Kommentar von Lars-Michael Lehmann
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(c) Legasthenie Coaching

Nicht nur Bildungsforscher und Sprachwissenschaftler, beobachten, dass die Kinder heutzutage, zu wenig mit der Hand schreiben. Scheinbar wird kaum darauf Wert gelegt, den Schriftspracherwerb in der Schule mit dem Füller und verbundener Schrift zu vermitteln. Dies könnte nach unserer Kenntnis, auch ein wesentlicher Umweltfaktor sein, warum sehr viele Grundschüler Lese-Rechtscheibschwächen (LRS) erwerben und die wirklichen Legastheniker (Dyslexie) in der Grundschulzeit nicht differenziert erkannt werden.

Wir haben schon von Grundschulklassen in Dresden gehört, wo 6 Kinder scheinbar eine LRS hatten. Statistisch gesehen, sind 2-3 Kinder, die von einer Legasthenie betroffen sind, der Durchschnitt. Wenn man mit Eltern und anderen Fachleuten spricht, scheint das Problem, immer mehr zuzunehmen, dass Kinder in der Grundschulzeit Lese-Recht-Schreibprobleme (LRS) entwickeln.  Diese dürfen nicht generell mit einer Legasthenie in Verbindung gebracht werden. Leider macht sich das Schulwesen häufig sehr einfach, weil LRS nur das Synonym für alle Schwächen im Schriftspracherwerb bedeutet.  Es ist nur eine symptomatische Feststellung der Problematik! Aber, wo sind die Ursachen zu suchen?

Das Kinder mit Legasthenien (Dyslexien) im Grundschulalter in Verbindung mit Umweltfaktoren und erbliche Probleme in der sprachlichen Verarbeitung etc. im Zusammenhang stehen, triff den breiten Konsens, der Forschung. Daher ist schon seit vielen Jahren das Thema Differenzierung dieser Schwächen „LRS und Legasthenie“, ein größerer Streitpunkt in der deutschsprachigen Fachwelt. Dieser ist, noch lange nicht beendet! International gibt es Aussagen, die für eine Unterscheidung der Ursachen von Schwächen im Schriftspracherwerb bestätigen.

Sieht mach sich internationale Aussagen von Wissenschaftlern an, gibt es besonders für unsere Industrienationen, verschiedene Indizien, die für einen Erwerb von Schwächen mit dem Lesen und Schreiben hindeuten. Hier wird auf eine unzureichende synaptische Verschaltung beider Hirnhälften  und unzureichender pädagogischer Förderung hingewiesen, die neben soziokultureller Umweltbedingungen in Verbindung stehen sollen. Diese Probleme, können bei Kindern im Kindergarten gemacht werden. 70 Prozent der Kinder bringen nicht die motorischen Voraussetzungen mit, um kleine Schleifen, Schlangen- oder Zickzacklinien, wie bei der Schreibschrift verbinden können. Auf ähnliche Beobachtungen weißt, Stephanie Müller (Bildungsforscherin Mediastep, Nürnberg) hin. Diese könnten, ein Indiz für die Erwerbsfaktoren von LRS sein, die diese, vorübergehenden Schwächen mit großer wahrscheinlich im Gegensatz zur Legasthenie, fördern.

Als weitere Faktoren spielen, die Förderung in der Vorschule im Kindergarten, wie auch in der Grundschule, eine wesentliche Rolle. Hier in Dresden und Sachsen haben wir bisher verschiedene Beobachtungen gemacht, dass Kinder mit unterschiedlichen didaktischen Methoden, Schreiben lernen. Uns fällt auf, dass es sehr große Unterschiede gibt. Es sind wenige Kinder, die keine Probleme mit dem handschriftlichen Schreiben haben. Daher könnten die Probleme, die Frau Müller kürzlich beschrieben hat, durchaus, die Realität der Praxis treffen.

Nicht selten, wird das flüssige Schreiben an den Schulen zu wenig gefördert. Da spielt die Schulform oder Trägerschaft, nach unserer Beobachtung keine wirkliche Rolle. Nur das häufiger reformpädagogische Richtungen (Montessori oder Waldorf), manchmal noch weniger Wert auf den Schriftspracherwerb legen, als andere. Es wird an den Schulen allgemein zu wenig mit der Hand geschrieben. Unterhält man sich mit Sprachwissenschaftlern, kommt man zu einen sehr ähnlichen Ergebnis, nämlich, dass eine zusammenhängende Schreibschrift wichtig für das Erlernen des Laut-Buchstaben-Bezuges ist. Dies wird zusätzlich, durch die strittige Schweizer-Methode (vom Hören, zum schreiben) in der Grundlagenvermittlung an den Grundschulen häufig zusätzlich vernachlässigt. So besteht die Gefahr, dass wesentlich mehr Kinder eine LRS erwerben werden. Der Legastheniker, der eine umfassendere Hilfe braucht, wird dadurch übersehen. Daher kann, die Beschulung einer LRS-Klasse in der Grundschule nicht funktionieren, was ein weiteres Argument, dagegen wäre.

Da muss man sich nicht wundern, dass unsere Kinder vermutlich mehr Rechtschreibprobleme haben, als vielleicht Generationen zuvor. Und die Grundschüler mit einer Legasthenie werden, nicht richtig erkannt!

Nach unserer Sicht, ist es sehr wichtig, dass die Kinder, eine flüssige Schreibschrift erlernen, um auch die korrekte Rechtschreibung zu verinnerlichen. Das vertieft (synaptische Verknüpfung) das gelernte wesentlich besser, als wenn man Kindern das Schreiben am Computer vermittelt. Kinder müssen, die Schreibschrift beherrschen, um vernünftig die Rechtschreibung erlernen zu können. Das sind die basalen Grundlagen, die Kinder in der Grundschulzeit erhalten müssen. So könnten viele Faktoren, die einen Erwerb von LRS fördern, präventiv kompensiert werden.

Was nicht heißen soll, das unsere Kinder mit den modernen Medien, umgehen sollen. Medienkompetenzen sind für Schülern wichtig. Sie müssten nur, an der richtigen Stelle angesetzt werden, wenn Beispielsweise gelernte Grundlagen spielerisch verinnerlicht werden. Hier kann der PC zum Spaß- und Motivationsfaktor eingesetzt werden. Er sollte nur nicht das Schreiben lernen mit der Hand ersetzten, damit tun wir unseren Kindern keinen gefallen!

Daher ist für die Entwicklung der Kinder eine umfassende Förderung schon in der Vorschule notwendig. Besonders auch die motorische Förderung, die neben anderen wichtigen Faktoren für den Schriftsprachwerb notwendig sind.

4 Min LesezeitKommentar: Unsere Grundschüler schreiben zu wenig mit der Hand
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