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3135964384_ec7d566b7c_oDer geschätzte Journalistenkollege Ralph Gehrke, betitelte seine Meinung bei der WELT: Willkommen in der Republik der Legastheniker.“ Sicherlich ist die Wahrnehmung richtig, dass wir an unseren Schulen immer mehr Schüler mit Schwachen Lese- und Rechtschreibkompetenzen haben – diese Beobachtung machen wir auch. Dies hat aber nichts damit zu tun, dass dies alles Legastheniker sind! Hier spricht man korrekterweise von erworbenen Lese-Rechtschreibschwächen!

Um es richtigzustellen, müsste es heißen: Willkommen in der Republik der produzierten Lese-Rechtschreibschwachen (LRS)! Denn Legastheniker haben richtigerweise nichts mit erworbenen Lese-Rechtschreibschwachen zu tun. Sondern sie haben von Natur aus mit den Schriftspracherwerb komplexere Probleme, die bis heute nur teilweise erforscht sind. Sicherlich fördert unsere gegenwärtige Situation im Bildungswesen die Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb noch mehr – weil, Schulen kaum in der Lage sind sich dem Thema differenziert zu widmen, an Schulen ist alles LRS, was bei Kindern Lese- und Rechtschreibprobleme macht. Die Pharmanahnen Selbsthilfeverbände (Bundesverband Legasthenie) stufen alle als therapiebedürftige Lese-Rechtscheibgestörte (Legastheniker!) ein – beides ist falsch!

Und wenn dann der unbedarfte Laie solche Meinungen in großen Tageszeitungen liest, trägt es nicht zur Aufklärung bei. Mit Sicherheit hat sich der Umgang mit der Schriftsprache durch die Nutzung neuer Medien, verändert. Und scheinbar hat sich allgemein die Qualität des Deutschunterrichts an unseren Schulen auch verändert, oder gar verschlechtert. Das sind aber überwiegend Umweltbedingungen, die mit erblichen Anlagen, wie der Legasthenie (Dyslexie) nichts zu tun haben. Schüler die deswegen nicht richtig erkannt werden, bekommen noch mehr Probleme. Denn erkennt man nicht die Ursachen der Probleme, können langfristig handfeste Verhaltensprobleme daraus werden. Unabhängig von LRS oder Legasthenie!

Nach unserer Sicht, ist eine Schule erst gut, wenn sie einen sehr guten Deutschunterricht liefert. Trotzdem ist dann die Problematik Legasthenie oder LRS nicht aus der Welt geschafft, sondern man bekäme vielleicht einen besseren und differenzierteren Blick auf die Probleme der Schüler – denn meisten ist LRS ein hausgemachtes Problem!

Eine gute Schule steht und fällt, nach unserer Meinung mit einen vernünftigen systematischen Deutschunterricht. Egal, ob die Schule privat oder öffentlich ist.

Unser Fazit:

Unsere Medien haben wenige Sachkenntnisse über unsere Problematik als Legastheniker zu berichten, das Thema ist zu komplex. Das immer wieder eine vernünftige Rechtschreibkompetenz angemahnt wird, ist richtig und wichtig. Denn sie wird künftig nicht unwichtiger werden – wer meint, dass diese unwichtig wäre, ist auf dem Holzweg, auch wenn moderne Technologien vieles einfacher machen. Damit besteht auch die Chance als Legastheniker gute Texte zu schreiben, wenn er nur die richtige didaktische Kompetenz vermitteln bekommt – denn was will man denn bei einem Legastheniker therapieren? Legastheniker zu sein, bedeutet nur mit einen speziellen Merkmal oder Begabungsprofil zu lernen. Denn es gilt sich auf die Kompetenzen zu konzentrieren! Nicht wenige haben gute Fertigkeiten, die unsere Gesellschaft braucht. Daher kann man auf solche oberflächlichen Medienberichte verzichten, auch wenn sie die Symptome und Umweltprobleme unseres Bildungs- und Gesellschaftsumfeldes grob anreißen.

 

2 Min LesezeitKommentar und Richtigstellung: Willkommen in der Republik der produzierten Lese-Rechtschreibschwachen (LRS)!