Die familiäre Häufigkeit von Lese-Rechtschreib-Schwächen

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*LRSR-Elternfragebogen

In der wissenschaftlichen Literatur wird schon seit vielen Jahrzehnten diskutiert, ob die Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten in Familien häufiger vorkommen können und andere Schwächen wiederum erworben sein können.

Unsere nichtrepräsentative Stichprobe deutet darauf hin, dass rund 58 Prozent aller Lese-Rechtschreib-Schwächen häufiger in Familien auftreten. Bei jeweils 16 Prozent der Befragten hatten Vater bzw. Mutter ähnliche Schwächen in der Schule. Dann folgen die Großeltern (Opa 8 Prozent, Oma 5 Prozent), Geschwister (Bruder und Schwester jeweils 6 Prozent), Cousins mit 5 Prozent und Cousinen mit 7 Prozent. Dazu kommen Onkels (10 Prozent) und Tanten (1 Prozent), was insgesamt für eine familiäre Häufung spricht. Bei dieser Schwäche spricht man von Legasthenie (Dyslexia).

Rund 42 Prozent der Eltern gaben „es sind keine Probleme bekannt“ an. Hier kann man davon ausgehen, dass diese Lese-Rechtschreib-Probleme erworben worden sind, die man fachlich richtig als erworbene LRS bezeichnet.

Aus anderen Studien ist uns bekannt, dass rund 50-70 Prozent aller Lese-Rechtschreib-Schwächen von familiären Häufungen herrühren (Schulte-Körne, Warnke & Remschmidt, 2006). Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man bei einer größeren Fallzahl ähnliche Ergebnisse erzielen könnte. Vermutlich gibt es bei der familiären Häufigkeit ungenaue Ergebnisse, weil sich einige Elternteile ihrer eigenen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten nicht bewusst sind.

Es wird deutlich, dass die Annahme bestätigt werden kann, dass eine Legasthenie in einer familiären Häufung sozusagen erblich bedingt ist. Andererseits gibt es Einflussfaktoren, die Lese-Rechtschreib-Schwächen begünstigen können. Dann spricht man von erworbenen Lese-Rechtschreib-Schwächen, die durch soziale Umweltbedingungen begünstigt worden sind (Lehmann & Feldt, 2018).

Quellen:

Lehmann, L. M. & Feldt, S. (2018). LRS und Legasthenie? – Das Ursachen- und Wechselwirkungsmodell der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Zugriff am 14.5.2019. Verfügbar unter: https://www.legasthenie-coaching.de/lrs-und-legasthenie/

Schulte-Körne, G., Warnke, A. & Remschmidt, H. (2006). Übersichtsarbeit – Zur Genetik der Lese-Rechtschreibschwäche. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 34, 435–444.