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In der populären wissenschaftlichen Literatur gibt es unterschiedliche Aussagen, ob Albert Einstein und Leonardo da Vinci nun wirklich Legastheniker waren. Es gibt einige Indizien und Thesen, die für eine Legasthenie sprechen.

Es ist jedenfalls autobiografisch belegt, dass Einstein bis zum Alter von drei Jahren wenig gesprochen hat. Sobald er die richtigen Wörter abrufen musste, wie etwa in einer Fremdsprache, waren seine Leistungen eher mittelmäßig. Er sagte einmal: „Meine größte Schwäche war vor allem ein schlechtes Gedächtnis für Texte und Wörter.“ Er ging so weit zu behaupten, dass seine wissenschaftlich theoretischen Betrachtungen weniger etwas mit „Wörtern“ zu tun hatten. Seine Denkansätze entwickelte er eher vor seinen geistigen Augen, indem er sie sich vorstellte, so seine eigenen Aussagen.

Der bekannte amerikanische Neurologe und Neurowissenschaftler Normen Geschwind war sich aufgrund dieser Fakten, sicher, dass Einstein ein Legastheniker war. Geschwind war der wichtigste Hirnforscher in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Er identifizierte die Organisation der beiden Hemisphären der Hirne (linke und rechte). Dieser erkannte auch die Ursprünge der unterschiedlichen Funktionsweisen (Teilleistungen), die bis heute eine wichtige Rolle in der Legasthenieforschung spielen.
Auch der bekannte Neuropsychologe P.G. Aaron legte anschaulich dar, wie die Zusammenhänge mit einem „rechtshemisphärischen Kompensationsmechanismus.“ Bei Leonardo da Vincis außergewöhnlichen Fähigkeiten auf vielen Gebieten als Erfinder, Maler, Bildhauer, Musiker, Ingenieur, Wissenschaftler förderte. Diese Mechanismen hingen demnach auch an den ungleichmäßigen Schriftbildern, die man in da Vincis Aufzeichnungen gefunden hatte. Er schrieb bemerkenswert in Spiegelschrift, von rechts nach links, dass mit vielen Rechtschreibfehlern. Verschiedene autobiografische Dokumente beschreiben auch seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache. In der Nähe von Personen konnte da Vinci nicht Lesen.
Es liegt dem nahe, dass beide Genies Legastheniker waren. In der heutigen Neurowissenschaft und Intelligenzforschung gibt es auch Belege für die Thesen von Aaron und Geschwind. Außerdem gab es nach Einsteins Tod von kanadischen Neurowissenschaftlern eine Autopsie seines Gehirns. Man entdeckte hinweise einer ungleichmäßigen Verknüpfung der beiden Gehirnhälften der Scheitellappen des Großhirns. Die u. a. auch für die sprachliche Verarbeitung in der linken Hirnhälfte zuständig sind.

Bis heute haben Forscher in diesen Bereichen der linken Gehirnhälfte in Studien, eine andere Aktivität und Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften bei Legasthenikern nachgewiesen. Aus dieser Bestätigung sind auch die ungleichmäßigen Sinneswahrnehmungen beim Lernen des Schreib,- und Lese-Erwerbs zu begründen. Auch eine höhere Aktivität der rechten Gehirnhälfte bei Legasthenikern wurde in verschiedenen Studien dargestellt.

Auch aus unserer Nachforschung und persönlichen Erkenntnis decken sich diese Überzeugungen auch im engen Zusammenhang der besonderen Begabungen von Legasthenikern. Eine aktivere rechte Gehirnhälfte gleicht die weniger aktiven Bereiche der linken Hälfte wieder aus. Diese andere Aktivierung löst sehr verschiedene Fähigkeiten und Schwierigkeiten aus. Unser menschliches Gehirn ist sehr beweglich und kann die „Defizite“ in neu trainieren, damit auch ausgleichen. Alle Sinne müssen beim Lernen beachtet und angeregt werden. Sie müssen reibungslos zusammenarbeiten, um besser Lesen und Schreiben zu können. Diese Erkenntnis stützt auch unseren umfassenden Ansatz der alle Sinne fördert.

Folgerichtig liegt es sehr nahe dass Albert Einstein oder Leonardo da Vinci, wie viele andere Talente Legastheniker waren und sind.

Quellen: M. Wolf – Das lesende Gehirn S. 234 und Lars-Michael Lehmann 2011

3 Min LesezeitWissenschaft: Thesen und Fakten, dass Leonardo da Vinci und Einstein Legastheniker waren