3 Min LesezeitBringen LRS-Klassen Integration? Nicht wirklich!

In verschiedenen ostdeutschen Bundesländern gibt es LRS-Klassen in unterschiedlichen Formen. Ob, sie wirkliche Integration bringen, ist wissenschaftlich nicht belegt und auch fraglich.

Als Experte und Betroffener kann ich Eltern nur davon abraten Schüler mit Lernschwierigkeiten wie mit einer familiär bedingten Legasthenie oder erworbenen Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) in eine „Sonder-LRS-Klasse“ zu schicken. Es ist nach unserer Sicht der Dinge kein guter Ansatz Schüler in solch eine LRS-Klasse, zu integrieren. Dies bringt nicht wirklich den integrativen „Legastheniker-Status oder LRS-Status“, sondern eher einen benachteiligten Status,  solche Sonderklassen sollte man vermeiden. Separation in LRS Klassen bringt in diesem Falle nichts – auch längerfristig keine Integration. Nach den 4. Schuljahr müssen die Schüler sowieso in die Klassen der anderen gehen, man kann sich sicherlich vorstellen, wie schwierig es ist, das eben diese Schüler in die „normale“ Schulklasse integriert zu werden. Also der Stempel als „LRS-Hänselopjekt“ ist keine Seltenheit und wirkt sich negativ auf das Selbstbild des Schülers aus, Verhaltensauffälligkeiten sind daraus dann die unvermeidliche Folge. Diese sollte man aber vermeiden, deswegen ist eine separate Hilfe eines Fachmanns wichtig. LRS-Lehrer sind nicht ausreichen für diese Schüler qualifiziert, auch wenn diese sich die beste Mühe geben. Sie sind keine Experten auf diesem Gebiet!

Außerdem muss man dazu sagen, dass LRS-Lehrer keine wissenschaftliche Qualifikation auf diesem Gebiet der (internationalen) Legasthenieforschung vorzuweisen haben. Denn dieses Thema muss viel differenzierter betrachtet werden, um überhaupt helfen zu können. Von vielen Betroffenen wird berichtet, dass diese Klassen keine wirkliche Überwindung der Symptomatik brachte. Wir sehen es dann auch in unserer genauen Diagnostik, dass diese Förderung nicht den gewünschten Effekt gebracht hatte. Da es schon an der differenzierten Diagnostik scheitert, und die pauschale LRS-Förderung kann so keine erfolgreiche Überwindung bringen. In der Praxis erleben wir es sehr oft, das diese dann im Erwachsenenalter zu uns kommen, ohne eine aussagekräftige Diagnose. Also ist der Sinn und Zweck dieser LRS-Klassen infrage zu stellen. Leider hält man seit vielen Jahren an diesen Klassen fest.

Nicht wenige Betroffene haben heute einen Berufsabschluss unter ihren Möglichkeiten, mit einer umfassenden Förderung hätte man diese Entwicklung sicherlich vermeiden können. Diese Herangehensweise wird sich in den nächsten Jahren durch unseren demografischen Wandel und Fachkräftemangel deutlich bemerkbar machen. Denn diese Erwachsenen werden wir auf dem Arbeitsmarkt benötigen, eben nicht Hilfsarbeiter, sondern als möglichst hochqualifizierte Fachkräfte.

Daher benötigen Schüler mit diesen sehr individuellen Schwierigkeiten mit den Lesen und Schreiben als auch mit erworbenen Lese-Recht-Schreibschwächen (LRS) oder genetisch bedingter Legasthenie differenzierte und persönliche Förderung, dass in den ersten Grundschuljahren. Hinzukommen weitere sehr komplexe Zusammenhänge wie mögliche Hochbegabungen und Mehrfachbegabungen oder kombinierte Schwierigkeiten mit dem Rechnen die heute auch selten bemerkt werden. Denn es gibt auch Probleme mit dem Rechnen wie Dyskalkulie (genetisch bedingt) Rechenschwäche (erworben), die zusätzlich kombiniert auftreten können.

Es gibt also keine wissenschaftlichen Indizien, dass solche gesonderten LRS-Klassen etwas den Schüler nütze, sind. Diese Beschulungsart bemängelte auch der Selbsthilfeverband BVL e.V. erst neulich beim letzten Bundeskongress. Wo wir eine volle Zustimmung geben können, da dies auch unser längjährige praktische Arbeit und persönliche Erfahrung bestätigt werden kann. Betroffene benötigen umfassende Förderung, auch wenn diese meistens privat bezahlt werden muss.

Dieser Artikel ist eine Überarbeitung von 26. Januar 2009.