Das Fachbuch der Reinhardt der UTB-Reihe zum Thema: Dyskalkulie von der Entwicklungsphysiologin Prof. Dr. Karin Landerl und der Neuropsychologin Dr. Mag. Liane Kaufmann.
Es geht auf die allgemeinen Grundlagen der Zahlenverarbeitung ein. Sowie auf die allgemeine Entwicklung der Zahlenverarbeitung bei in der menschlichen Entwicklung. Anhand verschiedener Modelle werden diese Bereiche verdeutlicht. Im zweiten Kapitel geht es um die Definition der Dyskalkulie, Epidemiologie, Prognose, Neuroglosche Befunde. Weiter geht es auch auf verschiedene andere Fragen ein, welche Probleme eine Dyskalkulie verursachen. Man stellt auch die Frage nach den Subtypen und stellt ein interessantes Kausalmodell vor.
Das vierte Kapitel geht auf die Diagnostik der Dyskalkulie ein, geht auf die Schuleingangsuntersuchungen ein. Des Weiteren wird auf die neuropsychologischen Theorien der Zahlenverarbeitung die auf den Rechenleistungen basieren eingegangen. Als Nächstes werden weitere psychologische Testverfahren zusammengestellt. Im letzten fünften Kapitel geht man auf die Instruktionen, Förderung und Interventionen von Schülern mit Dyskalkulie ein. Als Weiteres findend man im Anhang ein nützliches Glossar, Literaturverweise sowie ein Sachregister.
Es ist ein komprimiertes Faktenbuch über den Stand der psychologischen und neurobiologischen Forschung im internationalen Kontext. Dieses Buch zeigt uns auch die Zerwürfnisse in der wissenschaftlichen Theorie und Praxis auf, die auch die Probleme der Differenzierung und Diagnostik aufzeigen. Und zeigt es, dass wir von einem umfassenden Ansatz für die Betroffenen weit entfernt sind. Uns zeigt es, es fehlt eine umfassende Definition der sehr vielfältigen Rechenschwächen, die Diskussion ähnelt, wie genetisch bedingter Legasthenie und erworbener Lese-Recht-Schreibschwäche (LRS). Interessanterweise wird aber auf das Diagnostische Manuel der WHO-ICD-10 (Dilling/Freyberger 2001) anführte Definition der “Rechenstörung” (F 81.2) nur als bedingt hilfreich angesehen. Da eben eine Rechenschwäche viel umfangreicher ist als eine pauschalierte Zusammenfassung. Für Arbeit mit Betroffenen ob in der Diagnostik, als auch umfassenden Förderung sind uns diese Definitionen nicht hilfreich. Dieses Buch zeigt auch nur den pathologischen Ansatz, der nicht wirklich in der pädagogischen Förderung kompatibel ist.
Als Weiteres wird auch angeführt das bei der Diagnostik mittels HAWIK-IV (Petermann/Petermann 2007; K-ABC, Melchers/Preuß 1996) zu Diskrepanzen kommt und häufig schlechter abschneiden. Deswegen werden nicht wenige Schüler auch auf eine Förderschule für Lernförderung verwiesen. Weil, die Betroffenen nicht richtig eingeschätzt werden können. Obwohl diese von der allgemeinen Intelligenz durchschnittlich “normal” sind. So erleben wir die Arbeit mit Betroffenen und beobachten auch das Scheitern vieler im Erwachsenenalter.
Ein nächstes wird auch deutlich das der Zusammenhang einer Legasthenie und Dyskalkulie sehr eng, und mehrere Studien bestätigen eine Kombination bei Schülern. Wir zitieren von Seite 98: “Dyskalkulie tritt in vielen Fällen nicht isoliert auf, sondern in der Kombination mit Legasthenie oder ADHS auf.” Es werden jedenfalls 5. verschieden Studien vorgestellt die, diese Kombinationen bei Kindern und Jugendlichen untersucht haben. Wir finden eine deutsche Stichprobe von, Prof. Michael von Aster von 2007 mit 337 Kindern der 2. Klassenstufe diese besagt, dass sogar 70 Prozent eine Kombination Rechenschwäche und Lese-Rechtscheibstörung aufwiesen. Nach unseren Beobachtungen sin diese Zahlen, auch für Dresden gut nachvollziehbar.
Denn wir, hatten bisher noch keine mit einer Dyskalkulie der keine Kombination einer Legasthenie aufwiesen. Zumindest zeigen sich deutliche Schwierigkeiten im Lesen, nicht immer in der Rechtschreibung. Es wird auch hingewiesen, das es mehrere Varianten gibt. In der Diagnostik werden diese Schwierigkeiten meistens nicht richtig zugeordnet. Deswegen scheitern auch viele Kinder und Jugendlichen in der langfristigen Förderung, weil sie dann von Therapeuten zu Therapeuten gehen müssen, in Deutschland gibt es zu wenige Spezialisten, die sich mit diesen Kombinationen auskennen. Sicherlich wird es hier regionale Unterschiede in Deutschland geben, in welcher Weiße man den Betroffenen zu helfen versucht. Außerdem ist gibt es keine Studien über die Langzeitauswirkung einer langfristigen Auswirkungen auf die Schullaufbahn, sowie der beruflichen Entwicklung, zumindest wird angenommen das die Auswirkungen mit kombinierten Problemen deutlich schwieriger sind als, wenn es nur eine isolierte Lese-Recht-Schreibschwäche ist. Nach englischen Studien gab es Stichproben unter 37-jährigen Männern, dass die Arbeitslosenrate bei diesen mit adäquaten Rechen- und Leseleistungen bei 8 Prozent lag, bei Personen mit auffällig schwachen Rechenleistungen aber bei beachtlichen 48 Prozent und 41 Prozent mit schwachen Leseleistungen. In dieser englischen Stichprobe wird dargelegt, dass jeder zweite Betroffene mit einer Rechenschwäche arbeitslos war. Dies zeigt uns, dass die Relevanz der Forschung nach Gesichtspunkten des Gemeinwohls total vernachlässigt wurde. Gäbe es in Deutschland ähnliche Untersuchungen, käme man mit Sicherheit auf sehr ähnliche Ergebnisse.
Wir haben, schon ein großes Problem in der Differenzierung der verschiedenen Schwierigkeiten mit dem Lesen, Schreiben, kommen dann komplexe Kombinationen hinzu, scheitern alle Integrationsversuche. Hier in Sachsen beobachten wir es schon mehr als 20 Jahre das sich auf der ganzen Ebene sehr wenig getan hat. Das sich der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. als erster Selbsthilfeverband, um die Belange dyskalkuler Menschen kümmern würde halten wir als völlig hypothetisch und unangemessen, da die Praxis uns ganz andere Fakten zeigen. Denn die meisten Betroffenen kennen diesen Verband gar nicht. Und wenn sie ihn um Hilfe bitte hören wir immer wieder von Betroffenen ernüchterte Berichte, dass man von dieser Seite fast keine umfassende Hilfe bekommt. Der große Fehler den wir schon seit vielen Jahren kritisieren ist der sehr einseitige medizinische Ansatz der sich immer nach der ICD-10 orientiert, dieser ist in der Praxis für die Förderung von Betroffenen aller Altersklassen zum Scheitern verurteil. Aus der Perspektive der Betoffenen können wir nur sagen, dass diese nicht als „Rechen- oder Lesegestörte“ bezeichnet werden wollen. Das ist auch aus wissenschaftlicher Sicht diskriminierend. Uns klingt es manchmal nach Selektion einer alten grausamen Zeit, aber nicht nach umfassender Integration im Dienste legasthener und dyskalkuler Menschen.
Fazit: Dieses Buch ist nur ein Grundlagenbuch für die wissenschaftliche Theorie. Für die praktische Arbeit und Integration eignet sich dieses Buch nicht. Für ein Lehrbuch ist es nach unser Sicht nicht objektiv genug. Weil, es auch andere Ansätze, wie die von Dr. Kopp-Duller völlig ignoriert, was wissenschaftlich einseitig ist. Daher ist dieses, kein unabhängiges Buch für die akademische Bildung. Sondern es ist scheinbar ein Buch aus Sicht des Selbsthilfeverbandes. Der, wie wir schon lange wissen, eng mit der Pharmaindustrie verstrickt ist. Will, man den Betroffenen helfen braucht es einen umfassenden Ansatz. Dieser fehlt uns diesem Buch völlig – es zeigt uns, dass Wissenschaft in ihrer grauen Ignoranz anderer Disziplinen stecken geblieben ist. Für die pädagogische Arbeit eignet sich dieses Buch nicht. Wir haben schon aus der Reinhardts UTB-Reihe schon “bessere” Literatur rezensiert.
