Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) kann für Kinder zu einer seelischen Belastung werden, besonders wenn ihre Schwierigkeiten in der Familie übersehen oder ignoriert werden. Viele Eltern ist nicht bewusst, dass eine unerkannt bleibende LRS bei Kindern zu psychischen Belastungen oder sogar längerfristigen seelischen Beeinträchtigungen führen kann. Nicht alle Kinder sind gleichermaßen betroffen, doch das Risiko ist nicht zu unterschätzen. Oft entwickeln sich psychische Belastungen als Begleiterkrankungen einer LRS. Präventiv können Eltern gegensteuern, indem sie genau beobachten, warum ihr Kind Schwierigkeiten zeigt. Nicht jedes Problem im Lesen und Schreiben zu Beginn der Grundschulzeit deutet auf eine LRS hin. Sind jedoch Fälle von LRS oder Legasthenie in der Familie bekannt, lohnt es sich, frühzeitig genauer hinzusehen – denn LRS wird nicht selten vererbt. Es ist wichtig, eine LRS bereits ab der 2. Klasse oder früher zu erkennen, um seelische Folgen zu vermeiden.
Wie erkennen Eltern erste Anzeichen einer LRS?
- Ihr Kind tut sich schwerer als andere Kinder mit dem Lesen und zeigt Leseunlust.
- Es liest nur buchstabenweise und hat Schwierigkeiten, die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge zu erfassen.
- Nach längerem Lesen oder Schreiben wirkt das Kind erschöpft oder müde.
- Es hat Probleme, gehörte Wörter korrekt und fehlerfrei zu schreiben, verwechselt etwa Anfangs- oder Endlaute (z. B. d/t oder b/p).
- Gleiche Wörter werden immer wieder unterschiedlich geschrieben.
- Das Kind verfügt über einen guten Wortschatz und kann sich gut ausdrücken, schafft es aber nicht, das Gehörte fehlerfrei niederzuschreiben.
Diese Anzeichen können in der Grundschule auftreten, sofern körperliche Ursachen wie Seh- oder Hörstörungen ausgeschlossen sind.
Wann sollten Eltern handeln?
Bemerken Eltern über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg anhaltende Schwierigkeiten, sollten sie aktiv werden und eine LRS-Diagnostik anstreben. Sie sollten nicht abwarten, bis die Schule handelt, sondern die Lese- und Schreibentwicklung ihres Kindes selbst im Blick behalten. Grundschullehrer:innen erkennen LRS-Probleme nicht immer, und auch LRS-Testungen sind nicht immer aussagekräftig. Fällt das Kind auf und erhält eine LRS-Feststellung an einem Stützpunkt, ist das ein erster Schritt. Doch nicht alle Feststellungsverfahren sind präzise genug. Bei Unsicherheit – besonders bei medizinischen oder neurologischen Erkrankungen oder komplexen Entwicklungsverläufen (z. B. Frühgeburten) – ist der Besuch in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) eine sinnvolle Ergänzung zur schulpsychologischen Untersuchung. Manche Fälle sind komplexer, als ein Standardverfahren erfassen kann. Diese differenzierte Herangehensweise ist besonders wichtig für die Einschätzung der schulischen Laufbahn. Nicht immer ist eine LRS-Klasse die beste Lösung: Für manche Kinder bedeutet der Wechsel eine emotionale Belastung, für andere kann sie eine Entlastung sein.
Tipps, um seelische Folgen bei LRS zu vermeiden
- Verständnis und Mitgefühl zeigen: Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es mit seiner LRS nicht allein ist.
- Offenheit in der Familie: Wenn Eltern ähnliche schulische Erfahrungen gemacht haben, hilft ein ehrlicher, schamfreier Austausch, das Kind seelisch zu entlasten.
- Entwicklung dokumentieren: Beobachten und notieren Sie Fort- und Rückschritte in der Lese- und Schreibentwicklung.
- Dialog mit der Schule: Sprechen Sie offen mit Lehrern über die Schwierigkeiten Ihres Kindes.
- Achtung bei seelischen Warnsignalen: Bei anhaltenden Ängsten, depressiven Verstimmungen, Wut oder Rückzug sollte ärztliche oder therapeutische Hilfe gesucht werden.
- Externe Unterstützung: Werden die Probleme von der Schule nicht ernst genommen oder erscheint diese überfordert, suchen Sie aktiv externe Beratung auf.
Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, ob Kinder mit LRS seelisch gesund aufwachsen oder psychische Probleme entwickeln. Frühe Hilfe ist entscheidend: Je eher eine LRS erkannt und bewältigt wird, desto besser. Ihr Kind verdient es, die Schulzeit ohne seelische Folgen zu meistern. Werden Sie aktiv – wir unterstützen Sie gerne!

