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Legasthenie im GrundschulalterEine Legasthenie kann man im Grundschulalter ziemlich genau diagnostizieren, besonders wenn man genauer auf die Ursachen und Wirkungen einer Legasthenie schaut. Leider hier werden die meisten Fehler gemacht, weil unser Schulwesen nur den sehr undifferenzierten Sammelbegriff „LRS“ kennt sowie das Gesundheitswesen nur die Lese- Rechtschreibstörung.  Beides sind nur Oberbegriffe ohne Rücksicht auf die genauen Ursachen. Genau hier entsteht überwiegend das Problem der differenzierten Förderdiagnose und anschließenden Förderung für das Kind.

Als erstes muss immer abgeklärt werden, welche Ursachen die verschiedenen Lese- und Rechtschreibschwächen haben. Besonders, wenn es um die Legasthenie geht, muss dieses auch in der Familiengeschichte vorkommen. Das gleiche gilt auch bei einer Dyskalkulie. Diese kommt, wie wir es beobachten, mit großer Sicherheit auch in Kombination häufiger vor, als man sie heute in der Fachwelt entdeckt.

Ursachen für erworbene Lese- und Rechtschreibschwächen (LRS) können ein falsche Lese- und Schreibmethodik in der Schule sein oder im sozialen Umfeld in der Familie liegen. Nach unseren Beobachtungen ist das die größte Gruppe der Lese- und Rechtschreibschwächen (LRS). Bei einer weiteren Gruppe können Erkrankungen der Augen und Ohren eine Rolle für den Erwerb einer LRS spielen – das gleiche gilt für Rechenschwächen, die nicht in der Familiengeschichte vorkommen.

Diese Ursachen müssen für eine differenzierte Diagnose neben der Entwicklung des Kindes abgeklärt sein, um Falschdiagnosen zu vermeiden. Hier wird Ihnen bestimmt deutlich werden, dass „LRS“ oder „Lese- und Rechtschreibstörung“ nur sehr undifferenzierte Sammelbegriffe sind, die mit großer Vorsicht bei jeder Diagnose einer Schulbehörde oder einem LRS-Festellverfahren hinterfragt werden müssen.

Überwiegend wird der Fehler gemacht, ohne Rücksicht auf die Ursachen, die Kinder mit einem Lese- und Rechtschreibtest zu testen. Auch ein IQ-Test kann ohne Differenzierung sehr oft keine deutlichen Aussagen treffen. Darum werden die Kinder häufig in ihren schulischen Möglichkeiten nicht richtig eingeschätzt.

Ein noch größerer Fehler ist der, die Kinder in einer LRS-Klasse zu separieren. Das ist ethisch nicht vertretbar, weil Separation sich negativ auf das Kind und dessen persönliche Entwicklung auswirkt. So werden die Kinder für ihr ganzes Leben gebrandmarkt, was sich unweigerlich auch auf die seelische und schulische Entwicklung auswirkt.

Hier sollten Eltern immer genauer hinsehen, wenn sie die bestmögliche Entwicklung für Ihr Kind einleiten wollen. Als nächstes stellt sich dann die Frage: Welche Schulform ist bei einer Legasthenie die richtige Wahl? Eine öffentliche Schule? Oder eine Privatschule? Da sich die Schulformen gleichermaßen wenig mit diesem sehr komplexen Thema auskennen, kann man keine genauen Aussagen treffen, welche Form die beste Wahl ist.

Der Boom der Privatschulen in Dresden und Sachsen ist systemisch begründet, hat aber nichts mit dieser komplexen Thematik zu tun.

Es gibt aber Punkte, die für eine Privatschule sprechen können, diese liegen nicht selten an der umfassenderen Lernmethodik und dem besseren sozialen Lernumfeld. Dies kann durchaus ein Argument für eine Privatschule sein, was aber nicht heißt, dass jede Schule in freier Trägerschaft für ein legasthenes Kind geeignet ist.

Eltern müssen einer LRS-Klasse nicht zustimmen, sondern können auch eine außerschulische private Förderung organisieren. So kann durchaus auch die Grundschulzeit an einer öffentlichen Schule gelingen. Hier kann eine gute Eltern-Lehrer-Beziehung dienlich sein, um vielleicht das Kind zu unterstützen. Das ist aber von Grundschule zu Grundschule sehr unterschiedlich, meisten sind die Lehrer mit dem Thema überfordert. Ziemlich oft haben LRS-Lehrer an den Schulen auch keine differenzierte wissenschaftliche Qualifikation, um angemessen intervenieren zu können. Das liegt nicht an den Lehrern, sondern an dem wissenschaftlichen Rückstand in Deutschland, der im internationalen Vergleich mindestens 30 Jahre beträgt.

Will man dem Kind umfassende Förderung angedeihen lassen, ist eine differenzierte Förderdiagnose die wichtigste Prävention. Es ist davon abzuraten, sich auf LRS-Tests an Schulen zu verlassen, auch die Diagnostik bei der Sächsischen Bildungsagentur ist überwiegend fehlerhaft. Wir schätzen die Fehlerquote auf mindestens 90 Prozent. Dies hängt daran, dass man sich im Bildungswesen nur an dem sehr groben Begriff „LRS“ orientiert und die Schulpsychologen selten eine Qualifikation in diesem Bereich haben.

Daher sind Diagnosen und Testungen der Schulbehörden grundsätzlich zu hinterfragen. Besonders, wenn es um das Wohl des Kindes geht, sollte man mit gesunder Vorsicht mit diesen Befunden umgehen.

Man sollte sich immer die unabhängige Meinung eines Experten einholen, um auch genaue Klarheit zu erhalten. So kann auch eine schulische Laufbahn für das Kind in die richten Wege geleitet werden. Denn verlässt man sich auf das LRS-Aufnahmeverfahren oder die Schulbehörden, besteht die Gefahr, dass ein Kind keine objektive Beurteilung erhält, die für eine umfassende Förderung wichtig ist. Hier besteht meistens das Problem, dass ein Kind schon von vornherein den falschen schulischen Weg einschlägt.

Handelt es sich wirklich um eine Legasthenie, so muss dieses Kind auf keine Sonderschule, sondern kann eine normale Schullaufbahn durchlaufen und nicht selten auch einen akademische Ausbildung absolvieren. Deswegen sollte man so früh wie möglich auf die Probleme des Kindes achtgeben, was auch bedeutet, rechtzeitig einzugreifen. Da hier leider viele Fehler passieren, besteht eine große Gefahr, dass die Kinder dann von einer seelischen Behinderung (§ 35a SGB VIII) bedroht sein können.

Sollte dann hier das Jugendamt eingreifen müssen, weil nur über diesen Weg eine staatliche Förderung möglich ist, ist es in der Regel schon ziemlich spät. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Kind eine seelische Störung entwickeln wird. Vermeiden kann man sie nur, indem man diesen Weg nicht geht. Nach wissenschaftlichen Aussagen ist es bis zu 30-40 Prozent wahrscheinlich, dass diese Kinder seelische Verhaltensprobleme entwickeln werden, da sie keine richtige Diagnose und Förderung erhalten haben.

Diesen Weg sollte man unbedingt vermeiden. Dies erfordert natürlich, dass Eltern in den ersten beiden Grundschuljahren umsichtig auf die Probleme der Kinder reagieren. Man sollte nicht auf das Eingreifen der Schule bzw. auf die umsichtige Beobachtung durch die Lehrer hoffen.

Sondern die Eltern sollten immer die Eigeninitiative ergreifen und auch die Entwicklungsschritte der Kinder in der Schule beobachten, um beizeiten die richtigen Schritte einzuleiten. Dann besteht auch eine gute Chance, eine Legasthenie während der Grundschulzeit kompensieren zu können.

In der Regel dauert eine paralleles Legasthenietraining 12 bis 24 Monate – besonders gute Chancen bestehen, wenn damit schon vor Einsetzen der Pubertät begonnen wird.

 

5 Min LesezeitRatgeber: Legasthenie im Grundschulalter