen. Viele Fachleute vermuten aber auch soziale Ursachen (Umweltindikatoren), die bei einer LRS eine Rolle spielen können.

Familie als wichtige prägende Institution für die Grundlagen der Schriftsprache

Die Schwierigkeiten sind dabei nicht direkt beim Betroffenen zu suchen, sondern in der sozialen Umwelt der Betroffenen. Eine wichtige prägende Institution ist die Familie, in der man die Grundlagen der Sprache und Schriftsprache legt und die vorschulische Entwicklung fördert. Sprechen Eltern wenig mit ihren Kindern, kann sich dies langfristig negativ auf die schriftsprachliche Entwicklung auswirken. Häufig werden diese Kinder dann ein Fall für Logopäden oder Ergotherapeuten. Gute Aussprache und intensive Kommunikation ist für die schriftsprachliche Entwicklung der Kinder wichtig. Dazu gehört eine vielseitige sprachliche, musische und kulturelle Bildung der Kinder. Sie kann einer LRS vorbeugen bzw. sie abmildern.

Nicht wenige Kinder können schon mit 4 Jahren ihren Namen schreiben. Ob das gelingt, hängt maßgeblich von der familiären Förderung ab. Die Eltern haben an dieser Stelle einen entscheidenden Part, indem sie ihren Kindern frühe Anreize dafür geben. Dazu kommt die vorschulische Förderung im Kindergarten, wo die Kinder erste wichtige Lernerfahrungen sammeln. Da die Qualität der Frühförderung nicht einheitlich ist, werden die Kinder in unterschiedlicher Art gefördert.

Fein- und Grobmotorik ist wichtig für den späteren Schriftspracherwerb

Für die schriftsprachliche Entwicklung ist eine gut ausgebildete Fein- und Grobmotorik wichtig, um in der Schulzeit eine flüssige Handschrift zu erlernen. Haben Kinder damit Schwierigkeiten, werden sie sich mit dem Schreibenlernen schwerer tun. Heutzutage hat man den Eindruck, dass diese Fertigkeiten zunehmend vernachlässigt werden. Dabei spielt die Mediennutzung (Handys, Tablets) eine entscheidende Rolle. Dies hat maßgebliche Auswirkungen auf den allgemeinen Schriftspracherwerb in der späteren Schulzeit.

Vorbildliche Mediennutzung der Eltern fördert die Konzentrationsfähigkeit

Eine gute Konzentrationsfähigkeit ist für den Schriftspracherwerb der Kinder wichtig, diese sollte schon im Kindergartenalter durch freies Spielen in der Natur und Rollenspiele mit Freunden sowie sportliche Aktivitäten gefördert werden. Eine frühe übermäßige Mediennutzung sollte bei kleinen Kindern vor dem Kindergartenalter vermieden werden. Denn die Kinder haben Schwierigkeiten, diese vielen Reize zu verarbeiten. Darum ist nur eine kurze und wohldosierte Nutzung ratsam. Wichtig ist hierbei, wie die Eltern die Nutzung der Medien vorleben. Vermutlich gibt es einen Zusammenhang, dass Kinder sich heutzutage nicht gut konzentrieren können, wenn die Eltern ihren eigenen Medienkonsum nicht im Griff haben. Aus der Praxis wissen wir, dass bei diesen Kindern recht häufig das gesamte soziale Umfeld der Familie belastet ist.

Psychische Belastungen der Eltern können Kinder zusätzlich beeinträchtigen

Familiäre Belastungen und die soziale Herkunft wirken sich auch auf die schulische Entwicklung aus. Kinder von seelisch erkrankten Eltern haben ein erhöhtes Risiko von 70 Prozent, dass sie ebenfalls psychische Probleme entwickeln werden. Das ist ein zusätzlicher Faktor, aus dem Probleme beim Schriftspracherwerb entstehen können. Sie haben ein wesentlich erhöhtes Risiko einer möglichen seelischen Behinderung, weil einzelne Elternteile mit der Erziehung und der finanziellen Lage überfordert sein können.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Auch wenn sich die Fachwelt über die möglichen Ursachen der LRS nicht einig ist, meinen viele Fachleute, dass soziale Umfeldindikatoren eine LRS begünstigen können. Speziell ein ungünstiges familiäres Umfeld und der soziale Status spielen bei der sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklung eine maßgebliche Rolle. Es ist nicht zu vernachlässigen, dass Kinder aus bildungsfernen Familien ein erhöhtes Risiko aufweisen können, Probleme beim Schriftspracherwerb zu bekommen. Die Förderung einer guten verständlichen Aussprache, der Zugang zu musischen und kulturellen Angeboten, die Ausbildung der Fein- und Grobmotorik sowie ein maßvoller Medienkonsum sind gute präventive Maßnahmen, um dem vorzubeugen.

Uns sind einige Fälle bekannt, in denen das soziale Milieu und der Erwerb der LRS in einem engen Zusammenhang stehen. Die soziale Herkunft der Betroffenen spielt bei der Bewältigung der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten eine wichtige Rolle. Eltern, die in die Förderung der Kinder investieren können, haben bessere Chancen auf schulischen Erfolg als die, die sich keine private Förderung leisten können und der sozial schwächeren Schicht angehören.

Diese wichtigen Einflüsse können Indikatoren bei der Entwicklung der LRS sein. Wenig davon ist bisher erforscht. Beobachtungen aus der Praxis geben aber Hinweise darauf, dass diese Faktoren eine Rolle spielen müssen. Deshalb sollten diese in der Forschung mehr berücksichtigt werden.

 

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