Der Legasthenie-Coach im Interview, des FAZ Hochschulanzeigers

faz_hochschulmagazin_LegasthenieIn der Aprilausgabe des Frankfurter Allgemeine HOCHSCHULANZEIGERS wurde der Gründer des Institutes Lars Michael Lehmann im Artikel „Studium + X“ auf den Seiten 22 und 23 im Interview erwähnt.

Leider steht auf Seite 22 eine falsche Aussage: „Der Legasthenie-Coach Lars Michael Lehmann erklärt: „Menschen, die unter Dyslexie leiden, sind nicht dumm.“ Es wurde niemals behauptet, dass Menschen mit einer Dyslexie, an dieser leiden würden. Das würde der Distanzierung, das eine Legasthenie eine Behinderung oder psychische Erkrankung sei, widersprechen.

Entweder war es ein Verstehen der Redakteurin oder man wollte dem Bericht eine Tendenz verleihen, die der Sichtweise des größten Selbsthilfeverbandes: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V., entspricht. Die Redakteurin erhielt, die Information dazu, dass der BVL mit der Pharmaindustrie im Zusammenhang steht – leider wurden diese Hintergründe im Artikel nicht erwähnt, deswegen, ist dieser Artikel als Tendenziös einzuordnen.

Die Aprilausgabe, dazu können Sie sich als PDF kostenfrei ansehen.

Interview: Methodenvielfalt statt einzelner Förderprogramme sind in der Förderung bei Legasthenie am wirksamsten

AKD-Foto

Immer wieder gibt es heiße Debatten über die Wirksamkeit diverser Methoden. Unbestritten ist, dass es auch unwirksame und umstrittene Methoden gibt, andere wiederum haben sich in der Praxis und Forschung in den letzten 20 Jahren bewährt. Für dieses Interview konnten wir die Präsidentin vom Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie, Frau Dr. Astrid Kopp-Duller, gewinnen, die in der pädagogisch-didaktischen Förderung über viel Erfahrung verfügt. 

Frage:

Vor einigen Monaten wurde von einer Münchner Forschergruppe in einer Metaanalyse im „PLOS One – Magazin“ eine Studie veröffentlicht und bestätigt, dass der Buchstaben-Laut-Bezug in der Förderung legasthener Kinder eine wichtige Rolle spielt. Was ist für den Laien unter diesem Ansatz genauer zu verstehen? 

Dr. Astrid Kopp-Duller:

Zur Verbesserung eines Teils des phonologischen Bewusstseins müssen sehr basale Prozesse der Laut-Buchstaben-Zuordnung und umgekehrt systematisch geübt werden. Dabei wird zunächst gelernt, die einzelnen Laute und Silben zu unterscheiden und den entsprechenden Schriftbildern zuzuordnen. Erst nach und nach kommt die Eingliederung und Erkennung der Zeichen und Laute in Worten und Sätzen hinzu. Geübt werden müssen also Laute – Silben, Silben – Wörter, Wörter – Sätze, kurze und lange Wörter, Anlaute – Endlaute, Wörterreimen etc.

 

Frage:

Aus der besagten Studie ging hervor, dass nur wenige Förderansätze bei legasthenen Kindern helfen würden. Es wurden 20 Methoden auf die Wirksamkeit untersucht. Im Bereich LRS-Förderung oder Legasthenietherapie gibt es heutzutage unzählige Ansätze. Die einen zielen auf die Förderung einzelner Teilbereiche der Wahrnehmung ab, beispielsweise auf die Korrektur von Blickspringen mittels spezieller Prismen und Brillen, auch als Optometrie bekannt. Dann gibt es verschiedene Hörtrainings für die phonologische Bewusstheit (Buchstaben- und Lautsegmentierung), wie es häufig bei Logopäden der Fall ist oder auch bei Vertretern von Methoden, die auf die lautgetreue Förderung setzen. Laut der Studie wurde keinem dieser Ansätze in seiner Effektivität als Förderansatz ein nachhaltiger Erfolg bestätigt. Wie kommt es, dass es so viele verschiedene Ansätze gibt?

 

Dr. Astrid Kopp-Duller: 

Das Methodenspektrum ist sehr umfassend und in der Studie hat man nur einige Ansätze beleuchtet. Die Aussage, dass nur wenige Förderansätze bei legasthenen Kindern helfen, sollte wohl eher als polemische Vermutung denn als wissenschaftlich gesichertes Faktum verstanden werden, da man sich andernfalls in der praktischen Arbeit folgenreichen Beschränkungen unterwerfen würde.

Fakt ist, dass die Schreib- und Leseprobleme zumeist sehr facettenreich sind, weshalb es auch eine Vielzahl von Ansätzen gibt und geben muss. Eine Methode, die in jedem Falle erfolgreich ist, gibt es allerdings nicht. Spezialisten, welche diesen Kindern gezielt helfen wollen, müssen deshalb offen für eine Methodenvielfalt sein. Die auditive bzw. akustische Ebene ist nur eine von mehreren, in der betroffene Kinder eine Förderung benötigen.

 Frage:

Methodenvielfalt bestätigt die Praxis in der Förderung von legasthenen Kindern, auch nach unseren Erfahrungen. Einzelne Programme, u.a. das von der Fachwelt vielzitierte „Marburger Rechtschreibtraining“ oder das „Reuter-Liehr-Konzept“, haben bisher nur eine vage Effizienz als Hilfsansatz in der Förderung von Kindern mit Legasthenie aufzuweisen. Es gibt dazu keine unabhängigen Feldstudien (Follow-up-Studien) aus der Praxis und keine interdisziplinäre Begutachtung mit Vergleichsstudien, sondern zumeist nur klinische Laborversuche. Das Einzige ist, dass man den Buchstaben-Laut-Bezug bei diesen Ansätzen herausgestellt hat. Ein einzelnes Programm kann kein wirksamer Ansatz für die Betroffenen sein, wie es der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. bestätigt. Das ist zu kurzsichtig, weil die Probleme der Kinder viel umfassender sind. Wie könnte man hier den Kindern in der pädagogisch-didaktischen Förderung nachhaltiger helfen und welche wissenschaftlichen Belege in Form von Studien gibt es dafür?

 

Dr. Astrid Kopp-Duller:

Es ist für nachhaltige Erfolge unbedingt notwendig, dass man als Spezialist bei der pädagogisch-didaktischen Förderung individuell und gezielt vorgeht, weil die Probleme der Betroffenen sehr unterschiedlich sind. Wir wissen, dass legasthene Menschen eine besondere Informationsverarbeitung haben und damit verbunden eine besondere Lernfähigkeit. Wird man in der Förderung diesen Anforderungen gerecht, so lernen auch diese Menschen das Schreiben und Lesen. Ein lediglich verstärktes Üben im Schreib- und Lesebereich führt in den meisten Fällen nicht zum gewünschten Erfolg. Hilfe muss deshalb in den Bereichen einsetzen, die vorwiegende Schwierigkeiten bereiten. Die AFS-Methode ist eine seit zwanzig Jahren weltweit bewährte Methode, welche drei Schwerpunkte in der Förderung setzt. Großer Wert wird in der Förderung neben einem individuellen Symptomtraining im Schreiben und Lesen auch auf die Aufmerksamkeitsfokussierung und die für ein erfolgreiches Schreiben und Lesen unerlässliche Schulung der Sinneswahrnehmungsleistungen gelegt. Ein Teil der AFS-Methode besteht darin, dass jene Sinneswahrnehmungen, die man für ein problemloses Schreiben und Lesen benötigt, gefördert werden. Auch die Verbesserung des phonologischen Bewusstseins, insbesondere der Laut-Buchstaben-Zuordnung, wird von diplomierten Legasthenietrainer/innen im Rahmen der AFS-Methode schon seit jeher sehr erfolgreich praktiziert.

Grundsätzlich hat sich bestätigt, dass ein verstärktes Schreiben- und Lesenüben alleine bei den meisten Kindern nicht zum Erfolg führt.

Die AFS-Methode ist nicht nur eine umfassende, sondern auch eine für approbierte Ansätze offene Methode. Die Methodenvielfallt, die Spezialisten im Rahmen der AFS-Methode einsetzen, ist für einen Erfolg unerlässlich. Eine wissenschaftliche Langzeitstudie von 2001 bis 2006 mit über 3000 Probanden bestätigte auch die erzielten langfristigen Verbesserungen der Schreib- und Leseleistungen der Probanden.

Wir bedanken uns für das freundliche Interview bei Frau Dr. Astrid Kopp-Duller.

Eltern-Ratgeber: So können Sie Ihr legasthenes Kind stärken!

Kinder mit speziellen Lese-Recht-Schreibschwächen (Legasthenie) sind für Eltern häufig eine Herausforderung. Denn nicht nur der Erwerb der Schriftsprache ist bei diesen Kindern ein Problem, sondern es können noch zusätzliche Probleme im Sozialverhalten sich dazugesellen. Darum ist eine frühe Diagnostik in der Grundschulzeit angebracht. Dieser Ratgeber wird ihnen einige Tipps und Informationen geben, wie man sein Kind mit Legasthenie am besten stärken kann. Denn dies ist die wichtigste Prävention, um möglichen seelischen Problemen vorzubeugen. 

Differenzierte Feststellung der Lernprobleme, bedeutet frühe Prävention im Grundschulalter! 

LRS-Feststellverfahren an Schulen, sind nach unseren Beobachtungen in Dresden und Sachsen, häufig sehr undeutlich. Weil, die Schulen, je nach LRS-Stützpunkt, unterschiedliche Tests verwenden. Daher erscheint uns die LRS-Testung der Kinder, als nicht differenziert und eher willkürlich. Denn eine differenzierte Förderdiagnose muss wesentlich mehr Leisten, als nur die qualitative und quantitative Testung der Lese- und Schreibleistungen. Wir beobachten Kinder, die mit dem Schweizer-Modell unterrichtet wurden, die haben in der Regel wesentlich mehr Probleme im Schriftspracherwerb, als die Kinder die mit der klassischen Fibel-Methode unterrichtet wurden. Das ist ein weiterer Umweltfaktor der sich aufs Lernumfeld bezieht, was die Fehlermengen bei Testungen erhöhen könnte. Man spricht hier von Erwerbfakoren einer LRS. Obwohl betroffene Kinder keine Probleme in der kindlichen Entwicklung (Intelligenz, Motorik, Sprache etc.) aufweisen, oder es keine familiären Anlagen bekannt sind. Daher kann es zu Fehleinschätzungen bei Kindern kommen. Diese Faktoren beobachten wir nicht selten in Dresden und Sachsen! Es ist von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auszugehen, das Testergebnisse dieser Kinder, nicht richtig die Ursachen einer LRS oder Legasthenie einschätzen können, da man nur die Symptome misst. Daher ist es ratsam, wenn Eltern die Förderung in einer LRS-Klasse abwägen wollen, nochmals das Kind tiefgründiger zu Testen, um auch genauer nach den Ursachen einer Lese-Recht-Schreibschwäche zu sehen. Immer wieder Beobachten wir Kinder, bei denen keine LRS-Klasse notwendig wäre. Sondern differenzierte Einzelförderung für legasthene Kinder oder qualifizierte LRS-Nachhilfe.

In unseren Fachartikeln haben wir schon häufig darauf hingewiesen, das LRS-Klassen aus der wissenschaftlichen Perspektive, umstritten sind. Will man Kindern die bestmögliche Förderung angedeihen lassen, muss man auch über die Ressourcen (Begabungen) der Kinder Bescheid wissen. Daher ist eine differenzierte Förderdiagnose wichtig, um präventiv auch Probleme der psychosozialen Entwicklung zu vermeiden. Das kann eine LRS-Klasse nach unseren Beobachtungen nicht leisten! Häufiger wird beobachtet, das der „LRS-Stempel“ der Schulen, sich negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken kann. Zumindest beobachten wir einige Indizien dazu, das diese Sonderklassen, scheinbar wenig effektiv sind. 

Häufig haben Kinder mit speziellen Lese-Rechtschreibschwächen (Legasthenie) spezielle Begabungen, die sie durch ihre Probleme im Schriftspracherwerb kompensieren können. Daher fallen häufig die Kinder mit wirklicher ‘Legasthenie’, nicht auf. Häufig ist zu beobachten, das sie mit ihrer guten Grundintelligenz, die Probleme in der Grundschule kompensieren können. Nicht selten, fallen die Probleme dann in den höheren Schulstufen auf. Erkennt man aber die Probleme erst in der Oberschule oder im Gymnasium, besteht die Gefahr, das seelische Probleme dazukommen. Deswegen ist es wichtig, die Probleme so früh, wie möglich zu erkennen. Denn das ist die beste Prävention! 

Es ist wichtig früh die Stärken legasthener Kinder zu erkennen! 

Der Fokus das legasthene Kinder nur Schwächen statt Stärken haben, ist kein guter, der die Kinder in ihrer Entwicklung fördert. Daher ist es sehr wichtig, sie auch mit ihren speziellen Schwächen, besonders auch in ihren Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Daher ist das Störbild der WHO, den auch die pharmanahen Legasthenieverbänden (Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.) vertreten, ethisch bedenklich. Da nicht Kinder automatisch mit einer Legasthenie, eine seelische Störung aufweisen! Das widerspricht jeglicher Sachlogik! 

Fördert man Kinder frühzeitig in ihren Stärken, werden sie auch ein gesundes Selbstbild entwickeln können. Sie werden dann wesentlich seltener seelische Störungen entwickeln, weil sie gelernt haben, sich nicht nur über ihre Schwächen zu definieren. Sondern kennen ihre guten Fähigkeiten, die es zu fördern gilt. Da weisen die Ansätze der erwähnten Verbände und auch der Verfahrensweisen der Schulen, bis heute größere Mängel auf. Beide Ansätze, passen heute nicht zu einem umfassenden Verständnis, wie man die Kinder fördern und integrieren sollte. Daher ist nach unserer Sicht, dies ethisch bedenklich. Hier braucht es wesentlich mehr Bemühungen, die Probleme im Schriftspracherwerb zu differenzieren. 

Hier braucht es einen wesentlich pragmatischeren Umgang mit den Lernproblemen der Kinder. Denn Fördert man das Kind in seinen Potenzialen, dass schon in der frühen Kindheit, wird es sich in der ganzen seelischen und emotionalen Entwicklung, besser entwickeln. Als wenn man ihm signalisiert, das es nicht ‘gut genug’ oder ‘gestört’ ist. Daher sollten die Stärken legasthener Kinder frühzeitig erkannt werden. Eltern können hier einen besonderen Beitrag leisten, der den Kindern in ihrer individuellen Entwicklung hilft. Die Rolle der Eltern ist nämlich nicht zu unterschätzen, wie sich Kinder mit einer Legasthenie entwickeln können. Im positiven, wie im negativen. 

Mit diesen Tipps und Ratschlägen können Sie Ihr legasthenes Kind stärken: 

  • Erklären Sie Kindgerecht die Probleme im Lesen und Schreiben

  • Signalisieren Sie niemals dem Kind, das es Krank oder Gestört ist

  • Fördern Sie Ihr Kind in den vorhandenen Ressourcen (Stärken), um die Probleme langfristig zu kompensieren (So verhindern Sie präventiv, Störungen im Sozialverhalten!)

  • Das Kind darf niemals mit seiner Schwäche einen Sonderstatus erhalten, sondern es soll lernen selbstbewusst seine Probleme in den Griff zu bekommen (Hilfe zur Selbsthilfe!)