Post vom 19.07.2011
310sXo5NHML._SS500_Die Hochbegabtenforschung gibt es erst seit 140 Jahren. Prof. Dr. Albert Ziegler der Universität Ulm veröffentlichte in der Reihe Reinhardts UTB Profile dieses kleine Fachbuch zum Thema Hochbegabung.

Im ersten Teil geht der Autor auf die Begriffsentwicklung und Begriffserklärung: Hochbegabung ein, und gibt auch einen spannenden geschichtlichen Einblick bis in die heutige Zeit. Schon in der Antike und dem frühen Mittelalter war Leistungsexellenz durch Begabung ein wichtiges Thema. Die ersten Erklärungsversuche sind in der Theologie und der Mythologie zu finden, und ziehen sich durch die gesamte Antike. Schon die frühen Denker wie Konfuzius, Platon beschäftigten sich mit den Talenten und Begabungen. Der Autor geht aber noch viel tiefer in dieses Thema ein, bis hin in die heutige Zeit, und zeigt die sehr facettenreiche Entwicklung des Begriffes aus, der zu keiner Zeit klar abgrenzbar war – Hochbegabung kommt von den Ursprüngen Begabung und Talent. Jede geschichtliche Phase betrachtete diese Themen sehr unterschiedlich. Da zeichnet sich ein roter Faden bis in die heutige Zeit.

Der zweite Teil des Buches ist hochinteressant, in diesen geht es um die Intelligenz der Hochleister und was eigentlich Hochbegabung in der wissenschaftlichen Betrachtung zu bedeutet hat. Was sehr interessant ist, das es für viele Wissenschaftler in der Hochbegabtenforschung sich als sehr schwierig zeigte eine Hochbegabung in Form von IQ-Quotient darzustellen, weil das Spektrum in diesen Bereich viele Formen und Spektren aufzeigt. Also nicht nur bei Praktikern wird diese Sicht hinterfragt, auch einige Wissenschaftler sowie die wissenschaftliche Befundlage deuten darauf hin, dass eine IQ-Auswertung nicht ausreichend ist. Leider beharren fälschlicherweise Bildungspolitiker, Verbände am Hochbegabungskriterium, was einen Quotienten von 130 IQ verlangt. In der Hochbegabtenforschung werden diese Sichtweisen nicht vertreten, da ist man richtigerweise der Meinung, dass ein hoher IQ-Wert nichts mit einer hohen Intelligenz zu tun hat, diese Sichtweise wird nur noch von wenigen Wissenschaftlern gesehen. In diesen Teil werden noch weitere interessante Zusammenhänge die auch auf die Intelligenzmessung und Unterscheidung eingehen.

Ein weiteres drittes Kapitel geht auf die Leistungsexellenz durch Expertiseforschung im Hochbegabtenbereich ein, die anhand Leistungsexzellenter Menschen wissenschaftlichen Untersuchungen interessante Beobachtungen über die Eigenschaften von Hochbegabten Menschen gemacht haben. Auch ein wichtiger Aspekt geht auch auf die Grenzen von Leistungsexellenz Menschen ein, man kennt es nicht selten von Hochbegabten, die nicht selten auf Spezialgebieten, besondere Leistungen erzielen, aber in vielen anderen Bereichen eben ihre Probleme haben können. Nach unserer Sicht können auch eine Legasthenie oder eine Dyskalkulie eine Rolle spielen. Leider gibt es in diesen Bereich noch keine wissenschaftliche Betrachtung, auch in dieses Fachbuch nicht. Es wird aber klar herausgestellt, dass begabte Menschen nicht alles können müssen.

Im vierten Teil geht man auf die verschiedenen Hochbegabtenmodelle ein, die auf die delphischen Definitionen von Hochbegabung eingehen. Man geht auf die multifaktoriellen Hochbegabungsmodelle die sehr komplexen Zusammenhänge berücksichtigen. Es werden die verbreitetsten Modelle erläutert.

Der fünfte Teil geht auf die Hochbegabungsdiagnostik ein, hier geht man sehr anspruchsvoll auf die Identifikationspraxis von Hochbegabten und der Diagnose ein, und nimmt aber auch die pädagogische Diagnostik mit in die Betrachtung, daher wird ein sehr anschauliches Bild für die Diagnose sowie spätere Förderung geht der Autor im letzten Kapitel ein.

Es ist ein sehr interessantes Fachbuch aus der Wissenschaft für die verschiedenen Fachgebiete die sich mit diesen Themen beschäftigen, und bringt einen umfassenden Blick aufs Thema. Besonders wenn man Hochleister fördern möchte, kommt man an diesen Buch nicht mehr herum.

Hier können Sie sich beim Reinhardt Verlag weiter informieren.

Es gibt auch weitere Bücher aus UTP-Reihe für die akademische Weiterbildung.

3 Min LesezeitFachbuchrezension: Hochbegabung