Update: Wichtige Infos zur Corona-Krise – Wir haben geöffnet!

Hallo liebe Besucher, liebe Eltern, liebe Schützlinge,

wegen der Corona-Krise muss ich mich heute an Sie wenden. Nach derzeitiger Lage führen wir die Förderung unserer Schützlinge weiterhin in unserem Büro durch. Da wir eine 1-zu-1-Betreuung haben und uns dabei strikt an die Hygieneregeln (https://www.infektionsschutz.de/) halten, besteht nach Beratschlagung mit Fachleuten nur ein geringes Risiko einer Ansteckung.

Wir haben für Sie geöffnet. Alle vereinbarten Termine für die Lerntherapie oder Diagnostik finden statt. Bitte halten Sie sich an die Hygienevorschriften im ON-Zentrum.

Sollte sich die Lage bei uns ändern, melden wir uns wieder per Rundmail bei Ihnen bzw. Sie lesen alle Neuigkeiten auf unserer Webseite: www.legasthenie-coaching.de

Wir bleiben mutig und zuversichtlich!

Ihr Lars Michael Lehmann mit seinem Legasthenie-Coaching-Team

 

Wie können LRS-Kinder gut durch die Corona-Pandemie kommen?

Seit mehr als 13 Monaten befindet sich die Welt in der Corona-Pandemie. In diesem Artikel wollen wir beschreiben, wie sie sich speziell auf Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwächen auswirkt. Verschiedene Faktoren, die im Einzelfall sehr unterschiedlich sein können, beeinflussen die schulische Entwicklung inmitten der Krise.

Wir haben vor allem festgestellt, dass Kinder mit speziellem Förderbedarf nicht nur Hilfe bei der Bewältigung ihrer schulischen Probleme beim Lesen und Schreiben benötigen. Viel wichtiger ist bei ihnen die Stabilisierung der psycho-sozialen Ebene. In diesem Bereich beobachten wir deutliche Probleme bei Kindern mit Lernschwierigkeiten. Es treten vermehrt Unsicherheiten, Ängste und Demotivation auf. Deshalb brauchen diese Kinder deutlich mehr Unterstützung auf der psychischen Ebene. Wir Fachleute benötigen da viel Einfühlungsvermögen, um die Schwierigkeiten zu erkennen und zu verstehen.

Eltern können dabei sehr viel helfen, indem sie ihren Kindern inneren Halt und viel Liebe geben. Das Thema Corona-Krise sollte kein Tischgespräch sein. Ein kindgerechter Umgang mit dieser Situation ist wichtig, um ihnen zu vermitteln, dass auch diese Krise zu Ende geht, auch wenn wir Erwachsenen nicht einschätzen können, wann genau das sein wird. Wir müssen uns halt in Geduld üben. Aber jede Krise in der Menschheitsgeschichte hatte ein Ende, wie zum Beispiel die beiden Weltkriege oder die mittelalterliche Pest. Dabei wissen wir, dass eine nüchterne Betrachtung der Situation durch die Eltern nicht einfach ist, besonders wenn sie von einem Jobverlust bedroht sind. Eltern sollten diese realen Ängste nicht als beängstigendes Bedrohungsszenario vermitteln, denn Kinder können damit nicht gut umgehen. Aber die Probleme dürfen durchaus angesprochen werden. Ein Beispiel – Wenn die Mama ihre Arbeit verliert, dann sucht sie sich einen neuen Job oder erlernt einen neuen Beruf. Die Eltern sollten die realen Probleme mit positiven Aussichten kommunizieren.

Die Ängste der Eltern übertragen sich oft auf die Kinder und können sich so ungünstig auf die Kinderseelen auswirken. Kinder mit Lernschwierigkeiten sind oftmals empfänglicher für solche sozial-emotionalen Stimmungen in der Familie als Kinder, die keine Lernprobleme haben. Deshalb ist gerade in diesen Krisenzeiten ein umsichtiges Verhalten gegenüber den Kindern dringend zu empfehlen.

Wenn Eltern zuversichtlich und konstruktiv mit dieser Situation umgehen, können gute Erfahrungen daraus gezogen werden. Das macht die Kinder und ihre Familien auch resilienter, denn Krisenzeiten gehören zum Leben dazu. Das sollte man auf kindgerechte Art und Weise vermitteln.

Sollten Eltern länger anhaltende seelische Probleme beobachten, ist es sinnvoll, Hilfe bei Kinder- und Jugendärzten oder Sozialberatungsstellen zu suchen. Eltern sollten jede Hilfe in Anspruch nehmen, um die angespannte Familiensituation zu erleichtern. So stehen die Chancen gut, dass auch Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche gut durch die Krise kommen. Die Eltern spielen dabei eine sehr wichtige Rolle für eine seelisch stabile Entwicklung der Kinder.

So kann langfristig psychischen Problemen vorgebeugt und eine gute Krisen-Resilienz trainiert werden, die für das weitere Leben sehr hilfreich ist. Damit können die Kinder zu gesunden und selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen.

Wir starten wieder am 04.05.2020!

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Liebe Schützlinge, liebe Familien, liebe Freunde,

nach der letzte behördlichen Anordnung vom 17.04.2020 dürfen wir wieder unsere Einrichtung am 04.05.2020 öffnen. Da wir nur Einzelförderung anbieten, können wir die die verlangten Hygienemaßnahmen und Absatzregelungen aufgrund der Corona-Krise umsetzten. Bitte beachten Sie dazu unsere Aushänge!  

Bis dahin läuft unsere Onlinebetreuung mit GoToMeeting weiter.

Ihr Legasthenie-Coaching-Team

Corona-Krise wird die soziale Ungleichheit bei Kindern mit LRS verstärken

Eine Einschätzung von Lars Michael Lehmann, Legasthenie-Experte und Fachjournalist

Es ist unstrittig, dass Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten bei Kindern durch soziale Probleme begünstigt werden können. Schon vor der aktuellen Krise gab es eine deutliche soziale Ungleichheit bei Familien mit lese-rechtschreib-schwachen Kindern. Der soziale Hintergrund der Familien spielt oft eine große Rolle, inwiefern Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben bewältigt wurden. Denn nicht alle Familien konnten sich eine nachhaltige Lerntherapie finanziell leisten. Unser Bildungs- und Sozialwesen hat seit vielen Jahren zu wenig für benachteiligte Familien getan.

Durch die derzeitige Corona-Krise besteht die Gefahr, dass sich die soziale Lage der Familien weiter verschlechtert. Denn der Shutdown mit seinem längeren Schulausfall wird vor allem lernschwache und sozial benachteiligte Kinder in eine prekäre Lage bringen, die sehr wahrscheinlich die sozialen Probleme der Kinder mit LRS verstärken wird. In Sachsen ist eine mögliche Steigerung der Zahl von LRS-Kindern infolge der Krise denkbar, denn die derzeitige Situation im Schulwesen begünstigt diese Probleme bei Kindern mit Lernschwächen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Kinder nach der Krise in eine LRS-Klasse gehen müssen, wie es in Sachsen üblich ist. Schon vor der Krise war die Situation aus wissenschaftlicher und ethischer Sicht völlig unzureichend, denn in jedem Jahr gab es mehr Schüler, bei denen eine LRS festgestellt wurde. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Herangehensweise im sächsischen Schulwesen aus dem Gesichtspunkt der Inklusion und Menschenwürde umstritten ist. Durch Separation in die LRS-Klassen fördert man keine Integration der betroffenen Schüler und jedes Kind sollte unabhängig von seiner sozialen Herkunft eine individuelle Unterstützung erhalten. Dies ist bei Lernschwächen im Regelfall nur mit einer 1-zu-1-Förderung sinnvoll. Leider hat die staatliche Seite schon vor der Krise kaum etwas für die Betroffenen getan. Die rechtliche Lage durch die Gesetzgebung in § 35a SGB VIII schloss viele Betroffene aus der Förderung durch das Jugendamt aus, denn nicht alle Kinder sind von einer seelischen Behinderung bedroht. Durch die aktuelle Krise besteht die Gefahr, dass sich diese Schieflage in der staatlichen Unterstützung von lernschwachen Kindern und Jugendlichen weiter verstärkt.

Als Schlussfolgerung aus dieser Krise muss diese Herangehensweise unbedingt korrigiert werden. Denn wenn man diese benachteiligten Kinder weiterhin nicht bei der Bewältigung ihrer Lernschwierigkeiten unterstützt, können sozial-gesellschaftliche Konflikte wegen der sozialen Ungleichheit begünstigt werden. Die Zahl der betroffenen Familien ist schwer abzuschätzen, es ist davon auszugehen, dass rund ein Drittel der Bevölkerung unterschiedliche Probleme beim Lesen und Schreiben hat. Die Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderung war schon vor der Corona-Krise an Grenzen gestoßen, die jetzige Situation verschärft dieses Problem. Das Schulwesen wird deutlich an seine Grenzen kommen. Die Betroffenen sollten bei der Lockerung der aktuellen Maßnahmen nicht vernachlässigt werden. Gemeinnützige Einrichtungen und soziale Initiativen müssten von staatlicher Seite deutlich mehr unterstützt werden als vor der Krise. Dagegen sollten nicht-gemeinwohlorientierte Einrichtungen zweitrangig behandelt werden, weil bei ihnen vor allem ihr wirtschaftliches Fortkommen im Mittelpunkt der Tätigkeit steht. Darum wäre es wichtig, dass die sozialwirtschaftlichen Akteure sicher durch diese Krise kommen. Bisher gibt es keine staatlichen Schutzschirme für Sozialunternehmen! Diese Initiativen werden nach der Corona-Krise einen wichtigen Beitrag leisten, um Betroffene zu beraten, Diagnostiken durchzuführen und die psychosozialen und pädagogischen 1-zu-1-Förderungen zu unterstützen. Dieser gemeinwohlorientierte Auftrag darf nicht aus dem Fokus geraten, denn das Schulwesen wird diese Aufgabe nicht allein leisten können. Deswegen wäre eine Kurskorrektur während und nach der Krise wichtig! Dadurch könnten wir die Betroffenen nachhaltiger fördern und integrieren. Jedes Kind, dass wir vor psychischen Schäden bewahren können, ist ein wertvoller Gewinn für die Gesellschaft. Unsere Hoffnung ist, dass wir gemeinsam eine gute Lösung für alle Betroffenen finden.


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