Erwachsene Legastheniker haben oftmals spezielles Fachwissen

Manche Erwachsene mit einer Legasthenie verfügen über ein hohes Domänenwissen, d.h. sie zeichnen sich durch besonders gute Kenntnisse und Fertigkeiten auf ihrem Fachgebiet aus. Deshalb können sie auch zur intellektuellen Elite ihres Fachbereichs gehören. Das ist vielleicht nicht die Mehrheit der betroffenen Erwachsenen, aber in unserer praktischen Arbeit sind uns einige begegnet. Eine ganze Reihe der Betroffenen verfügt über eine Intelligenz im oberen Durchschnittsbereich. Deshalb können diese Legastheniker ungeachtet ihrer Schwächen in der Schriftsprache gute Fähigkeiten auf anderen Gebieten entwickeln, sofern sie ihre Schwierigkeiten im Kindes- und Jugendalter kompensiert haben. Legastheniker, die ihre seelischen Komplexe der Kindheit bzw. negativen schulischen Erfahrungen nicht aufgearbeitet haben, sind selten in der Lage ihr Leben gut zu meistern. Nur eine Aufarbeitung und Bewältigung (Kompensation) der Legasthenie bietet gute Chancen sich auf ihrem Fachgebiet erfolgreich zu spezialisieren. Manche Betroffene entwickeln ein Interesse an Spezialthemen, denn abstraktes und vielschichtiges Denken fällt legasthenen Menschen oft nicht schwer. …

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Sollte man beim Bewerbungsgespräch zu seiner Legasthenie stehen?

Der Umgang mit dieser speziellen, erblich veranlagten Lese-Rechtschreib-Schwäche ist so unterschiedlich wie auch die Betroffenen selbst unterschiedlich sind. Jeder Mensch hat seinen eigenen Hintergrund und einen individuellen Umgang mit der Schwäche erlernt. Auch im Bewerbungsprozess gehen die Betroffenen deshalb sehr unterschiedlich mit dieser Tatsache um. Dabei spielt auch der gewählte Fachbereich eine durchaus wichtige Rolle. Wir wollen Ihnen an dieser Stelle ein paar Tipps und Ratschläge geben, wie man als Legastheniker am besten mit einer Bewerbung umgehen kann. Außerdem berichten wir über unsere Erfahrungen der letzten Jahre. Für die meisten Betroffenen ist es ein großes Hemmnis, die Legasthenie bei ihrer Bewerbung zu erwähnen. Denn diese Problematik ist mit einem Stigma behaftet, die Umwelt setzt Legasthenie häufig mit Krankheit oder Behinderung gleich. Diese Etikettierung bedeutet für die Betroffenen, dass man den Wert ihrer persönlichen und fachlichen Fähigkeiten unterbewerten könnte. Vor nicht allzu langer Zeit war die Annahme geläufig: Wer nicht fehlerfrei lesen …

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Gastbeitrag: Legasthenie im Berufsleben

Ein Gastbeitrag von Lars Michael Lehmann, Legasthenie-Experte und Fachjournalist Ob Legastheniker im Berufsleben Erfolg haben, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Legastheniker haben unterschiedliche soziale Hintergründe, besuchen verschiedene Schularten und es ist entscheidend, ob die Betroffenen zusätzliche psychosoziale Probleme entwickelt haben. Es hängt von der Stärke der Schwäche und der frühen Förderung ab, wie sich die Betroffenen bis in das Erwachsenenalter hinein entwickeln werden. Nicht wenige Legastheniker hatten in der Grundschulzeit schlechte Erfahrungen mit der Schule gesammelt. Daraus resultieren meiner Kenntnis nach die möglichen seelischen Erkrankungen, die sich dann bei Erwachsenen zusätzlich entwickeln können – aber es gibt auch Betroffene, die ihre Schulzeit seelisch unbeschadet überstanden haben. Darum ist die Grundannahme, dass eine Legasthenie automatisch eine Lese-Rechtschreib-Störung ist (wie es die WHO definiert), ungenau. Man kann bezweifeln, dass Betroffene automatisch mit einer seelischen Behinderung oder Krankheit auf die Welt kommen. Diese Annahme hindert Betroffene an einer gesunden und normalen Entwicklung. In …

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