Über das Thema ADHS wird seit einigen Jahren viel berichtet. Dennoch ist es umstritten, dass es ADHS überhaupt als Krankheitsbild gibt. Warum das so ist, werden wir nicht im Detail in diesem Artikel klären können – es wäre zu komplex. Wir werden bezüglich unserer Erfahrungen im Hinblick auf das Sachthema „Legasthenie“ auf dieses Thema eingehen. 

Nach unserer Erfahrung und Forschung können wir die Meinung nicht teilen, dass es ADHS als Krankheit gebe, auch nicht in Verbindung mit einer Legasthenie. Sicherlich mag es Fachleute geben, die das anders sehen. Es ist zu bezweifeln, dass dieses Syndrom eine biochemische Erkrankung des Gehirnes sei, da die Ursachen und Erscheinungsformen von ADS oder ADHS nicht erforscht wurden.

Scheinbar betrifft das nicht wenige Krankheitsbilder, die im DSM-IV oder im ICD-10 Manuel als psychische Störbilder auftauchen. Die Zweifel kommen auch aus den Fachkreisen, die mit diesen vermeintlichen Störbildern in der Praxis zu tun haben. Auch der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther bezweifelt, dass es dieses Krankheitsbild als Hirnstörung überhaupt gibt. Fakt ist, dass die Pharmaindustrie viel Geld an den Kindern verdient[1]. Auch in der letzten Report-München-Sendung vom 07.05.2013 wurde deutlich, dass auch andere Fachleute die Situation im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Sorge sehen – denn die pharmazeutische Industrie hatte im Vorfeld wenig an den Ursachen dieser statistischen Störbilder geforscht, bevor sie Therapien auf den Markt brachte. Darum gibt es einen recht großen Spielraum bei ADHS sowie auch bei der Lese-Rechtschreib-Störung nach der ICD-10. Diese Diagnostik kann dem Betroffenen keine Klarheit bringen, weil sie ungenau oder häufig sogar falsch ist. Mit dem neuen Manuel DSM-5 scheint sich die Situation scheinbar noch zu verschlimmern. Sogar der Mitherausgeber des DSM-IV, der Psychiater und Forscher Allen Frances[2], warnt vor einer inflationären Diagnostik in diesem Bereich.

Glaubt man den Zahlen des Robert-Koch-Instituts, dass rund 20 Prozent der Kinder auffällig sein sollen, muss man sich fragen, was die Ursachen sein könnten. Denn ist es unnormal, dass Kinder vom Verhalten her wissbegierig und aktiv sind? Oder dass sie gar manchmal unruhig und überaktiv sind? Hier muss man sich fragen, was gestört oder gesund ist?

Nach unserer Sicht ist ADHS eine Umschreibung unserer gesellschaftlichen und sozialen Umweltbedingungen. Denn mehr oder weniger aktive Kinder gab es auch ohne ADHS-Diagnose. Nein, es geht darum, wie wir uns als Eltern um unsere Kinder kümmern. Überlassen wir sie in ihrer Entwicklung sich selbst? Oder fördern wir sie und gehen auf ihre Bedürfnisse ein? Das betrifft sowohl das Elternhaus als auch die Schule. Kinder benötigen für ihre Entwicklung reale Erfahrungen – durch Sport, Musik, Natur und Spiel. Darum dürfen wir die Kinder, die im Sozialverhalten anders sind, nicht als krank abstempeln, sondern müssen uns um die Ursachen kümmern. So dass sich diese eben nicht erst zu größeren seelischen Störungen im Jugendalter entwickeln.

Es besteht also die Gefahr, dass man voreilig die Kinder als gestört einordnet, obwohl sie zumeist genauso normal wie alle anderen Kinder sind. Darum sollte man bei Verhaltensauffälligkeiten immer die soziale Situation in Familie und Schule in der Anamnese mitberücksichtigen. Kinder, die wirklich krankhaft unaufmerksam sind, mag es geben – aber nicht so häufig, wie es uns gesellschaftliche Trends weismachen wollen. Die Diagnose ADHS ist heute längst inflationär geworden, wie uns bisher schon einige Psychologen bestätigten.

Sicherlich ist es sehr bequem für Eltern und Lehrer, dass Kinder mit Medikamenten ruhiggestellt werden. So ist es wirklich eine ethische Frage: Wollen wir Kinder mit einem gesunden Selbstbild, stabiler Persönlichkeit, Motivation und Lernbereitschaft, Kinder, die mit Neugier und Freude das Leben entdecken? Oder wollen wir Kinder, die wir nach unseren Modediagnosen perfektionieren? Wollen wir Kinder, die später mit ihrem Leben nicht klarkommen, weil wir ihnen zu wenige reale Erfahrungen ermöglichten, um sich auszuprobieren? Trauen wir ihnen zu wenig zu, wie sollen sie selbst Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln? Denn solche Kinder werden im Leben scheitern, weil sie ein geringes Selbstbild haben werden. Außerdem sind diese Kinder auch verschiedenen Lernproblemen (erwerben) ausgesetzt, die zwar einer Legasthenie oder Dyskalkulie zum Verwechseln ähnlich sind – aber diese sind i.d.R. eher durch Umweltbedingungen erworbene Probleme, die auch bis dahin nicht in der Familie vorgekommen sind. Darum besteht nach unserer Sicht kein Zusammenhang zwischen ADHS und Legasthenie. Diese besagten psychosozialen Verhaltensprobleme können jedoch beim Erwerb von LRS oder Rechenschwächen mit ursächlich sein.

Diese Entwicklungen könnte man bestimmt verbessern oder gar präventiv  vermeiden, wenn sich die Umweltbedingungen in punkto Erziehung und Bildung verbesserten. Man könnte sich um diejenigen Schüler bemühen, die sich wirklich von Natur aus mit dem Lernen schwertun, was dann wirklich eine Legasthenie und Dyskalkulie bedeutet.

4 Min LesezeitADHS gibt es gar nicht als Krankheit, auch nicht in Verbindung mit einer Legasthenie?
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