eltern lrs

Eine fachliche Einordnung des Legasthenie-Experten Lars Michael Lehmann

Ein verlockendes Angebot – aber hält es, was es verspricht?

Ein 7-Tage-LRS-Intensivtraining für Kinder mit Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS): Für viele Eltern klingt das nach der lang ersehnten Lösung. Sie fragen uns als Experten: „Bringt so ein Training wirklich etwas?“

Aus wissenschaftlicher Perspektive und als selbst Betroffener mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Lerntherapie sage ich klar: Nein. Eine LRS ist zu komplex, als dass sie sich mit einem kurzfristigen Intensivkurs „wegtrainieren“ ließe. Doch warum boomen solche Angebote – und worauf müssen Eltern achten?

Warum Eltern nach schnellen Lösungen suchen

Die Beweggründe sind nachvollziehbar:

  • Vermeidung von LRS-Klassen: Viele Eltern wollen ihr Kind nicht aus dem gewohnten schulischen Umfeld herausreißen.
  • Schnelle Fortschritte: Der Wunsch, dem Kind zügig zu helfen, ist groß – besonders, wenn die LRS nicht richtig eingeordnet wird.
  • Hoffnung auf „Reparatur“: Oft wird LRS wie ein technisches Problem behandelt, das sich mit Nachhilfe oder einem Crashkurs beheben lässt.

Doch die Realität sieht anders aus: LRS ist keine Wissenslücke, sondern eine Teilleistungsschwäche – ähnlich wie Dyskalkulie. Sie erfordert langfristige, individuelle Förderung, keine Schnellschuss-Lösungen.

Die Grenzen von 7-Tage-Intensivtrainings

1. Oberflächlichkeit statt Nachhaltigkeit

  • LRS betrifft phonologische Bewusstheit, Arbeitsgedächtnis, emotionale Blockaden und mehr.
  • Ein 7-Tage-Kurs kann allenfalls erste Impulse setzen – aber keine tiefgreifenden Strategien vermitteln.

2. Risiko der Überforderung

  • Kinder mit LRS brauchen Geduld, Sicherheit und Stressfreiheit.
  • Intensivtrainings können Ängste verstärken, wenn der Druck zu hoch ist.

3. Fehlender Transfer in den Alltag

  • Gelerntes muss im Schul- und Familienalltag verankert werden.
  • Ohne Nachbetreuung verpuffen Effekte oft schnell.

4. Unseriöse Anbieter mit wirtschaftlichen Interessen

  • Achtung: Nicht alle Trainings sind wissenschaftlich fundiert!
  • Manche nutzen die Verzweiflung von Eltern aus und versprechen unrealistische Erfolge.

Worauf Eltern achten sollten

Wenn Sie ein Intensivtraining in Betracht ziehen, prüfen Sie unbedingt:
 Wissenschaftliche Fundierung: Arbeitet der Anbieter mit anerkannten Methoden (z. B. Reuter-Liehr, Marburger Rechtschreibtraining, Lesikus, Seleco, AFS, Lautgetreuer Leselehrgang)?
 Individuelle Diagnostik: Wird das Kind vorher genau getestet, um passende Übungen auszuwählen?
 Qualifikation der Fachkräfte:

  • Sind sie vom BVL oder EÖDL zertifiziert?
  • Haben sie mindestens 10 Jahre Berufserfahrung?
  • Eigene Forschungsexpertise?
  • Sind sie als Experten anerkannt?
     Nachbetreuungskonzept: Wie wird sichergestellt, dass Fortschritte langfristig gesichert werden?

Was wirklich hilft: Mein streckenorientierter Ansatz

Als Legasthenie-Experte setze ich auf:

  1. Individuelle Förderung – kein Kind ist gleich!
  2. Einbindung der Familie – Eltern, Schulen und Therapeuten müssen zusammenarbeiten.
  3. Stärkenorientierung – jedes Kind hat einzigartige Fähigkeiten (auch mit LRS!).
  4. Geduld und Wertschätzung – LRS ist kein Defizit, sondern eine Herausforderung, die Schritt für Schritt gemeistert wird.

Kurze Intensivtrainings? Können sinnvoll sein – aber nur als Baustein in einem langfristigen Förderplan.

Fazit: Kein Wundermittel, aber ein mögliches Werkzeug

Ein 7-Tage-LRS-Intensivtraining ist kein Allheilmittel. Es kann erste Impulse geben – aber keine nachhaltige Lösung bieten. Eltern sollten kritisch hinterfragen, ob das Training wissenschaftlich fundiert ist und seriöse Fachkräfte dahinterstehen.

Meine Empfehlung:

  • Vorsicht vor unseriösen Anbietern – fragen Sie nach Zertifikaten und Erfahrung!
  • Setzen Sie auf langfristige Begleitung – LRS ist ein Marathon, kein Sprint.
  • Stärken Sie Ihr Kind emotional – Selbstvertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg.

Hören Sie sich gern unserem Legasthenie-Coaching-Podcast an