notizen und digitale schrift kombiniert

Dass Kinder heute eine schlechte Rechtschreibung haben, ist nicht nur ein reines Konzentrationsproblem. Ein schlechter schriftlicher Ausdruck kann viele Ursachen haben. Ganz davon abgesehen gilt es zu bedenken, dass viele Schüler mit dem Schreiben Probleme haben.

Ich denke, das Schreiben mit der Hand ist nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar – für das Gedächtnis, die Merkfähigkeit sowie das Verarbeiten von Überlegungen, Sinneserfahrungen und Gefühlen. Berninger und Chanquoy (2012) zeigen auf, dass Schreiben kein reiner motorischer Akt ist, sondern ein komplexer kognitiver Prozess, der Planen, Übersetzen von Ideen in Sprache und Selbstregulation umfasst. Studien belegen zudem, dass handschriftliches Notieren zu einem tiefgreifenderen Verständnis und langfristigerem Behalten von Inhalten führt (Müller & Oppenheimer, 2014). Auf diese Weise können Kinder Ängste und Sorgen verarbeiten und abbauen. Es ist eine hervorragende mentale Übung, die Sicherheit vermittelt – insbesondere, wenn ein Schreibheft oder ein Buch zur Hand ist. Ja, es ist anstrengender, als in den Laptop zu tippen. Denn beim Tippen fehlt diese tiefere Verarbeitung.

Wussten Sie schon? In einer knappen Stunde habe ich diesen Bericht im Zug verfasst – erst per Hand, dann mit OCR-Erkennung einer KI gescannt und am PC umgewandelt sowie angepasst. So habe ich gleich zwei Effekte in einer Übung vereint: eine metakognitive und eine technische Schreibweise – verbunden mit der bewussten Fokussierung auf den Text. Berninger und Chanquoy (2012) beschreiben Schreiben als „externalisierte Kognition“ – also als eine Möglichkeit, Gedanken sichtbar und greifbar zu machen, um sie besser zu reflektieren. Forschungsergebnisse belegen, dass diese bewusste Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen die kognitive Verarbeitung nachhaltig vertieft (James & Engelhardt, 2012). Wenn Sie ein Kind haben, probieren Sie es doch einmal aus: Sie werden merken, dass Ihr Kind den Text besser behält und sich besser konzentrieren kann. Das wirkt sich langfristig positiv auf das psychische Wohlbefinden aus. Tatsächlich belegen Studien, dass expressives Schreiben Stress reduziert und das emotionale Wohlbefinden nachhaltig verbessert (Pennebaker & Beall, 1986).

Herausforderungen beim Erlernen der Handschrift

Für Kinder ist der Vorgang des Erlernens des Schreibens und Denkens mit der Hand eine ganz individuelle Herausforderung. Dem einen Kind macht es Freude, dem anderen weniger – oft, weil es vielleicht an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) leidet. Berninger und Chanquoy (2012) belegen, dass Handschrift und Rechtschreibung eng miteinander verknüpft sind. Störungen in diesen Bereichen können zu Schreibschwierigkeiten, wie etwa Dysgraphie führen.

Es gibt Kinder mit motorischen oder sprachlichen Problemen oder solche, die in einer familiären Umgebung aufwachsen, in der die Eltern wenig mit ihnen sprechen und das Schreiben nicht vorleben. Zudem verändert die zunehmende Technisierung den Fokus auf das Schreibgerät – ein Fakt, der nicht zu leugnen ist. Die Studie zeigt, dass die Entwicklung der Handschrift in vorhersagbaren Phasen verläuft – von ersten Kritzeleien bis hin zum Schreiben von Buchstaben und Texten (Berninger & Chanquoy, 2012).

Ich frage mich oft: Warum bemängeln Bildungspolitiker, dass Kulturtechniken, die im Schulalltag kaum noch gefordert werden, immer weniger Beachtung finden? Dabei belegen Studien, dass Handschrift die Feinmotorik und die Hand-Auge-Koordination fördert – Fähigkeiten, die auch in anderen Fächern von Vorteil sind (Dinehart, 2015).

Handschrift vs. Digitalisierung – Muss das ein Gegensatz sein?

Es gibt Kinder mit motorischen oder sprachlichen Problemen oder solche, die in einer familiären Umgebung aufwachsen, in der die Eltern wenig mit ihnen sprechen und das Schreiben nicht vorleben. Durch die Technisierung hat sich der Fokus auf das Schreibgerät verändert – ein Fakt, der nicht zu leugnen ist.

Manche behaupten, das Schreiben mit der Hand sei nicht mehr wichtig, weil man heute alles mit dem PC oder mithilfe von KI erledigen kann. Doch Berninger und Chanquoy (2012) zeigen, dass die Art der Transkription – ob mit Stift oder Tastatur – die schriftliche Ausdrucksfähigkeit entscheidend beeinflusst. Entweder gibt es besonders Begabte, oder es fehlt an Aufklärung in der Gesellschaft und bei Eltern. Aber für mich bleibt eine Frage zentral: Warum ist das gedankliche Schreiben mit der Hand so unverzichtbar?

Eine EEG-Studie belegt, dass Schreibschrift stärkere Hirnaktivität in Bereichen auslöst, die für Lernen, Gedächtnis und Sprache zuständig sind – ein Effekt, der beim Tippen deutlich schwächer ausfällt (James, 2017).

Warum Handschrift für mich unersetzlich bleibt

Weil es für Kinder motorisch wichtig ist, eine verbundene Schrift zu entwickeln. Berninger und Chanquoy (2012) belegen, dass Handschrift die gedankliche Artikulation fördert und die sprachliche Verarbeitung nachhaltig vertieft. Weil Sinneserfahrungen der Umwelt besser verarbeitet werden und sich Gefühle auf Papier einfach besser übertragen lassen als auf einem PC. Weil Denken und Überlegen Tiefe geben – und diese wird besser im Gedächtnis verankert.

Und warum ist das wichtig? Weil es motorisch wichtig für Kinder ist, weil Handschrift die gedankliche Artikulation fördert und die sprachliche Verarbeitung vertieft. Die Buchstabenwahrnehmung ist intensiver und verbessert die phonologische Bewusstheit (z. B. bei Auslauten wie d/t). Sinneserfahrungen werden besser verarbeitet. Weil sich Gefühle auf Papier besser übertragen lassen.

Handschrift im Alltag – Meine Empfehlungen

Nicht nur für Kinder mit LRS ist es wichtig, mit der Hand zu schreiben. Für alle Kinder ist das handschriftliche Schreiben eine unverzichtbare Basisfertigkeit in der Grundschule. Dass nicht wenige Kinder heute mit dem Schreiben – insbesondere mit dem Füller – Probleme haben, wird von Fachleuten kritisiert. Und ich sehe das auch so: Seit Jahrzehnten gibt es viele Gründe dafür, dass Eltern seltener mit der Hand schreiben. Dabei fördert Handschrift nicht nur akademische Fähigkeiten, sondern auch kreative und räumliche Denkprozesse (Bara & Gentaz, 2011). Der Deutschunterricht ist heutzutage nicht immer auf das Schönschreiben fixiert.

Fazit: Handschrift als Kulturtechnik – Meine Überzeugung

Schreiben bedeutet für mich: Denken mit der Hand.
 Schreiben mit dem Füller oder mit der Hand ist keineswegs altmodisch, sondern eine Kulturtechnik, die sich stetig weiterentwickelt. Ich möchte mich mit der Frage beschäftigen: Warum ist das Denken mit der Hand für unsere Schulkinder so wichtig?

Weil es nicht nur für Kinder mit LRS wichtig ist, mit der Hand zu schreiben. Für alle Kinder ist das handschriftliche Schreiben eine unverzichtbare Basisfertigkeit in der Grundschule. Dass nicht wenige Kinder heute mit dem Schreiben – insbesondere mit dem Füller – Probleme haben, wird von Fachleuten zu Recht kritisiert.
 Die Forschung unterstreicht, dass Handschrift eine grundlegende Fähigkeit ist, die kognitive, emotionale und motorische Entwicklungsprozesse unterstützt (Berninger & Chanquoy, 2012; Dinehart, 2015; James, 2017). Genau deshalb wird Handschrift auch in einer Welt mit immer schnelleren intelligenten Maschinen wichtig bleiben – besonders dann, wenn wir unsere Intelligenz, Kreativität und Einfühlungsvermögen erhalten wollen.

Autor: Lars Michael Lehmann, Legasthenie-Experte und Fachjournalist. Er ist selbst von Legasthenie betroffen und schreibt heute mit Leidenschaft.

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