LRS und Legasthenie?

LRS und LegasthenieLRS und Legasthenie?

LRS und Legasthenie sind Begriffe die wir aus der Öffentlichkeit kennen.  Es gibt bis heute viele  Fehlinterpretationen in der Fachwelt sowie im Bildungswesen. Seit etwa 130 Jahren werden LRS und Legasthenie erforscht. Bis heute wird die gesamte Problematik sehr einseitig aus medizinisch-psychologischer Sicht als Lese-Recht-Schreibstörung betrachtet. Diese Fehleinschätzung führte dazu, dass den Betroffenen bis heute nicht die bestmögliche Förderung zu Teil wird: Hilfe, die ihnen hilft, ihre Probleme nachhaltig zu bewältigen.

Die widersprüchliche Definition der WHO im »Manual der ICD-10 der psychischen Störungen« wird noch immer von vielen Fachleuten kritiklos übernommen.  Sie übersehen welchen Schaden es für die psychosoziale Entwicklung bedeuten kann, wenn ein Lese-Recht-Schreibschwacher (LRS) und Legastheniker, als behindert oder krank eingeordnet wird. Schon im Grundschulalter absolvieren Betroffene, einen meist vergeblichen Test- und Therapiemarathon, weil sie Probleme mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen aufweisen. Häufig wirkt sich dieser nachteilig auf die Betroffenen aus.

 Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)

LRS ist ein Containerbegriff unter dem im Bildungswesen alle möglichen Schwächen mit dem Lesen und Schreiben grob zusammengefasst werden. Hier findet keine Differenzierung statt! Daher ist diese pädagogische Bestimmung für eine umfassende Diagnostik und Förderung der Betroffenen nicht geeignet. LRS-Klassen sind wissenschaftlich umstritten, weil hier die genaueren Ursachen der verschiedenen Lese- und Rechtschreibschwächen nicht untersucht werden. Dies ist aber die Voraussetzung für eine gezielte pädagogische Förderung. Diese Art der Behandlung der Legasthenie oder LRS kann für einen Hilfesuchenden irreführend sein. Eine spezielle pädagogisch-didaktische Förderung ist unumgänglich.

 Bis heute gibt es keine Studien, die eine Heilung oder erfolgreiche Therapie belegen. Im besten Fall konnten Schwächen kompensiert werden. Im Kindesalter kann man bis heute nur die Begleitsymptome wie Aussprache, Hörverarbeitung, Blicksteuerung sowie Fein- und Grobmotorik mittels Logopädie und Ergotherapie o. Ä. behandeln.

 Legasthenie (Dyslexie)

Eine Legasthenie ist überwiegend auf eine normale genetische Veranlagung zurückzuführen. Einer der Pioniere der Legasthenie-Forschung ist Norman Hinshelwood. Er beobachtete im 19. Jahrhundert eine häufiges auftreten innerhalb der Familie und schloss daraus schon damals den Verdacht einer erblichen Veranlagung.

 Heute ist man in der Forschung deutlich weiter und geht davon aus, dass sowohl genetische Anlagen als auch Umweltfaktoren zu einer Legasthenie führen können. Beide Einflussfaktoren, Genetik und Umwelt, können sich sowohl auf Seh- als auch auf die Hörverarbeitung auswirken. Unter bestimmten Voraussetzungen in einer komplexen Begebenheit kann es im Laufe der Sprachentwicklung schließlich zu einer Legasthenie kommen. Legasthenie sieht man heute als eine vielschichtige Schwäche in der Verarbeitung sprachlicher Informationen an.

Eine Dyskalkulie resultiert wahrscheinlich aus ähnlichen Umständen. In der Praxis beobachten wir  häufig eine Kombination aus Dyskalkulie und Legasthenie. Studien zeigen, dass 40 bis 70 Prozent der Kinder mit einer Legasthenie auch eine Dyskalkulie aufweisen. Die genaueren Zusammenhänge beider Veranlagungen müssen noch im Detail erforscht werden.

Eines steht daher fest: Diese Schwierigkeiten haben nichts mit Faulheit oder Dummheit zu tun. Sie hängen auch nicht am sozialen Umfeld, Kulturkreis oder einer mangelhaften Bildung. Sie sind nichts anderes als eine Normvariante menschlicher Intelligenz, die spezielle Förderung benötigt.

 Nicht jede Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) bedeutet Legasthenie

Im deutschsprachigen Raum wird nur unzureichend zwischen den Ursachen und Wirkungen unterschieden, die mit Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens einhergehen.

Einige Autoren weisen darauf hin, dass Lese-Rechtschreib-Schwächen, die nicht aus einer familiären Veranlagung resultieren, auch erworben sein können. Übermäßiger Medienkonsum, umstrittene Unterrichtsmethode (wie zum Beispiel dem Schweizer Modell) in der frühen Schulzeit, aber auch der eine fehlende Motivation zum Lesen und Schreiben können eine Lese-Rechtsschreib-Schwäche verursachen. Diese erworbenen Schwächen erweisen sich meist als vorübergehend.

Probleme im psychosozialen Verhalten können ebenfalls eine Rolle beim Erwerb einer LRS spielen und die Probleme verstärken.

Anderseits gibt es Erkrankungen der Augen und Ohren, sowie Probleme mit der geistigen Entwickelung, die ganz ähnliche Lernprobleme – speziell im Kindesalter – verursachen können. Diese haben jedoch nichts mit einer Legasthenie zu tun.

Verschiedene Wissenschaftler weisen darauf hin, dass eine differenzierte Herangehensweise in Diagnostik und Förderung notwendig ist. Man kann den Betroffenen nur helfen, wenn man auch die genauen Ursachen und Symptome richtig einschätzte.