Einladung zur Studienumfrage: Berufliche Laufbahn von Menschen mit Legasthenie

Frau Chiara Thill von der Medical School Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Corinna Jung möchte in ihrer Studie zur Masterarbeit der Frage nachgehen: Möglichkeiten und Chancen auf eine frei wählbare berufliche Laufbahn von Menschen mit Legasthenie. Die Thematik ist bis heute sehr präsent in unserer Gesellschaft und deswegen habe ich großes Interesse daran zu forschen, um gegen die Stigmatisierung dieser Personengruppe vorzugehen. Das Ziel dieser Forschung ist eine Rückmeldung von Legasthenikern und Legasthenikerinnen zu erhalten, um somit eine bessere Aufklärung für die Gesellschaft zu erzielen.

Die Zielgruppe sind Erwachsene mit Legasthenie, die zwischen 18 und 30 Jahren sind. Hier folgt der Link zur Studie https://cj2302.customervoice360.com/uc/msb-ct-22021501/597e/  wir freuen uns über Ihre Teilnahme.

 

Ankündigung Büroumzug: Bamberger Str. 7 in 01187 Dresden

Ankündigung Büroumzug: Bamberger Str. 7 in 01187 DresdenWir haben gute Neuigkeiten. Ab 01.10.2022 können wir unsere neuen Räumlichkeiten auf der Bamberger Str. 7 in 01187 Dresden anmieten. Dann haben wir etwas mehr Platz und Komfort in unseren Räumlichkeiten.

Bei der Suche nach der richtigen Immobilie begleitete uns die Firma Beate Protze Immobilien GmbH aus Dresden, die schon seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner für uns als gemeinnützige Einrichtung sind.

Wir bedanken uns beim Team von Beate Protze Immobilien für die gute Zusammenarbeit.

Ein Umzugsunternehmen haben wir auch schon, die Firma VÖLKEL & GÜNTHER hat für unseren Umzug einen guten Preis vereinbart hat.

Weitere Informationen folgen als Update auf dieser Seite.

 

Auf Arbeit ist Legasthenie ein Stigma

Auf Arbeit ist Legasthenie ein StigmaIm persönlichen Leben kommt es oft zu einer Stigmatisierung legasthener Menschen. Viele Arbeitgeber können die vielfältigen Probleme der Legastheniker im Arbeitsumfeld nicht nachvollziehen. Deshalb ist die Legasthenie auch auf der Arbeit häufig mit einem Stigma behaftet.

Erwachsene Legastheniker finden sich in der Arbeitswelt mit ihren Stärken im fachlichen Umfeld und den dazu vorhandenen Schwächen beim Lesen und Schreiben nur selten richtig verstanden und wahrgenommen. Einerseits werden sie häufig als „Behinderte“ wahrgenommen, andererseits wissen nur wenige Arbeitgeber, was es tatsächlich bedeutet legasthen zu sein. Hier ist noch viel Aufklärung nötig.

Deshalb wagen Betroffene sich nur selten in der Arbeitswelt als Legastheniker zu outen. Sie schämen sich, ihre Schwäche dem Arbeitgeber mitzuteilen. Aber jeder, der dieses Stigma in seinem Leben bewältigt, hat gute Chancen, die Schwierigkeiten im Arbeitsumfeld zu kompensieren. Dafür braucht es gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Nur wenige Betroffene wollen als „Behinderte“ wahrgenommen und verstanden werden. Der größte Teil nimmt sich als normal wahr und versucht seine spezielle Lese-Rechtschreib-Schwäche zu akzeptieren. Die im Berufsleben Erfolgreichen haben sich vor allem auf ihre Stärken konzentriert, sodass die vorhandene Legasthenie nicht als störend wahrgenommen wurde. Das betrifft viele versierte Handwerker, Rechtsanwälte, Chefärzte oder erfolgreiche Unternehmer.

Häufig war das familiäre Umfeld der Betroffenen maßgeblich dafür verantwortlich, welches sie in der frühen Kindheit unterstützt und gefördert hat. Dadurch konnten sie gute Fähigkeiten zur Kompensation ihrer Schwäche erwerben und sie sind deshalb psychisch stabil geblieben. Viele Menschen, die ein solch stützendes Umfeld nicht erlebten, wurden dagegen unsicher und instabil. Sie erlebten ihre Legasthenie häufig als Stigma, was sich dann auch im Berufsleben niederschlagen kann.

Das Leben legasthener Menschen verläuft wie bei allen anderen Menschen recht unterschiedlich, das zeigt sich in ihren Kindheiten, der schulischen wie beruflichen Ausbildung genauso wie in den beruflichen Kontexten. Daher wird auch ein mögliches Stigma von ihnen sehr unterschiedlich erlebt.

Haben Betroffene ihre berufliche Passion gefunden, empfinden sie ihre Schwäche nicht so stark, als wenn sie in Berufen arbeiten müssen, die nicht ihren Fähigkeiten und Begabungen entsprechen. Manche Betroffene werden vom Arbeitsamt / Jobcenter in Maßnahmen gesteckt, die für sie unpassend sind. Wenn die Berufsberater sich nicht mit den Chancen und Schwierigkeiten der Betroffenen auskennen, kann das für diese wirklich zu einem erlebten Stigma werden. Dagegen wird der Tischlergeselle, der seine Leidenschaft in seinem Beruf ausleben kann, diese Erfahrungen nicht als Ablehnung erleben. Denn er fokussiert sich auf seine handwerklichen Fertigkeiten, also seine natürlichen Ressourcen. Der Fokus auf die vorhandenen Fähigkeiten mindert das Risiko eines Stigmas.

Viele Arbeitgeber kennen sich mit dem Thema Legasthenie nicht aus. Jeder Betroffene muss sich selbst für seine Rechte starkmachen. Dabei kann ein offenes und ehrliches Gespräch mit dem Chef von großem Nutzen sein. Man sollte dabei nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern sich um eine vertrauensvolle Atmosphäre bemühen. Dann hat man eine gute Chance, dem Arbeitgeber von seinen Schwierigkeiten beim fehlerfreien Schreiben oder dem Verständnis gelesener Texte zu berichten.

Das Outing der Legastheniker gegenüber dem Arbeitgeber ist nicht immer einfach, denn die Arbeitswelt der Betroffenen ist sehr unterschiedlich. Allgemein ist das Arbeitsumfeld gegenüber Menschen mit verschiedenartigen Handicaps heutzutage toleranter geworden. Aber vor allem in der freien Wirtschaft ist das noch ein großes Problem.

Es gibt kein Patentrezept, wie man eine Stigmatisierung der Betroffenen im Arbeitsumfeld vermeiden kann. Ihre Voraussetzungen sind auch hier sehr unterschiedlich, zum Beispiel ob sie Firmengründer sind oder als Angestellte arbeiten. Hier wäre ein gezieltes Coaching sinnvoll, um sich individuell gute Werkzeuge und Hilfestellungen zu erarbeiten. Das können Arbeitgeber und Betroffene gemeinsam angehen.

Ist eine Legasthenie heilbar?

 Ist eine Legasthenie heilbar? In der Fachwelt und in der Öffentlichkeit wird häufig die Frage diskutiert, ob die Legasthenie als spezielle veranlagte Lese-Rechtschreib-Schwäche heilbar ist. Dazu gibt es eine klare Antwort: NEIN! Aber sie ist mit verschiedenen Hilfsmitteln bzw. einer intensiven Lerntherapie und entsprechendem Training gut zu kompensieren. Daraus ergibt sich eine andere und bessere Fragestellung: Wie kann man die Legasthenie bewältigen, dass sie nicht zu einer seelischen Behinderung wird und dass die Betroffenen entsprechend ihrer Ressourcen in die Gesellschaft integriert werden?

Die Legasthenie ist eine kompensierbare Schwäche. Dieser Aussage können wir sowohl aus der fachlichen als auch aus der persönlichen Perspektive der Betroffenen eindeutig zustimmen. Andererseits ist es wichtig, diese Schwäche als einen normalen Zustand des Lebens anzunehmen. Legastheniker können in nichtsprachlichen Bereichen vielfältige und gute Begabungen haben, aber sie sind von Natur aus schriftsprachlich nicht talentiert. Sie werden keine Sprachwissenschaftler werden, aber vielleicht werden sie gute Ingenieure, Lehrer, Erzieher, Tischler oder Wissenschaftler auf anderen Gebieten. Nicht die Heilung der Legasthenie sollte im Mittelpunkt stehen – das ist verlorene Liebesmüh –, sondern die Kompensation ihrer Schwäche steht für die Betroffenen im Zentrum aller Bemühungen.

In der Fachwelt wird oft argumentiert, dass die Legasthenie eine Krankheit sei, weil sie im Manual der ICD-10 als psychisches Störbild aufgelistet wird. Das liegt vordergründig an der Forschungsgeschichte der Legasthenie, die mehrheitlich medizinisch und nicht fachübergreifend war. Es ist ein sehr umstrittenes Thema, ob man die Legasthenie als Krankheit oder Behinderung auffasst. Da es ja Therapien gibt, wird oft ohne weitere Vorkenntnisse angenommen, dass die Legasthenie heilbar ist. Doch das ist falsch. Bisher gibt es nur verschiedene Methoden, diese Schwierigkeiten zu kompensieren. Diese sind von Fall zu Fall unterschiedlich, da sich die Legasthenie bei den Betroffenen in verschiedenen Symptomen ausdrückt. Wird die Legasthenie nicht in der Kindheit erkannt und durch gezielte Förderung und Lerntherapie ausgeglichen, besteht eine reelle Gefahr, dass die Betroffenen zusätzliche seelische Probleme entwickeln. Diese führen dann zu stärkeren seelischen Belastungen und in manchen Fällen können auch chronische psychische Erkrankungen wie Depression oder Burn-out auftreten.