2019 – Ein kurzer Rückblick

Auch 2019 haben wir uns an unserem Institut mit der praktischen Arbeit (Beratung, Diagnostik und lerntherapeutische Einzelförderung) und unserer Forschung beschäftigt.

Die praktische Arbeit war für unser gesamtes Team herausfordernd und lehrreich. Wie in jedem Jahr konnten wir unsere fachlichen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen vertiefen.

Es macht besonders viel Freude unsere Schützlinge praktisch in der Förderung zu begleiten. Und wenn sich dann schrittweise Lern- und Entwicklungsfortschritte zeigen, ist es der Lohn der ausdauernden und häufig anstrengenden Arbeit. Auch wenn uns die Arbeit viel Freude macht, muss man ehrlich sagen: Sie erfordert nicht nur akademisches Know-how, sondern manchmal auch Nerven, die dicken Stahlseilen ähneln. Eine LRS oder Legasthenie verursacht bei unseren Schützlingen oft vielseitige persönliche Probleme. Hier braucht es Geduld und Einfühlungsvermögen, wenn bspw. der Schüler X in seiner Grundschulklasse gemobbt wurde und deswegen eine ablehnende Haltung zeigt. Hier sind die kleinen Schritte wichtig und die emotionale Unterstützung, um kleine Schritte vorwärts zu gehen. Wenn sich dann nach ein paar Monaten Fortschritte im flüssigen Lesen zeigen und diese Beobachtungen von der Schule reflektiert werden, sind wir ermutigt, die Lernprobleme des Kindes richtig eingeschätzt zu haben. Das erleben wir bei den meisten unserer Schützlinge. Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten können nur mit langjähriger Expertise auf diesem Gebiet bewältigt werden. Hier kommt uns die langjährige Erfahrung unseres Gründers zugute. Aber das ist nur ein Aspekt unserer Arbeit. Unser Arbeitsalltag ist deutlich komplexer!

Jetzt wollen wir etwas über unseren Forschungsalltag berichten. Dieser verdeutlicht uns immer wieder, dass man im Bereich der Sozialforschung (Legasthenieforschung) noch immer wenig über unser Arbeitsgebiet weiß, besonders wenn man die familiären Umweltbedingungen (familiäre Sozialisation, Milieu, Lernanreize, familiäre Rollen etc.) betrachtet. Allein dieser Bereich ist in der Forschung derzeit wenig präsent oder nur ein Randthema in der Psychologie. Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass dies ein blinder Fleck der internationalen Legasthenieforschung ist. Es wird deutlich, dass wir in diesem Bereich eine wichtige Pionierarbeit leisten. Im Jahr 2019 haben wir mit der Hilfe unseres Assistenten Herrn Haenel 30 leitfadengestützte narrative Interviews vollständig transkribieren können.  Das war auch unser Ziel. Wir hatten 4 Forschungswerkstätten mit Herrn Lehmann und Herrn Feldt und konnten dabei die Interviews einer groben strukturellen Inhaltsanalyse unterziehen. Es war eine intensive Auseinandersetzung mit den Interviews, um schrittweise eine wissenschaftlich begründete Theorie der Ursachen und Wechselwirkungen der Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten im Kindes- und Jugendalter zu entwickeln. Hier sind wir schon deutlich vorangekommen. Weitere Schritte folgen 2020.

Wir haben noch viel mehr in unserer Arbeit erlebt und sind gespannt, wie sich die Arbeit unseres Instituts in Forschung und Praxis entwickeln wird. Bei Neuigkeiten berichten wir wieder hierzu.